• Wolfgang Grupp hatte einen der dicksten Fische der Bundesliga nicht nur an der Angel, sondern bereits gefangen.
  • Der Chef des Bekleidungsriesen Trigema hatte 1984 Uli Hoeness' Wort, als Hauptsponsor auf der Brust des FC Bayern zu landen.
  • Der Manager des Münchner Klubs wollte laut Grupp aber plötzlich von seiner Zusage nichts mehr wissen - und sagte, jemand anderer sei schuld am Scheitern des Deals.
  • Das beschäftigt einen der angesehensten Unternehmensbosse Deutschlands bis heute.

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Es gibt zwei Möglichkeiten, woher Menschen das Bekleidungsunternehmen Trigema aus dem schwäbischen Burladingen kennen: wegen des Affen, der über Jahre im Fernsehen für Trigema warb, oder wegen des Trikotsponsorings in der Fussball-Bundesliga.

"Wir hatten insgesamt 13 Bundesligavereine unter Vertrag", erwähnt Firmenchef Wolfgang Grupp im Gespräch mit unserer Redaktion. Einen aber bekam Grupp nicht, obwohl dessen Macher seinen Erzählungen nach bei ihm im Wort stand. "Ich nehme an, dass Sie schon die Version von Herrn Hoeness gehört haben", sagt Grupp. "Die stimmt natürlich nicht."

Grupp erzählt uns seine Geschichte des geplatzten Deals mit dem FC Bayern München. Sie begann mit Zahlungsschwierigkeiten beim damaligen Hauptsponsor des heutigen Rekordmeisters.

FC Bayern Münchens Hauptsponsor Iveco konnte nicht mehr zahlen

"Damals, Anfang der 80er, war Iveco noch auf dem Trikot und hatte auch die Option auf eine Vertragsverlängerung", berichtet Grupp. "Aber Iveco musste damals sparen und hatte Leute entlassen, da passte eine Verlängerung moralisch nicht zusammen."

Die Bayern waren 1974 mit ihrem Ausrüster Adidas, dem sie stets und bis heute die Treue hielten, in die neue Vermarktungsform der Trikotwerbung eingestiegen. 1978 löste der Nutzfahrzeughersteller Magirus-Deutz Adidas auf der Brust der Trikots der Bayern-Spieler ab.

Magirus stammt aus Ulm, der Heimatstadt des damaligen Bayern-Profis Uli Hoeness. Hoeness wurde zum Ende der Saison 1978/79 im Alter von nur 27 Jahren Manager des FC Bayern München - und aus Magirus-Deutz wurde durch die Übernahme durch den italienischen Nutzfahrzeughersteller Iveco. "Iveco" in kleinerer und "Magirus" in grösserer Schrift prangten ab der Saison 1981/82 auf den Bayern-Shirts. 1982 kehrte sich dieses Grössenverhältnis um.

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Und dann konnte sich Iveco den FC Bayern nicht mehr leisten. Grupp sah für sein Familienunternehmen Trigema die Chance gekommen. "Ich habe mit Uli Hoeness gesprochen und unser Interesse hinterlegt. Er hat das ausgekostet und einen Betrag aufgerufen, den es bis dato noch nicht gab in der Bundesliga."

Uli Hoeness, FC Bayern München, Bundesliga, 1975/76
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Der FC Bayern München ist eine grosse Familie: Sie kamen zurück

Beim FC Bayern München wird Identifikation gross geschrieben. Das Motto "Mia san mia" ist kein Marketing-Slogan, sondern wird insbesondere unter Manager und Präsident Uli Hoeness seit Jahrzehnten gelebt. Ein Blick in die prominente Bayern-Familie.

Hoeness verlangte von Trigema Rekordsumme von 1,5 Millionen D-Mark pro Saison

Für ein Jahr auf der begehrten Brust des FC Bayern verlangte Hoeness 1,5 Millionen D-Mark, umgerechnet 750.000 Euro. Was angesichts der heute marktüblichen Dimensionen nach einem Taschengeld klingt, brachte Grupp ins Schwitzen. Hoeness habe das Interesse Trigemas "ausgekostet. Irgendwann habe ich zurückgerufen und gesagt: 'Herr Hoeness, wir wären bereit, zwei oder drei Jahre lang jeweils 1,5 Millionen Mark zu bezahlen.' Für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres war das ein Riesen-Betrag."

