• Der FC Chelsea hat mit Trainer Thomas Tuchel am Mittwochabend gegen Real Madrid die Chance auf den Einzug ins Champions-League-Finale.
  • Der ehemalige Dortmund-Trainer hat vor allem die Defensive der Blues enorm stabilisiert.
  • Chelsea-Stürmer Timo Werner gilt in seiner ersten Saison als "Chancentod", wird aber von Tuchel unterstützt.

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Dem FC Chelsea bietet sich eine grosse Chance. Erstmals seit dem Titelgewinn 2012 könnten die Blues ins Champions-League-Finale einziehen und damit einen enormen Wandel binnen weniger Monate krönen.

Rückblick: Mitte Januar 2021 dümpelte Chelsea nur auf Rang neun in der heimischen Premier League und Klub-Ikone Frank Lampard musste gehen. Insbesondere gegen die direkten Konkurrenten konnte der frühere Mittelfeldspieler nur wenig Argumente für einen Verbleib an der Stamford Bridge sammeln, gerade einmal zwei Zähler fuhr Chelsea unter Lampard in dieser Saison gegen die Top-Teams ein.

Als die Ära der Klub-Ikone beendet war, griff Chelsea bei Thomas Tuchel zu. Der Deutsche war erst 28 Tage vorher bei Paris Saint-Germain entlassen worden, nachdem er dort über Wochen in der Kritik gestanden hatte. Mit seiner Akribie und seiner Fähigkeit, Spieler weiterzuentwickeln, war er die Ideallösung für die Blues.

Tuchel macht Chelsea zur Defensiv-Macht

Vor allem die Defensive entwickelte der frühere Dortmund-Trainer zu einem echten Bollwerk weiter. Gerade einmal elf Gegentore kassierte Chelsea in bislang 22 Partien unter Tuchel. Und es wären noch deutlich weniger, hätte es nicht gegen West Bromwich Albion satte fünf Gegentore gegeben.

Resultierend aus der neuen Beton-Defensive hat der FC Chelsea einen Sprung gemacht: In der Liga steht man auf Platz vier und in der Champions League hat Tuchel die grosse Chance, das zweite Jahr in Folge mit seiner Mannschaft ins Finale einzuziehen.

Dank des 1:1 im Hinspiel in Madrid reicht im Halbfinal-Rückspiel gegen Real bereits ein schmuckloses 0:0 zum Finaleinzug. "Wir sind bereit für einen grossen Kampf", kündigte Erfolgscoach Tuchel auf der Klubwebsite an. Man werde "um jeden Zentimeter kämpfen".

Timo Werner leistete sich "schrecklichen Fehlschuss" im Hinspiel

Einer, der dabei eine wichtige Rolle einnehmen soll, ist DFB-Stürmer Timo Werner. Im Hinspiel vergab der Sommer-Neuzugang in der 10. Minute eine Mega-Chance zur Führung. Seinen Flachschuss aus fünf Metern parierte Real-Keeper Thibaut Courtois.

Der Spott der englischen Medien war Werner gewiss. So sprach die BBC von einem "schrecklichen Fehlschuss" um im "Guardian" wurde spekuliert, dass Chelsea dieser Fehlschuss noch nachhängen wird.

Isabelle Silva, Frau von Werners Teamkollege Thiago Silva, attackierte den Deutschen sogar via Instagram: "Das ist doch Karma, Leute. Jedes Team, zu dem ich komme, hat einen Stürmer, der ständig Chancen verpasst. Dieser Werner - wie heisst der genau?"

Trainer Tuchel nahm seinen jungen Landsmann aber in Schutz. "Er hat gegen West Ham eine grosse Chance ausgelassen und hier wieder. Das hilft nicht. Aber es hilft auch nicht, deshalb zu weinen", meinte Tuchel.

Werner auf Platz zwei bei vergebenen Grosschancen

Werner, der in der vergangenen Saison für RB Leipzig 28 Bundesliga-Tore erzielte, kämpft auf der Insel mit seiner Chancenverwertung. Ein Problem, das ihn bereits zum Start seiner Karriere begleitet hat.

In der Statistik "vergebene Grosschancen" in der Premier League liegt der gebürtige Stuttgarter auf Rang zwei mit 17 ausgelassenen Möglichkeiten. Dem gegenüber stehen sechs Liga-Tore und drei Treffer in der Königsklasse.

Allerdings muss dem 53-Millionen-Euro-Neuzugang zugutegehalten werden, dass Ex-Trainer Lampard ihn zumeist auf dem Flügel eingesetzt hat. Dort ist der 25-Jährige deutlich ineffektiver. Erst Landsmann Tuchel stellte Werner ins Angriffszentrum.

Werner hat meiste Torbeteiligungen bei Chelsea

Und bei aller Kritik an der Chancenverwertung des Deutschen darf nicht vergessen werden, dass Werner der Chelsea-Profi mit den meisten Torbeteiligungen ist, da er bereits zehn Torvorlagen allein in der Premier League aufweisen kann.

Der DFB-Stürmer ist im Tuchelschen System der Mann für die Effizienz, mit seinem Tempo schafft er Räume für die nachrückenden Mitspieler und kann dadurch entweder selbst abschliessen oder noch einmal ablegen.

Werner bemüht kruden Vergleich für mehr Lockerheit

Damit er schon im Rückspiel gegen Real Madrid wieder an die Treffsicherheit aus Leipziger Tagen anknüpfen kann, bemühte er unlängst im Vereinspodcast der Blues einen etwas schiefen Vergleich, der zum Image des Männerfussballs passt.

"Wenn man in die Disko geht und ein Mädchen will, bekommt man keins. Wenn man einfach nur an der Seite steht, kommen plötzlich 100 Mädchen." Werner will also mit mehr Lockerheit zurück zu mehr Effizienz. Ob es dafür einen solchen Vergleich gebraucht hätte, ist mindestens fragwürdig.

Auf der Pressekonferenz vor dem Halbfinal-Rückspiel gab sich zumindest sein Trainer entspannt, als er auf die Chancenverwertung seiner Stürmer angesprochen wurde: "Wir müssen akzeptieren, dass Stürmer Chancen vergeben, auch mal grosse Chancen. Das ist Teil des Spiels. Jeder muss sich steigern und Verantwortung für das Toreschiessen übernehmen. Ich bin da ziemlich entspannt und vertraue meinen Spielern, egal, wer morgen anfängt."

Tuchel: "Der Druck ist gross"

Anstelle von Werner könnte nämlich auch Kai Havertz beginnen, der 80-Millionen-Euro-Neuzugang glänzte am Wochenende als Sturmspitze mit einem Doppelpack und könnte sich dadurch seinen Platz in der Startelf sichern.

Die Bedeutung des Spiels ist schliesslich immens, wie sollte es bei einem Halbfinal-Rückspiel auch anders sein. "Es ist ein Halbfinale. Der Druck ist gross, es ist ein K.-o.-Spiel", sagte Tuchel, da brauche es Glaube und Selbstvertrauen, "sonst haben wir keine Chance."

Und die grosse Chance auf den Champions-League-Titel wollen sich weder Tuchel noch Werner entgehen lassen.

Verwendete Quellen:

  • Sportschau.de: Werner beim FC Chelsea - ein Spieler, zwei Gesichter
  • transfermarkt.de: Profil Timo Werner