• Von Reinier Jesus Carvalhoi erzählte man sich viele Wunderdinge.
  • Die Leihe des Brasilianers zum BVB sollte ein grosser Coup sein.
  • Nach knapp zwei Jahren lässt sich konstatieren: Reinier und Dortmund - das hat nie gepasst.

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Brasilianischer Meister und Gewinner der Copa Libertadores mit gerade einmal 17 Jahren: Die Karriere als Profi hätte für Reinier Jesus Carvalho kaum besser starten können. Ein paar Wochen nach den ersten grossen Titeln kam der erste grosse Transfer, Real Madrid überwies 30 Millionen Euro Ablöse an Flamengo Rio de Janeiro. Das war vor rund zwei Jahren - und seitdem tritt eines der grössten Talente des an Talenten nicht eben unterversorgten brasilianischen Fussballs nur noch auf der Stelle.

Der Transfer des Spielers war für Real Madrid ein Versuch, neue Pfade zu beschreiten. Die Zeit der Mega-Transfers, wie sie in den Nullerjahren oder zu Beginn des letzten Jahrzehnts noch üblich waren, ist für die Königlichen fast komplett vorbei. Real kann oder will finanziell nicht mehr mithalten mit den von Petro-Dollars alimentierten Kontrahenten aus England oder Paris oder jenen aus Barcelona, die Geld ausgeben, das sie nie eingenommen haben.

Real hat seine Strategie verändert, Florentino Perez kauft jetzt nur noch vereinzelt, teure und fertige Spieler. Stattdessen fährt Real wie viele andere Klubs auch die Linie, für blutjunge Talente ins Risiko zu gehen. Spieler wie Reinier, der in Madrid einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hatte und bei dem eingepreist war, dass er ein, zwei, vielleicht auch drei Jahre verliehen werden könnte, um dann als gestählter Profi zurück nach Madrid zu kommen und bei Real durchzustarten.

Nur ein Spiel über die volle Distanz

An diesem Punkt der Geschichte tritt dann Borussia Dortmund auf den Plan. Der BVB war im Sommer 2020 nur zu gerne der Klub, der Reinier aus Madrid ausleihen und ausbilden wollte. Seitdem spielt Reinier für die Borussia, oder genauer: Er steht auf der Gehaltsliste. Denn spielen durfte der mittlerweile 20-Jährige kaum. 37 Pflichtspieleinsätze weist die Statistik auf, die meisten davon im Teilzeitbetrieb, insgesamt nur 735 Spielminuten.

Ein einziges Spiel durfte Reinier in Dortmund in nun fast zwei Jahren über die vollen 90 Minuten spielen: Im DFB-Pokal gegen das Zweitliga-Schlusslicht FC Ingolstadt. Und man kann nicht behaupten, dass das nur an einem missliebigen Trainer gelegen haben konnte. Reinier war unter Lucien Favre ebenso ein Mitläufer wie unter Edin Terzic und wie er das nun mit Marco Rose als Trainer ist.

"Es ist sehr merkwürdig, was in Dortmund passiert"

Ein Tor und eine Torvorlage hat Reinier bisher geschafft. Eine ungenügende Bilanz für einen offensiven Mittelfeldspieler, der sich selbst auf der Zehn sieht und eigentlich genug Potenzial haben sollte. Reinier und sein Vater, der gleichzeitig auch dessen Berater ist, sehen die geringen Einsatzzeiten als grösstes Problem, vor einigen Wochen moserte Mauro Brasilia in Richtung der Dortmunder Verantwortlichen.

"Der BVB verpasst Tag für Tag die Gelegenheit, einen talentierten jungen Mann weiterzuentwickeln und sich an ihm zu erfreuen. Es ist sehr merkwürdig, was in Dortmund passiert. Es ist schade - für beide Seiten", Reiniers Vater damals und legte bei "SPOX" noch nach. "Er kann der Mannschaft mit seinem Spielstil helfen, das wäre auch in manchen Spielen dringend notwendig gewesen. "Er beherrscht die Spielkontrolle und Ballbesitzfussball wie nur wenige, aber es wirkt so, als habe Borussia Dortmund das nicht verstanden. Sie haben diese Option nicht genutzt."

Reinier nutzt seine (wenigen) Chancen nicht

Was im Grunde genommen auch stimmt, wenn man sich die blossen Einsatzzeiten anschaut und davon ausgeht, dass so ein junger Spieler auch Vertrauen und Anbindung an die Mannschaft nur dann finden kann, wenn er regelmässig spielen darf. Auf der anderen Seite brachte ihn Rose in einigen wichtigen Partien, entweder von der Bank oder wie im entscheidenden Champions-League-Spiel in Lissabon von Beginn an. Auch am Wochenende bei den Bayern stand Reinier etwas überraschend in der ersten Elf - und zeigte einmal mehr kaum etwas von dem, das ihm zugetraut wird.

Auch nach fast zwei Jahren wirkt der Spieler wie ein Fremdkörper in der Mannschaft, ist nicht eingebunden in die Abläufe oder wäre ein Faktor auf spielerischer oder emotionaler Ebene. Reinier schwimmt halt so mit, zeigt ab und an ein paar nette Aktionen und nimmt sich dann wieder raus. So kann man in der Bundesliga aber nicht bestehen und schon gar nicht auf dem höchsten Niveau: In der Königsklasse, in Spielen gegen die Bayern oder Leipzig - und letztlich auch nicht bei Real Madrid.

BVB gibt über 13 Millionen Euro für Reinier aus

In wenigen Wochen wird Reinier das Kapitel Dortmund beenden und nach Madrid zurückkehren. Der BVB wird dann nach Informationen der "Marca" über 13 Millionen Euro in das Leihgeschäft versenkt - fünf Millionen Leihsumme für zwei Jahre plus das offenbar recht üppige Gehalt von rund 8,5 Millionen Euro für die beiden Spielzeiten - und fast keinen sportlichen Gegenwert bekommen haben. Ein heftiges Minusgeschäft, womöglich eines der schlechtesten in der langen Amtszeit von Michael Zorc.

Reinier selbst braucht sich wohl nicht lange in Madrid einrichten, wenn er Dortmund verlassen hat. Der Brasilianer soll nach seiner Rückkehr erneut verliehen werden, der Plan der Königlichen ist auch nicht aufgegangen. Diesmal soll es aber eine Leihe in der spanischen Liga sein. Vielleicht kommt der 20-Jährige dort besser zurecht, als bei Borussia Dortmund.

Verwendete Quellen:

  • Spox: BVB: "Sie haben es nicht verstanden!" Reinier-Vater kritisiert Borussia Dortmund
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