Ein harter Tag für "Promi Big Brother"-Fans. Zum ersten Mal in diesem Jahr müssen sie auf ihre tägliche Dosis Trash-TV bis 23:00 Uhr warten. Erst nach der kurzen Live-Demonstration, warum der Videoschiedsrichter auch diese Saison primär dafür zuständig ist, dass der FC Bayern München unter keinen Umständen ein Bundesligaspiel verliert, darf unter Anleitung der D-Promi-Dompteure Jochen Schropp und Marlene Lufen endlich wieder die intellektuelle Vorhut vom Privatinsolvenzen-Stadl Bonmots der Belanglosigkeit zum Besten geben.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
von Marie von den Benken
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Den Anfang macht Pascal Kappés. Der nebenberuflich offensichtlich als plastischer Chirurg arbeitende Ex von Denise Merten ("Sommerhaus der Stars") begutachtet den Körper von Payton Ramolla hinsichtlich möglicher Eingriffe aus dem ästhetischen Bereich der Operationskunst. Die gibt zu, ihren Brüsten ein externes Update zukommen gelassen zu haben.

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Das verblüfft das chirurgische Adlerauge des sympathischen Tattoo-Models Pascal: "Ich hätte mehr auf Lippen getippt als auf Titten." Ein Satz, den man sonst nur von Chefredakteuren kennt, wenn sie neue Praktikantinnen zum lustigen Austausch von Handyfotos von wahllosen Körperteilen animiert haben.

Rede nicht so einem Kappés

Pascal ist mit seinem Balzversuch bei Payton aber nicht alleine. Auch Eric Sindermann und Danny Liedtke, die beiden anderen Profi-Schwerenöter mit Hang zum Whirlpool-Deeptalk, bleiben an Frau Ramolla dran. Der Korb-Weltrekord, den die beiden "nackten Deppen am Pool" sich am Donnerstag von der 21-jährigen Influencerin mit Schwerpunkt Bikinifotos abgeholt haben, scheint für sie eher Ansporn als Schamgrenze zu sein. Und von Schönling-Neuzugang Pascal wollen sie sich schon mal erst recht nicht die Butter (Payton) vom Brot (Flirtradar) nehmen lassen. Unter der Köln-Ossendorfer Mittagssonne verstricken sie das 688.000 Follower starke Instagram-Schwergewicht in einen derartig unterirdischen Beziehungs-Check, dass man Paytons Ekel beinahe greifen kann. Wenn Fremdscham Bäume pflanzen könnte, hätten Eric und Danny alleine mit ihren Bagger-Sprüchen der letzten 24 Stunden 34-mal eine Fläche von der Grösse Nordamerikas aufgeforstet.

Einige haarscharf an der Niveau-Schmerzgrenze entlang balancierende Minuten später wissen wir Zuschauer zu Hause, dass Payton erst mit sieben Männern geknutscht hat und mit drei Männern eine Beziehung hatte. Dass ausgerechnet im Sat.1-Pseudoweltall ein vierter hinzukommen wird, bleibt unwahrscheinlicher als eine gemeinsame Pressekonferenz von Uli Hoeness, Julia Klöckner und Stefan Raab, auf der sie verkünden, von jetzt an vegan zu leben. Nur sieben Männer?

Payton ist gar kein eiskalter Sex-Junkie auf der Suche nach dem nächsten One-Night-Stand? Das gefällt Eric nur so mittelgut. Der Döner-Charmeur gibt im Sprechzimmer zu Protokoll, dass er diese Zahl für unwahrscheinlich hält. Er geht von einem taktisch motivierten Keuschheits-Schmierentheater aus, weil Payton nicht als blonde Version von Micaela Schaefer in die "Promi Big Brother"-Historie eingehen möchte.

Männer knallen leicht gemacht

Pascal und Melanie Müller haben es sich derweil auf der Dachterrasse der Raumstation bequem gemacht und tauschen Lebensweisheiten aus. Zum Glück scheint Pascals Interesse an Melanie von anderer Natur zu sein als sein Interesse an Payton. Hätte er jetzt nämlich damit begonnen, auch bei der Dschungelkönigin von 2014 die chirurgischen Eingriffe zu zählen und zu erörtern, würden wir hier noch sitzen, bis im Februar 2022 "Let's Dance" wieder startet.

Nein, bei Melli gibt er den Karl Lauterbach der kognitiven Neurowissenschaften und weiht die Ballermann-Bardin ("Schatzi schenk mir ein rotes Pferd") in allerlei neurobiologische Geheimnisse ein. Darunter: "Wir Menschen nutzen ja nur zehn Prozent unseres Gehirns." Sinnvoll aktiv wäre demnach nur ein Zehntel unserer Gehirnzellen. Bei Pascal also etwa 300 Stück. Schnelldenker Pascal weiss natürlich auch, was für ein riesiges Potenzial da verschenkt wird: "Stell dir mal vor, was wir alles machen könnten, wenn wir nur vier oder fünf Prozent mehr nutzen würden!" Einen Hit von Melanie Müller bis zum Ende anhören jedenfalls schon mal nicht. Vier bis fünf Prozent mehr, oder wie man bei der SPD sagt: Tagesgeschäft.

