• In der Bundesliga und 2. Bundesliga sind noch fast 100 Spieler nicht gegen COVID-19 geimpft.
  • Sowohl Clubs als auch die Dachorganisation Deutsche Fussball Liga (DFL) versuchen die Nicht-Geimpften zu überzeugen.
  • Radikale Regeln wie etwa im US-Sport gibt es in Deutschland nicht.
Eine Analyse

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DFL-Chef Christian Seifert machte vor wenigen Tagen die Ansage, dass noch 86 der circa 1.000 Profis in der Bundesliga und 2. Bundesliga nicht gegen COVID-19 geimpft seien. Als offiziell durchgeimpft galten zum Saisonstart nur der FC Augsburg, der 1. FC Köln, der Karlsruher SC und Holstein Kiel. Seifert verband diese Ansage mit einem deutlichen Aufruf: "Lasst euch gefälligst impfen!"

Nicht zuletzt seit der Posse rund um ein nicht-geimpftes Spieler-Quintett bei Bayern München scheint der Druck auf einige impfunwillige Profis zu steigen. Die Verantwortlichen versuchen momentan vieles, um die erwähnten 86 Spieler zu überzeugen.

Impfunwillige bleiben unwillig

Das ist aus der Perspektive all derer, die sich angesichts steigender Inzidenz- und Hospitalisierungsraten sorgen und in Fussballprofis vielleicht sogar gesellschaftliche Vorbilder wähnen, vollkommen nachvollziehbar. Allerdings kann durch den steigenden Druck oder sogar ein öffentliches Anprangern der Ungeimpften ein Riss im deutschen Profifussball entstehen.

Denn jene Spieler, die sich partout gegen das Impfen sträuben, werden von ihrem Standpunkt nicht ohne weiteres abrücken. Das war bereits in den USA zu beobachten, wo sich ein tiefer Konflikt innerhalb einiger Sportligen entwickelt hat.

"Viele der Athleten sind geimpft. Viele von ihnen sind gewillt, sich impfen zu lassen. Manche haben Bedenken. Und manche werden sich nicht impfen lassen – das werden sie niemals tun", konstatiert Zachary Binney, ein Epidemiologe der Emory University mit Blick auf die NFL und NBA.

NHL droht mit Gehaltskürzungen

Sowohl im American Football als auch im Basketball gibt es prominente Impfgegner wie den Point Guard der Brooklyn Nets, Kyrie Irving, der aufgrund der Gesetzlichkeiten in New York City momentan nicht für sein Team spielen darf.

In der Eishockey-Liga NHL existiert derweil eine fast einhundertprozentige Impfquote. Zum Start der Saison vor einigen Wochen waren wohl weniger als 15 Spieler nicht geimpft. "Wir haben gar nicht so viel darüber gesprochen. Jeder sagte einfach sinngemäss: Ja, ich lasse mich impfen", erklärte Drew Doughty von den Los Angeles Kings im Gespräch mit "The Athletic".

Allerdings glaubt der knallharte Verteidiger auch, dass die Androhung der Liga, wonach Spieler kein Gehalt für verpasste Spiele aufgrund positiver COVID-Tests erhalten würden, ihre Wirkung nicht verfehlte. Einen weiteren Grund, den Doughty ausmacht, ist das Verlangen nach Normalität, denn die Eishockey-Profis verbrachten die vergangene Saison weitestgehend abgeschirmt in Hotels – keine Teamdinner, keine Partys im Anschluss, keinen Spass.

DFL bleibt passiv

Im deutschen Profisport sind die Zustände grundsätzlich laxer. Die Fussballer müssen Regeln befolgen, können sich aber durch negative Tests dann recht entspannt im Mannschaftsbetrieb verhalten – nur die 2G-Regelungen in Hotels entpuppen sich mittlerweile als Problem. Die DFL hielt sich derweil bis auf die erwähnten Aufforderungen zurück.

"Eine zentrale, ligaweite Impfaktion kann und wird es nicht geben - schon allein aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern", sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken im Sommer. Auch eine Impfpflicht wurde nicht beschlossen, obwohl der Teamarzt der Nationalmannschaft, Prof. Tim Meyer, der zudem mitverantwortlich für die Hygienemassnahmen im deutschen Profifussball ist, diese sogar für umsetzbar hält, wenn die Clubs diese selbst einführen.

Auch Corona-Skeptiker in der Bundesliga

Die Clubs sehen sich ohnehin im Zugzwang, denn sie wollen verlängerte Quarantäne- und damit Ausfallzeiten verhindern. Bayern München drohte bereits den eigenen Profis an, von einer am 1. November erlassenen Verordnung der Stadt München Gebrauch zu machen, wonach Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kein Gehalt gezahlt werden muss, sofern sie aufgrund ihres Impfstatus der eigenen Arbeit nicht nachgehen können.

Doch Drohungen allein werden nicht helfen. Neben Bedenkenträgenr wie Joshua Kimmich gibt es in der Bundesliga auch nachweislich Corona-Skeptiker wie Wolfsburg-Stürmer Wout Weghorst. Der 29-jährige Niederländer wurde im Oktober positiv auf COVID-19 getestet und muss sich aufgrund seines Genesenen-Status zumindest für einige Monate keiner Diskussion stellen.

Vorsichtige Aufforderungen von Trainern

Die Bundesliga-Clubs gehen die Thematik insgesamt eher vorsichtig an. Bei Bayern München konsultierten zuletzt einige der nicht-geimpften Spieler die Mannschaftsärzte, die versuchten, über alles aufzuklären. Jamal Musiala und Serge Gnabry, der aufgrund seiner vorherigen Genesung von einer Erkrankung bereits nach einer Spritze als vollständig geimpft gilt, liessen sich daraufhin impfen.

Weil aber weiterhin die Angst besteht, dass Gräben innerhalb der Mannschaft aufreissen könnten, bleiben viele Verantwortliche in der Bundesliga zurückhaltend. Sie benutzen Worte wie "sensibilisieren" (Stuttgart-Trainer Pellegrino Matarazzo), "Verantwortung" (Freiburg-Trainer Christian Streich) oder "empfehlen" (Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic).

Verwendete Quellen

  • The Athletic: "How did the NHL get such a high number of vaccinated players?"
  • kicker.de: "DFL empfiehlt Impfung der Profis".