Am Ende war sich Rea Garvey sicher, dass da sein Freund Sasha seit Wochen hinter dem Dino-Kostüm performt. Der im Finale siegreiche Sänger musste seinen Kumpel ob der Teilnahme an "The Masked Singer" zuletzt mehrfach anflunkern. Dass es für die Leopardin, die sich als Sängerin Cassandra Steen entpuppte, nicht ganz gereicht hatte, überraschte viele. Ebenso enttarnen mussten sich am Dienstagabend die Schlagerarbeiter Thomas Anders und Ross Antony.

Robert Penz
Eine Kritik
von Robert Penz
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"Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden", meinte Franz Beckenbauer einmal so schön über das Fussball-WM-Finale 1990. Die halbe Nation wird am Dienstagabend vielleicht nicht vor dem Fernseher gesessen sein, aber ein Teil wird sich das Finale von "The Masked Singer" schon angesehen haben.

Drei grosse Fragen vor der "The Masked Singer"-Show

Drei Fragen warf der ultimative Durchgang der grossen Maskerade im Vorfeld auf: Wird der Flamingo, die Leopardin, die Schildkröte oder der Dinosaurier gewinnen? Wird man die Befunde Ruth Moschners dieses Mal sporadisch auch ernst nehmen können?

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Und könnte man in der Zeit, die die Promis stets brauchen, um ihren Kopf bei der Enttarnung aus der Verkleidung zu schieben, ein mittelgrosses IKEA-Regal zusammenbauen? Fraglos hingegen war, dass am Finalabend Moderator Joko Winterscheidt neben Ruth Moschner und Rea Garvey im Rateteam sass.

Leopardin mit meisterhafter Darbietung

Die erste Runde, in der alle vier Protagonisten einmal performen mussten, eröffnete der Dinosaurier. Er knallte ein tadelloses "Lose Control" von Zoe Wees auf die Bühne, in das er durchaus gewandt Beyoncés "Single Ladies" und Rihannas "Umbrella" einstreute.

Dass dabei rund um ihn vier verschrobene Wesen auf Ergometern strampelten, schien nicht allzu viele zu irritieren. Ein wenig durchgeknallt mutete das aber sehr wohl an.

Auch die Performance des Flamingos ("You are the Reason” von Calum Scott) sowie jener der Schildkröte, hinter der so ziemlich jeder von hier bis Kamtschatka Modern-Talking-Ex-Sänger Thomas Anders wähnte, waren durchaus von untadeliger Qualität.

Der Leopardin, die einen Part aus der Oper Carmen mit "Never Enough" aus The Greatest Showman fusionierte, konnten die drei maskierten Geschöpfe im ersten Durchgang dennoch nicht das Wasser reichen. Bei ihr spitzte wirklich jeder die Lauscher.

Thomas Anders legte den ersten Strip hin

Dann der erste zünftige Joko Winterscheidt für den Lachmuskel: "Ich mach's ganz kurz, ich weiss wer's ist: Das ist - und ich hab sie schon tausende Male singen gehört - Sabine, unsere Reinigungskraft vom 'Circus HalliGalli'", so der Gastjuror, der damit an diesem Abend nach ein paar Eingewöhnungsfloskeln in die Anarcho-Spur fand. Garvey dachte bei der Leopardin paradoxerweise an "Löwin" Judith Williams. "Ist die nicht Opernsängerin?", wollte der Ire wissen.

Vom Publikum zur ersten Enttarnung des Abends gezwungen wurde schliesslich die Schildkröte, hinter der sich dann tatsächlich Thomas Anders, die marginal weniger verwerfliche Hälfte von Modern Talking, verbarg. "Ich hätte nie gedacht, dass meine Stimme so einen Wiedererkennungswert hat", so Anders. Nicht alles lässt sich einfach so verdrängen Thomas, nicht alles.

