Die Auslosung der Champions League hat dem BVB nur einen der Top-Favoriten beschert. Und trotzdem dürfte es mit dem Ziel der direkten Qualifikation fürs Achtelfinale sehr eng werden. Der Borussia stehen gleich einige Spiele auf Augenhöhe ins Haus.

Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Stefan Rommel sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfliessen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Letzte Saison hat das ja ganz gut geklappt mit Borussia Dortmund und der damals noch frischen Champions-League-Reform. Der BVB galoppierte nach acht Spieltagen als Zehnter der Tabelle durchs Ziel, verpasste nach einem starken Auftakt in die verkappte Gruppenphase Platz acht und damit die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale nur um einen Punkt.

Ein Platz unter den besten Acht berechtigt auch in der bald beginnenden Saison wieder für den Aufstieg in die K.-o.-Runde, die Platz neun bis 24 spielen erneut im Playoff-System die restlichen acht Qualifikanten aus.

Und mit der Auslosung am späten Donnerstagabend in Monaco dürfte für den BVB auch klar sein, dass das Mindestziel ein Platz in den Playoffs lauten muss – während es mit dem direkten Einzug in die K.-o.-Runde angesichts der anstehenden Gegner ziemlich schwer werden dürfte.

Zwei Schwergewichte aus Italien

Die Borussia erwischte mit dem Vorjahresfinalisten Inter Mailand (Heimspiel) und Juventus (Auswärtsspiel) gleich zwei italienische Schwergewichte. Zwar erlebte Inter im Finale von München vor rund drei Monaten eine der schwärzesten Stunden der Vereinsgeschichte und muss in dieser Saison ohne Erfolgstrainer Simone Inzaghi auskommen.

Dazu kommen einige Querelen innerhalb des Teams und ein wenig erfreulicher Transfersommer. Aber: Die Nerazzurri fühlen sich in der Aussenseiterrolle ohnehin wohler und dürften auch in dieser Saison ein erhebliches Wort mitreden im Kampf um den Titel.

Ganz so hoch einzuschätzen wird Juventus nach einer für seine Verhältnisse miserablen letzten Champions-League-Saison zwar nicht sein – die Alte Dame scheiterte nach einer schwachen Vorrunde schon in den Playoffs an PSV Eindhoven – aber Italiens Rekordmeister hat sich in allen Mannschaftsteilen in diesem Sommer signifikant verstärkt und wagt nun eben einen neuen Anlauf.

Unangenehme spanische Gegner

Neben den beiden italienischen Klubs bekommen es die Dortmunder auch mit zwei Vertretern aus La Liga zu tun. Zwar gehören weder der FC Villarreal (Heimspiel) noch Athletic Bilbao (Heimspiel) im internationalen Vergleich zur obersten Kategorie – brandgefährlich sind die Spanier aber dennoch.

Villarreal hat eine kleine Durststrecke überwunden und unter Trainer Marcelino wieder in die Spur gefunden. Belohnt wurde das in der vergangenen Saison mit dem doch überraschenden fünften Platz. Die blutjungen Flügelspieler Yeremy Pino (22) und der aus Las Palmas gekommene Alberto Moleiro (21) stechen aus einem gefestigten Kollektiv heraus – das in Alex Baena seinen zuletzt überragenden Spieler aber verloren hat.

Athletic Bilbao hat es dagegen geschafft, seinen Top-Star trotz heftigstem Werben der zahlungskräftigen europäischen Konkurrenz zu halten: Nico Williams hat sich nach langem Hin und Her doch für einen Verbleib in der Heimat entschieden – und gegen einen Wechsel zum FC Bayern oder FC Barcelona.

Athletic ist in jedem Mannschaftsteil mit zumindest einem überragenden Spieler bestückt und funktioniert – auch aus seiner baskischen Tradition heraus – als geschlossenes Kollektiv. Zuletzt schaffte es Bilbao in der Europa League immerhin bis ins Halbfinale.

Schon wieder gegen ManCity

Manchester City (Auswärtsspiel) dürfte nicht nur der imposanteste, sondern auch der schwerste Gegner der Vorrunde sein. Das Starensemble von Pep Guardiola geht auch in diesem Jahr als einer der Top-Favoriten ins Rennen und entwickelt sich so langsam zu einer Art Dauer-Gegner für den BVB.

Sechsmal trafen beide Klubs schon in Spielen in der Königsklasse aufeinander und nur einmal konnte die Borussia dabei bisher einen Sieg feiern - der liegt allerdings schon 13 Jahren zurück. Das ManCity von heute mit seinen milliardenschweren Investitionen hat mit der damaligen Mannschaft und dem Klub rein gar nichts mehr zu tun.

Der zweite englische Vertreter als Gegner in der Vorrunde sind die Tottenham Hotspur (Auswärtsspiel). Der Europa-League-Sieger hat sich durch den Triumph im "Cup der Verlierer" als sechstes Premier-League-Team für die Königsklasse qualifiziert und dürfte in etwa auf Augenhöhe mit dem BVB sein.

Zwar haben die Spurs nicht annähernd die Kaderqualität wie etwa ManCity, Liverpool oder Chelsea – mit dem Selbstverständnis des ersten internationalen Titelgewinns nach über 40 Jahren sind die Londoner gerade zu Hause aber nur schwer zu schlagen.

Nobody aus der Provinz

Bleiben noch die beiden Aussenseiter: Der FC Kopenhagen (Auswärtsspiel) und Bodö/Glimt (Heimspiel). Kopenhagen schaut alle paar Jahre mal in der Königsklasse vorbei und ist ebenfalls ein alter Bekannter. Die Dänen sind international zwar eher zweitklassig unterwegs, im Parken-Stadion aber auch ziemlich unangenehm zu bespielen. Ausserdem gibt es ein Wiedersehen mit dem ehemaligen BVB-Profi
Youssoufa Moukoko.

Die Norweger von Bodö/Glimt sind ein Neuling in der Champions League, in den Playoffs setzte sich der Tabellenführer der Eliteserien – die Saison in Norwegen ist in vollem Gange – eindrucksvoll gegen Sturm Graz durch. Für die Kicker aus der 40.000-Seelen-Gemeinde aus der Provinz wird die erste Champions-League-Saison überhaupt für den Klub eine grosse Abenteuerreise. Für den BVB dagegen darf das Heimspiel gegen den Underdog keine grosse Hürde darstellen.

Allerdings: Auf den ersten Blick mag die Auslosung für die Borussia glimpflich abgelaufen sein, von den wirklich ganz dicken Fischen hat der BVB nur ManCity zugeteilt bekommen. Und die Partien gegen Kopenhagen und Bodö/Glimt sind Pflichtsiege. Aber insgesamt sechs Spiele gegen Mannschaften aus Italien, Spanien und England haben es durchaus in sich.

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Ein Platz unter den besten Acht dürfte angesichts des Spielplans eine grosse Herausforderung werden. Um die Qualifikation für zumindest die Playoffs muss die Borussia aber auch nicht bangen. In der letzten Saison reichten für Platz 24 lediglich elf Punkte – und die sollte der BVB aus acht Spielen doch zusammensammeln können.