Hoeness war mit dem Angebot offensichtlich zufrieden. "Herr Hoeness", erinnert sich Grupp, "kam mit Fritz Scherer nach Burladingen (Fritz Scherer fungierte zwischen 1979 und 1985 als Schatzmeister des FC Bayern, stand dem Klub anschliessend bis 1994 als Präsident vor und blieb bis 2012 noch als Vize-Präsident Mitglied des Präsidiums, Anm. d. Red.). Wir haben alles besprochen, dann haben wir schön zu Mittag gegessen bei mir im Rittersaal, wo es eine grosse Tafel gibt. Bei der Verabschiedung haben wir uns den königlichen Handschlag gegeben."

Ein schriftlicher Vertrag sei noch nicht möglich gewesen. Dazu fehlte noch der offizielle Rückzug Ivecos. Hoeness habe Grupp versichert: "Auf die Zukunft - wenn Iveco die Option nicht einlöst, ist Trigema drauf."

Wolfgang Grupp: Uli Hoeness schob die Schuld auf Adidas

Doch Trigema, im Sommer 1984 auch Hauptsponsor des Bayern-Konkurrenten Werder Bremen, kam nicht drauf auf die Bayern-Trikots. Niemals. Grupp: "Nach zwei, drei Wochen Funkstille habe ich dort angerufen. Doch die Bayern haben dann herumgeredet, und irgendwann kam heraus, dass der Ausrüster Adidas etwas gegen den Textilhersteller Trigema auf der Brust hatte."

Dafür brachte Grupp noch einigermassen Verständnis auf. Nicht aber dafür, dass Hoeness das Trigema-Angebot dazu benutzte, um den Preis bei einem Mitbewerber in die Höhe zu treiben. Commodore - Hersteller des damals beliebtesten Heimcomputers, des C64 - wurde sich mit dem FC Bayern einig; und durch den folgenden Meisterschaftshattrick, der den Bayern trotz des Verlusts seines Kapitäns und Torjägers Karl-Heinz Rummenigge glückte, noch bekannter. 1989 löste Autohersteller Opel Commodore als Trikotsponsor des Rekordmeisters ab.

"Wir haben später nochmals telefoniert", blickt Grupp auf die Aussage zurück, die er für eine Ausrede Hoeness' hält. "Herr Hoeness hat es auf Adidas geschoben, dass die nicht wollten, dass wir auf der Brust wären, aber in Wirklichkeit hat Herr Hoeness das kaufmännische Wort gebrochen!"

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Wolfgang Grupp: Uli Hoeness verbreitete, ich hätte ihn rausgeschmissen

In einer Diskussionsrunde habe Hoeness den Zuhörern vor ein paar Jahren zudem eine Lüge aufgetischt. "Da erzählte er doch glatt, dass es für ihn sehr unangenehm gewesen wäre. Ich hätte ihn nach Burladingen eingeladen, mein Prokurist sei daneben gesessen, wir hätten alles schon vorbereitet gehabt, auch den 1,5-Millionen-Scheck. Und ihm sei es immer heisser geworden, denn er habe mir absagen müssen. Am Schluss, so Hoeness, hätte er gesagt: 'Tut mir leid, Herr Grupp, wir können den Vertrag nicht machen.' Und dann hätte ich ihn mit einem deutlichen 'Raus!' hinausgeschmissen."

Trotz dieser "ganz anderen Geschichte, die für ihn natürlich positiver war", bleibt Grupp bei seiner Darstellung. "Es war aber tatsächlich so, wie ich sage: Wir hatten uns geeinigt auf die 1,5 Millionen, er kam dann zu mir, um Einzelheiten zu besprechen und alles klar zu machen, und er hat dann den königlichen Handschlag gebrochen."

Jener Uli Hoeness, dessen grosse Stärke - glaubt man zahlreichen ehemaligen und aktuellen Stars des FC Bayern - es sei, sich genau an diese Zusagen per Handschlag zu erinnern und zu halten.

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