Einen Luftballon und einen Stapel Promis. Man könnte meinen, dass man bei RTL den Gürtel gerade ein bisschen enger schnallen muss. Aber manchmal braucht man gar nicht viel für eine unterhaltsame Samstagabendshow. Wie zum Beispiel bei der "Deutschen Luftballonmeisterschaft".

Christian Vock.
Eine Kritik
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Kautschuk, Weichmacher, Alterungsschutzmittel, Stabilisatoren, Farbpigmente und natürlich die Hauptzutat: Luft. Es braucht nicht viele Ingredienzen, um eines der beliebtesten Gute-Laune-Symbole der Welt herzustellen. RTL hat am Samstagabend noch ein paar weitere Komponenten dazu gemischt: Promis, Kameras, ein Moderationstrio und ein aufgebohrtes Kinderspiel. Oder wie es bei RTL selbst heisst: "Die Deutsche Luftballonmeisterschaft".

Warum? Das erklärt Frank Buschmann, der das Ganze zusammen mit Jan Köppen und Laura Wontorra moderiert: "Wenn wir etwas gut können beim RTL, ist das kleine Dinge gross aufpumpen." Warum, Teil 2: Weil genau dieses Trio in der Vergangenheit bereits bestens funktioniert hat. Egal, ob "Ninja Warrior" oder "Das grosse Turmspringen": Buschmann, Köppen und Wontorra etablieren gerade bei RTL die Marke, Raab-artige Sport-Events mit einer eigenen Note zu versehen.

Nun ist also die "Luftballonmeisterschaft" an der Reihe und hier gelten die gleichen Regeln wie beim Kindergeburtstag im heimischen Wohnzimmer. Ein Luftballon muss abwechselnd in der Luft gehalten werden. Man darf nur einmal und nur aufwärts schlagen und den Gegner nicht behindern. Zwei Unterschiede zum heimischen Wohnzimmer gibt es aber doch: Das Ganze findet zum einen mit verschiedenen Themenwelten in einem Käfig statt und zum anderen mit Promis.

Odonkor, Engels, Miras und Co.

Zum Beispiel mit Ex-Fussballer David Odonkor. Odonkor, der bald mehr Einsätze in Trash-TV-Shows hatte, als in der Nationalmannschaft, kann also nun auch "Die Deutsche Luftballonmeisterschaft" auf seiner Tanzkarte abhaken. Das Gleiche gilt für Ex-Handballer Pascal Hens. Der war schon bei "Ewige Helden", "Let's Dance", der "Promi-Darts-WM" oder dem "Buchstaben Battle" dabei und jagt nun ebenfalls bei RTL Luftballons hinterher.

Mit dabei ist auch Elena Miras. Natürlich. Miras hat sich erst vor kurzem bei RTLZWEI zur Königin der Reality-Stars küren lassen und ist nun Trägerin des schwarzen Gürtels in Trash-TV. Niemand kann derzeit mehr und besser Trash-Fernsehen als Miras. Bei der "Luftballonmeisterschaft" muss sie nun lediglich ihren Kommunikationsstil ein wenig anpassen.

Die TV-Stationen von Ex-Werder-Bremen-Torwächter Tim Wiese sind im Vergleich dazu nicht erwähnenswert, stattdessen hätte Wiese beinahe eine Karriere als Wrestling-Unterhalter gehabt. Es ist also eine illustre Truppe, die sich da am Samstagabend bei RTL eingefunden hat, ergänzt werden Odonkor, Hens, Miras und Wiese noch von Lola Weippert, Sarah Engels, Maria Höfl-Riesch, Rúrik Gíslason, Tom Beck, Filip Pavlovic, Kira Walkenhorst und Sabrina Mockenhaupt.

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Wenig hilft viel

Die hechten, rennen und stürzen nun also im Turniermodus hinter Luftballons her durch einen Käfig und der ist mal als Turnhalle drapiert, mal als Rummelplatz oder mal als Strand und mit "drapiert" ist hier gemeint, dass im Strand-Käfig ein Ständer mit Surfbrettern, eine Bar und ein Planschbecken mit Bällen herumstehen. Aufwendig ist also anders, aber die Konkurrenz von Sat.1 hat bereits mit "Catch!" gezeigt, dass es sogar noch unaufwendiger geht, denn bei der Meisterschaft im Fangen hatte man noch nicht einmal einen Luftballon gebraucht.

Ein Minimum an Originalität mit einem Minimum an Kulisse – das kann auch ein Minimum Unterhaltung bedeuten, zumal das Ganze fast dreieinhalb Stunden dauert. Da kann es ganz schnell, ganz zäh werden. Muss es aber nicht – wenn denn der Rest stimmt. Dass der stimmt, liegt besonders an den Protagonisten des Abends.

Da haben wir zum einen das Moderatoren-Trio, das nicht nur eingespielt ist, sondern in der Tat seinen eigenen Stil gefunden hat. Wontorra hat die Rolle der Einfühlsamen, die bei den Interviews vom Spielfeldrand ein bisschen menschelt. Buschmann versucht stattdessen, dem Ganzen in seiner typischen Art die Atmosphäre eines echten Sport-Wettkampfs anzudichten: "Das ist jetzt Luftballonsport auf höchstem Niveau!"

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Tom Beck ist "Deutscher Luftballonmeister"

Jan Köppen hingegen operiert weitgehend nur mit seiner typischen Art: "Ich hab’ Angst, dass Tim David über den Haufen rennen könnte", kommentiert Köppen das Duell zwischen Tim Wiese und David Odonkor und ergänzt: "Aber ich würd's gern sehen." Am besten sind die beiden aber, wenn sie zusammen loslegen, etwa als Ex-Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch einmal kurz vor Ende zurückliegt. "Maria du musst dir jetzt ein bissl was einfallen lassen", gibt ihr Buschmann einen Hinweis und Köppen vollendet: "Sollen wir Schnee bringen?"

Da lassen sich auch die Promis nicht lumpen und gehen – nicht alle – ihrem Unterhaltungsauftrag mit einer Mischung aus Wurschtigkeit und Ehrgeiz nach. Manchmal wird es sogar ein bisschen zu ehrgeizig, wenn etwa ein ums andere Mal die Schiedsrichter angepöbelt werden. Wir sind schliesslich immer noch bei der "Luftballonmeisterschaft" und nicht im Fifa-WM-Finale.

Also alles gut? Jein. Den allermeisten Teilnehmern, Schiedsrichtern und Moderatoren ist bei der "Deutschen Luftballonmeisterschaft" kein Vorwurf zu machen. Trotzdem gerät das Ganze mit dreieinhalb Stunden einfach zu lang. Irgendwann hat man jede "War das nicht quer gespielt?"-Diskussion gehört und jeden Videobeweis gesehen, sodass man die Show gerne auch eine Stunde kürzer hätte halten können. Und so ist man den Abend über zwar gut und leicht unterhalten worden, aber doch nicht undankbar, wenn sich Tom Beck im Finale gegen Pascal Hens um kurz vor Mitternacht endlich den "Titel" Deutscher Luftballonmeister holt.

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