Miese Stimmung bei Real Madrid: Nach dem verlorenen Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Manchester City steht Trainer Zinédine Zidane in der Kritik - insbesondere, weil Toni Kroos über 90 Minuten auf der Bank schmorte. Und das ausgerechnet vor dem Clásico gegen den FC Barcelona.

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Verwundert rieben sich Journalisten und Fans die Augen, als sie die Startaufstellung von Real Madrid am Mittwochabend in der Champions League sahen. Auf dem Papier für das Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester City fehlte der Name von Toni Kroos.

Der deutsche Weltmeister von 2014 fand sich im Duell mit den Engländern überraschend auf der Bank wieder. Von dort musste der 30-Jährige die gesamte Partie aus verfolgen - und sah, wie sein Team binnen weniger Minuten eine 1:0-Führung verspielte und nun vor dem Aus in der Königsklasse steht.

Kroos muss Champions-League-Achtelfinale von der Bank aus verfolgen

Nach reden war Kroos nach der 1:2-Pleite nicht. An den Mikrofonen im Santiago Bernabéu ging er vorbei. Dabei hätten die anwesenden Reporter gerne gewusst, warum der Mittelfeldspieler in so einem wichtigen Spiel weder in der Startelf stand noch überhaupt zum Einsatz kam.

Die Frage beantwortete sein Trainer auf der anschliessenden Pressekonferenz. "Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Aber ich habe auch andere Optionen. Das geht nicht gegen Toni - ich habe mich so entschieden", erklärte Zinédine Zidane.

Manchester City dreht Partie bei Real Madrid

Die Spanier legten mit der von Zidane auferlegten Taktik gut los - und gingen nach 60 Spielminuten durch ein Tor von Isco mit 1:0 in Führung. Doch die Mannschaft des ehemaligen Bayern-Trainers Pep Guardiola drehte die Partie binnen Minuten vor dem Schlusspfiff.

Erst traf Gabriel Jesus zum Ausgleich (78. Spielminute), dann machte Kevin De Bruyne per Foulelfmeter den Endstand perfekt (83.). Mit einer Pleite geht Real nun in das Rückspiel in Manchester am 17. März - und das ohne Kapitän Sergio Ramos. Der sah wegen einer Notbremse in der 86. die Rote Karte. Ein gebrauchter Abend aus Sicht der Madrilenen.

Gündogan verwundert über Kroos' Fehlen

Ob die Partie für Real besser gelaufen wäre, wenn Kroos auf dem Platz gestanden hätte, bleibt dahingestellt. Doch selbst Kroos Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan aufseiten von ManCity reagierte verwundert auf das Fehlen des 30-Jährigen.

"Wir haben uns auf ihn in der Startelf eingestellt", sagte Gündogan den Medien nach Spielende, "er ist ein Anker für Real, der die Bälle nach vorne bringt." Gündogan hatte sich nach der Partie kurz mit Kroos unterhalten. Dieser sagte ihm, dass er gerne gespielt hätte, wie Gündogan berichtete.

Für Kroos war es erst das zweite Champions-League-Spiel in seiner Zeit bei Real Madrid seit Sommer 2014, das er komplett von der Bank aus verfolgen musste. Der ungewohnte Anblick brachte Zidane harsche Kritik ein.

"Der deutsche Nationalspieler muss, sofern er nicht verletzt ist, bei den grossen Spielen immer dabei sein", schrieb am Donnerstag die Real nahestehende Sportzeitung "Marca". Zidane habe Real durch den Verzicht auf Kroos "Qualität weggenommen". "Absurd", schimpfte ein spanischer TV-Kommentator, kurz bevor die "Königlichen" ihr Spiel verloren.

Vor dem Clásico herrscht schlechte Stimmung

Ausgerechnet vor dem Clásico, dem Spitzenspiel der spanischen Liga zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, herrscht bei den Madrilenen miese Stimmung. Im nationalen Pokal ist Real bereits im Viertelfinale ausgeschieden, nun droht der K.o. im Achtelfinale der Königsklasse und in der Liga erneut der Platz hinter dem Rivalen.

Bei einer Niederlage im Clásico am Sonntag (21:00 Uhr, DAZN) wären es bereits fünf Punkte Rückstand auf Barcelona. In den beiden vergangenen Spielzeiten belegte Real jeweils lediglich Platz drei und musste mit grossem Punkteabstand mit ansehen, wie Barcelona die Meisterschaft feierte.

Nun fehlt vor dem Topspiel auch noch Eden Hazard. Der Belgier kam im vergangenen Sommer und sollte - sofern dies möglich ist - Cristiano Ronaldo ersetzen. Seit dem Abgang des Weltstars 2018 in Richtung Turin verlieren die "Königlichen" immer mehr an Strahlkraft. Mit dem Portugiesen ging auch die Torgefahr, das grösste Manko bei Real in dieser Saison.

In 25 Liga-Spielen traf Real lediglich 46 Mal. Mit CR7 waren es nach ebenso vielen Spielen 62 Tore. Der fehlt nun aber am Sonntag im Topspiel.

Mit einem Sieg über Barcelona könnte Real zwar nicht den Glanz zurückbringen, aber immerhin die Stimmung in Spaniens Hauptstadt anheben. Und das wohl auch bei Kroos.

Verwendete Quellen:

  • Deutsche Presse-Agentur
  • ntv.de: Zidane verteidigt seinen Verzicht auf Kroos

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