Dass man regelmässig "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" guckt, ist vielleicht nicht unbedingt das Erste, das man bei einem Date erzählt. Trotzdem erfreut sich RTLs Dauerbrenner einer treuen Anhängerschar – seit nunmehr 7.000 Folgen. Zum Jubiläum gönnt sich RTL am Mittwochabend mit "Das Paradies der Verdammnis" eine XXL-Ausgabe - und die ist nicht weniger überdramatisch als die 6.999 Folgen davor.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Maren liegt schwer verletzt am Strand einer einsamen Insel. Neben ihr, um ein karges Feuerchen gekauert, dämmern ihre Freundinnen Yvonne und Nina vor sich hin – genauso wie Katrin Flemming. Die Frauen sind der Ohnmacht nahe, dem Tod nicht wesentlich ferner und Hilfe scheint nicht in Sicht.

Doch plötzlich hat Nina eine Idee: Sie karrt alles Holz, das sie auf der spärlichen Insel finden kann, zusammen und entzündet mit letzter Kraft ein Signal-Feuer. Die Rettung?

Die 7.000. Folge "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" könnte kaum dramatischer sein und das, obwohl in den 6.999 Folgen zuvor schon so ziemlich alles an Drama ausgereizt wurde. Dass es zu dieser Insel-Szene - ja dass es überhaupt zu 7.000 Folgen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" kommen würde, hätte damals, vor knapp 28 Jahren, sicher kaum jemand geahnt.

Skurrile Fakten aus 7.000 Folgen GZSZ.

Der 11. Mai 1992 ist ein wolkiger Tag mit leichtem Regen. In den deutschen Charts steht "To Be with You" von Mr. Big an der Spitze und sollte bald von Snap! und ihrem "Rhythm is a Dancer" abgelöst werden. In der Fussballbundesliga liefern sich vor dem letzten Spieltag Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Meistertitel, Bayern München, heute undenkbar, steht nur auf Platz 10.

Im Bonner Kanzleramt sitzt auch an diesem 11. Mai, wie schon in den vergangenen zehn Jahren, ein gewisser Helmut Kohl und in München eröffnet der bayerischer Ministerpräsident Max Streibl den Flughafen Franz-Josef-Strauss. Man kann es natürlich nicht mit Gewissheit sagen, aber es scheint eher unwahrscheinlich, dass es sich Streibl nach der Flughafeneröffnung abends vor dem Fernseher gemütlich gemacht und RTL eingeschaltet hat.

Wenn doch, dann hat er damals die Geburt einer der erfolgreichsten deutschen Vorabendserien miterlebt. An diesem wolkig-regnerischen 11. Mai 1992, einem Montag, lief nämlich die erste Folge von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" über die Röhrenfernsehermattscheiben der Republik. Heute, fast genau 28 Jahre später, feiert der Dauerbrenner mit der 7.000. Folge ein Jubiläum.

"Gute Zeiten, schlechte Zeiten": von Andreas Elsholz bis Alexandra Neldel

Es ist logisch, dass in diesen 28 Jahren nicht alle Darsteller der ersten Stunde die 7.000 Folgen miterlebt haben, genau genommen hat das keiner. Wie in anderen Langzeitserien, gab es auch bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ein Kommen und Gehen. Von vielen der ehemaligen Darsteller hat man nie wieder etwas gehört, vielleicht auch, weil längst nicht alle eine Schauspielausbildung absolviert haben, um es vorsichtig auszudrücken.

Andere Ehemalige hingegen, und nicht gerade wenige, gehen zwar nicht in Hollywood ein und aus, sind aber in der Zwischenzeit etablierte Grössen in der deutschen Schauspiel- und Synchronsprecherlandschaft: Saskia Valencia, Jan Sosniok, Tina Bordihn, Jessica Ginkel, Rhea Harder, Alexandra Neldel, Simone Hanselmann, Anne Brendler, Uta Kargel oder Tim Sander sind nur einige Beispiele.