Rea Garvey: "Wer auch immer du bist: I love you"

Die drei verbliebenen Masken mussten danach abermals ran. Die Überraschung in Runde zwei: Auch die Leopardin zeigte jetzt an ein paar wenigen Stellen im Hit von Sarah McLachlan "In the Arms of an Angel" Schwächen beim sanften Brüllen. "Wer auch immer du bist, I love you", meinte Garvey jedoch zur gefleckten Balladenkaiserin, was selbst Übertreibungskünstlerin Moschner nicht mehr toppen konnte.

Beim Auftritt des Dinosauriers, der eine blitzsaubere Version der formidablen Robbie-Williams-Schnulze "Angel" hinlegte, mangelte es auch Winterscheidt an Ideen. "Ich finde es wahnsinnig schwer, hier einen Namen rauszuhauen", so der Entertainer, der aber vermutlich sehr wohl Launiges à la "Otto Rehhagel" oder "Jens Spahn" bei der Hand gehabt hätte.

Nun war es der Flamingo, der seine Tarnung abzustreifen hatte. Moschner, die Ross Antony hinter der pinken Schlankheit wähnte, landete einen Volltreffer. Der blonde Schlagerbarde und Trash-Veteran schlüpfte aus dem Flamingo-Kostüm. "Ich hab jede Minute genossen", so Antonys erster Kommentar.

Der Dino legte mächtig vor

Im Finaldurchgang, der den Zusehern am Dienstagabend also ein Duell "Leopardin versus Dinosaurier" bescherte, durften die beiden jeweils ihr Lieblingslied aus der Staffel intonieren. Der Dino vereinte jetzt "Rapper's Delight" von der einst bahnbrechenden "Sugar Hill Gang" mit Daft Punks "Get Lucky" (feat. Pharrell Williams).

Das klang durchaus ordentlich, was auch der Steigerung des Härtegrads im zweiten Teil des Medleys geschuldet war. Ray Garvey war sich inzwischen sicher, dass hinter dem Dino Freund und Sänger Sasha steckt.

Joko Winterscheidt wähnte Leopardin schon als Siegerin

Die Leopardin wiederum besann sich nach einer mediokren Demonstration im zweiten Durchgang ihrer Qualitäten und machte bei ihrer Interpretation von Destiny's Childs "Survivor" wieder einen glänzenden Job. "Ich lehne mich aus dem Fenster und sage, wir haben den Sieger des heutigen Abends gesehen", so Joko ungewöhnlich ernsthaft.

Dass es dann doch der Dinosaurier war, den die Zuseher mehrheitlich zum Sieger der vierten Staffel wählten, erstaunte nicht nur den Gastjuror, sondern unzählige in den Weiten des Internets ebenso. Andere wiederum nicht so: "Glückwunsch, Sasha, das war verdient", meinte etwa auf Twitter jemand voreilig.

Doch bevor sich der grüne Riese aus dem Mesozoikum vom schweren Stoff befreien durfte, tauchte noch die in Deutschland lebende US-amerikanische Pop- und R&B-Sängerin Cassandra Steen aus ihrem Leopardenkostüm auf. Auch ihr hat die Teilnahme an "The Masked Singer" mächtig Freude bereitet, wenngleich man ihr auch ein wenig Enttäuschung anmerkte.

Sasha: "Musste Rea so hardcore belügen"

"Das ist einer meiner besten Freunde, das ist Sasha", war sich Rea am Ende eines langen Abends ein letztes Mal sicher. Auch Winterscheidt wollte dem nicht widersprechen, Ruth Moschner aber tat es. Sie vermutete Comedian Luke Mockridge hinter dem Dino.

Doch dieses Mal irrte Moschner. Denn es war tatsächlich der 49-jährige Sänger und Schauspieler Sasha, der seiner Dino-Verkleidung entschlüpfte, um sich zunächst mal bei Gott und der Welt zu bedanken.

"Das Schlimmste war, dass ich Ray so hardcore belügen musste. Der ist ja schlau und stellte immer so Fragen wie 'Und? Was machst du denn so am Dienstag?' und dergleichen", offenbarte Sasha, der noch einmal performen musste und wegen gröberer Textschwächen ein weiteres Mal Gott und die Welt würdigte.