Peter Stöger sitzt gegen den FSV Mainz 05 das erste Mal auf der Trainerbank des BVB. Nur zwei Tage nach seiner Vorstellung hoffen die Borussen auf den Beginn der Trendwende. Doch was soll der Österreicher in der Kürze der Zeit überhaupt verändern?

Gerade einmal zwei Tage ist Peter Stöger Trainer von Borussia Dortmund und schon steht sein erstes Bundesligaspiel mit dem BVB an. In Mainz trifft er auf eine Mannschaft, die für den BVB normalerweise eine lästige Pflichtaufgabe darstellt - doch was ist dieser Tage schon "normal" beim BVB?

Unter Vorgänger Peter Bosz wollte es an den vergangenen acht Spieltagen nicht mit einem Sieg klappen, nun erhofft sich ganz Dortmund eine Initialzündung vom neuen, österreichischen Peter.

Niemand darf eine Handschrift erwarten

Es wartet ein Haufen Arbeit auf Stöger, der noch vor acht Tagen Trainer des 1. FC Köln war und sich nun mental auf einen neuen, ebenfalls sehr emotionalen Klub einstellen muss.

Als grosses Problem unter Bosz galt in der öffentlichen Wahrnehmung die taktische Unflexibilität des Niederländers, der erst lange nicht von seinem bevorzugten und defensiv sehr wackeligen 4-3-3-System abrücken wollte und als er es dann tat, bis zu seinem Aus mit einer verunsicherten Hintermannschaft zu kämpfen hatte.

Dass sich das in nur zwei Tagen beheben lässt, ist unwahrscheinlich. "Es wird niemand erwarten können, dass man gegen Mainz schon eine Handschrift sieht", bremste Stöger auf der Pressekonferenz am Sonntag die Erwartungen. Aber was ist es dann, was der neue Trainer in seinen ersten Tagen im Verein anstossen kann?

Empathie und Problemzonen

"Es ist eine kurze Zeit bis zum Spiel. Es wird in dieser Phase darum gehen, mit den Jungs zu sprechen, herauszufinden, wo die Problemzonen liegen und was man in der kurzen Zeit schon verändern kann", erklärt Stöger den anwesenden Journalisten in Dortmund und führt aus: "Es geht darum, ein bisschen Empathie in die Gruppe zu bringen und mal rauszuhören, was denn wirklich abseits des Fussballspielens zu verbessern ist. Es sind oft Kleinigkeiten und an die werden wir rangehen."

Zu diesen Kleinigkeiten gehört vor allem, Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen, die Mannschaft wieder zu einer Einheit zu formen. In den vergangenen Wochen war es offensichtlich, dass es im Mannschaftsgefüge knirscht.

Problemfall Aubameyang

Oftmals Gegenstand von Unruhen ist in dieser Saison Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang. Seine Treffsicherheit von Saisonbeginn, als er in acht Spielen zehn Tore erzielte, hat er verloren.

Auf dem Feld wirkte er zuletzt lustlos, abseits des Platzes fiel er durch Undiszipliniertheiten wie zu spätes Erscheinen beim Mannschaftstraining, für das er für das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart suspendiert wurde, auf.

Doch "Auba" ist Dortmunds Lebensversicherung. Läuft es bei ihm, dann läuft es meist auch beim ganzen Team.

Stöger darf daher nicht lange zögern, muss den Gabuner wieder in die Spur schicken und ihm vor allem seine Fehltritte abseits des Platzes abgewöhnen.

Selbstvertrauen für die Formschwachen

Natürlich ist Aubameyang nicht allein für die Misere, durch die Borussia Dortmund im Rekordtempo von Platz eins bis auf den achten Rang abgerutscht ist, verantwortlich. Kein Spieler in Schwarz-Gelb erreicht derzeit ansatzweise sein Leistungsmaximum. Das Selbstvertrauen ist weg.

Auch hier muss und kann Stöger durch Gespräche und Zuspruch kurzfristig helfen. Julian Weigl zum Beispiel spielte unter Bosz so schlecht wie noch nie in seiner Zeit beim BVB. Unter Thomas Tuchel war er der Taktgeber und das pulsierende Herz in der Zentrale der Westfalen. Gegen Schalke hatte er in 65 Minuten Spielzeit nur 29 Ballkontakte.

Die Reanimation Weigls wäre für das Spiel des BVB einer dieser Mosaiksteine, die Stöger ansprach.

Drei Spiele sind es noch bis zur Winterpause. Dann wird Stöger mit seinem Team das erste Fazit ziehen und in der Transferperiode vielleicht sogar reagieren.

Hoffnungsträger kehren zurück

Verstärkungen benötigt der BVB vor allem in der Defensive. Neuzugang Ömer Toprak floppte bislang total, der junge Dan-Axel Zagadou ist noch nicht stabil genug.

Durch Verletzungen von Lukasz Piszczek, Jeremy Toljan und Erik Durm musste Marc Bartra häufig auf der Rechtsverteidigerposition aushelfen und fehlte dadurch in der Innenverteidigung.

Eine grosse Hoffnung, die mit der gut dreiwöchigen Spielpause verbunden ist, ist die Rückkehr diverser verletzter Stars in der Rückrunde.

Allen voran Marco Reus, der zwar erst Mitte Februar zurückerwartet wird, die Mannschaft aber dann sofort auf ein höheres Level hieven kann.

Mario Götze, Gonzalo Castro und Piszczek könnten zum Rückrundenauftakt schon wieder im Aufgebot stehen.

Eine grosse Chance

Zuvor gilt es für Stöger mehr oder weniger im Blindflug drei schwere Aufgaben zu absolvieren: Heute Abend in Mainz, am Samstag zuhause gegen Hoffenheim und vier Tage vor Heiligabend im Pokal-Achtelfinale beim FC Bayern.

Ein hartes Stück Arbeit - aber auch eine Riesenchance.