Kappés, der Armin Laschet der diesjährigen "Promi Big Brother"-Staffel, trägt am Freitag passende Badelatschen zu seinem typischen Eishockey-Schiedsrichter-Outfit und verrät der nach wie vor staunenden Melli: "Ich habe ja einen IQ von 107, aber ich nutze ihn halt null." Was vermutlich der ehrlichste Satz der bisherigen Staffel ist. Sein Pulver hat Pascal damit aber noch lange nicht verschossen. Voller Selbstbewusstsein verkündet er: "Ein kleiner Philosoph steckt schon in mir." Da er kurz zuvor Eric eingeweiht hatte, er "steht dazu, dass ich auch mal Männer knalle", gehe ich davon aus, er meint damit Richard David Precht.

Orthographie mit Aogo

Auf inhaltlich ähnlich hochtrabendem Niveau geraten nebenan in der beengten Raumstation erneut Papis Loveday und Ina Aogo aneinander. Ina wird von Big Brother aufgefordert, "Babsi" Bescheid zu sagen (Babs Kijewski), ins Sprechzimmer zu kommen. Sie versteht aber "Papis". Als dieser dann unverrichteter Dinge aus dem Sprechzimmer zurückkehrt, beschwert er sich lautstark, Ina solle besser zuhören. Ein hitziger, unversöhnlicher Streit – nur weil ein Name falsch verstanden wurde. Da ist sogar Ina "am Ende meiner Latein". Was aber immer noch besser ist als am Ende ihrer Grammatik.

Damit die Beef-Suppe ordentlich weiterköchelt, zieht Ina direkt weiter zu Danni Büchner. Um den ziemlich albernen Vorwurf von Papis schnellstmöglich auszugleichen, identifiziert sie ein mindestens ebenso seichtes Fehlverhalten bei Danni: "Die kommt hier rein und begrüsst alle ausser mich und Rafi. Wie kann das sein?" Aber Hobby-Psychologin Ina wäre nicht die klügste Spielerfrau im "Promi Big Brother"-Weltall, wenn sie nicht auch dafür eine Erklärung hätte: "Die hat einfach gar kein Selbstvertrauen."

Mit derartigen Drama-Eskapaden verfliegt Stunde um Stunde in der Raumkapsel. Auf dem Big Planet hat sich die Themenauswahl inzwischen dennoch nicht verändert. Es dominiert immer noch der präpubertäre Zotenkarneval von Danny und Eric. Besagter Eric rechnet sich neue Chancen auf Payton aus, da nunmehr Danni Büchner den Bereich wechseln musste und somit das Bett neben dem blonden Nesthäkchen frei geworden ist. Die kann die Vorfreude von Eric allerdings nicht teilen: "Nee, Eric. Vielleicht in einem nächsten Leben." Denn: "Wie der mit Frauen umgeht, da kann jede nur wegrennen." Nun ist Wegrennen während einer laufenden Staffel meistens gleichbedeutend mit dem Verlust jedweder Sendezeit und aller Siegchancen. Payton bleibt daher an Bord.

Payton R. möchte bitte im Bälleparadies abgeholt werden

Nach einem souverän erspielten Sieg im Bällestapeln dürfen Paco Steinbeck und Babs Kijewski auf den Big Planet, während ihre unterlegenen Gegner Payton und Pascal zurückkehren ins freudlose Raumkapsel-Leben. Bitter für Eric und Danny, deren unverwüstliche Mission, Payton zu ihrer Weltraum-Gespielin zu machen, damit erstmal ad acta gelegt ist. Ad acta (das nur als Zusatzinfo für Leser mit demselben sprachlichen Sexual-Defekt wie Danny Liedtke) bedeutet nicht "Mach dich nackig", sondern "zu den Akten gelegt".

Weniger zu den Akten, dafür mehr in die Warenkörbe legt am Freitag Ina Aogo. Sie ist an Tag 8 die Einkaufsbeauftragte im Supermarkt und investiert 8,63 von 9,00 Euro in Nudeln, Schokocreme, Toastbrot und Kartoffelpüree. Das gibt Standing Ovations von ihren Mitbewohnern. Kurz darauf kommt ein weiteres hungriges Maul dazu, denn die Zuschauer schicken Eric zurück in den Low-Budget-Bereich. Das ist aber noch das kleinere Übel. Schon am Samstag wird einer der Bewohner das All komplett verlassen müssen. Wer das sein wird, das verrate ich am Sonntag an dieser Stelle.

Promi Big Brother, PBB, SAT.1, Container, Melanie Müller, Ina Aogo, Heike Maurer, Uwe Abel
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"Das macht mir Angst": Papis Loveday teilt bei PBB traurige Rassismus-Erfahrung

In Show 8 von "Promi Big Brother" (SAT.1) fallen nicht nur alle äusserlichen Hüllen: Trotz aller freizügigen Whirlpool-Flirts zeigen sich in der zunehmenden WG-Enge auch innere Dramen, die für Wutanfälle, Tränen und einen freiwilligen Abschied sorgen.