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Hinzu kommen die, die sich in anderen Bereichen ausprobiert haben, wie zum Beispiel Andreas Elsholz oder Peer Kusmagk, und wieder andere wie Oliver Petszokat probieren sich immer noch aus. Dann gibt es natürlich noch die, die einer anderen Liebe treu geblieben sind, wie Jeanette Biedermann oder Yvonne Catterfeld, und der eine oder andere Promi hat sich auch schon in die Soap verirrt: Klaus Wowereit, Udo Walz, Thomas Gottschalk und auch Altkanzler Gerhard Schröder schauten bereits bei GZSZ vorbei.

Was alle diese Menschen eint: Sie haben in ihrer GZSZ-Zeit viel erlebt. "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" presst all das, was in Deutschland in einem Jahr nicht passiert, in nur 23 Minuten: Lügen, Liebe und Intrigen natürlich, das gehört zur Erstausstattung einer Seifenoper. Obendrauf kommt ernste Themen wie Bulimie, Steuerhinterziehung oder Drogen, aber auch reichlich Abwegiges.

GZSZ-Jubiläumsfolge: Dramatisches und Über-Dramatisches

Dramatisches und Über-Dramatisches – es ist logisch, dass die 7.000. Folge da weitermacht, wo die 6.999 Folgen zuvor aufgehört haben: Nina, Yvonne und Maren wollen gemeinsam Urlaub auf Fuerteventura machen, doch kurz vor dem Abflug macht Maren eine kleine Planänderung: "Katrin kommt mit."

Die Flemming hatte es mit ihren Therapie-Sitzungen nicht ganz so genau genommen, weshalb Maren sie nun nicht mehr aus den Augen lassen möchte – sehr zum Leidwesen von Yvonne und Nina, die, wie die meisten anderen GZSZ-Charaktere, nicht gut auf Katrin zu sprechen sind und das völlig zu Recht.

Doch schon bald führt Katrins Anwesenheit nicht nur zu langen Gesichtern, sondern zu einem Überlebenskampf. Die vier Damen mieten sich nämlich ein Boot und machen einen Ausflug auf eine unbewohnte Insel. Blöd nur, dass sie offenbar das Boot nicht fest genug am Strand verankern, denn plötzlich ist es weg.

Die vier Frauen sitzen also fest und üben sich erst einmal in Galgenhumor: "Falls ihr einen Späti findet – wir könnten Wasser gebrauchen und Sonnencreme."

Es dauert aber nicht lange, da spitzt sich die Lage zu und natürlich tut sie das - schliesslich sind wir hier bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Und das bedeutet, dass es mit einer Vorabendserienversion von "Robinson Crusoe" nicht getan ist: Flemmings Alkoholsucht macht sich bemerkbar, eine Geisterfinca taucht auf und vor allem kommen eine Menge unangenehmer Wahrheiten ans Licht.

Natürlich ist auch Folge 7.000 nicht die ganz hohe Schauspielkunst und auch dramaturgisch ist vieles wieder hölzern bis hanebüchen. Etwa, als die Damen eine verlassene Finca finden und bei den vielen Vogelkäfigen zuerst an eine Sekte statt an eine Vogelbeobachtungsstation denken. Und dass Maren ausgerechnet auf der einsamen Insel aus dem Nichts stolpert und sich ein Schädel-Hirn-Trauma zuzieht – etwas, dass sie in all den Folgen zuvor an wesentlich gefährlicheren Orten nicht geschafft hat. Nun ja.

Aber so ist das eben bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten": die ganze Welt in 23 Minuten. Und weil sich RTL zum Jubiläum eine Ausgabe in Überlänge gönnt, passt da eben noch mehr Welt rein. Wenn sich also Nina am abendlichen Lagerfeuer auf der Insel die Lage der Damen schönredet, dann könnte sie damit auch das heimliche Motto der Soap gemeint haben: "Man hält viel mehr aus, als man denkt."