Wie schnell die Zeit vergeht. Da waren es plötzlich nur noch Sechs. Kahlschlag im Kakerlaken-Container – die Hälfte der Besatzung der "MS (das ist nicht mehr mein) Deutschland" ist von den Zuschauern bereits Kiel geholt worden. Die allabendliche Kollision mit dem Voting-Eisberg haben bislang nur Filip Pavlovic, Harald Glööckler, Anouschka Renzi, Eric Stehfest, Peter Althof und Manuel Flickinger überlebt. Ganz nach der Wunschquote der Gender- und Quoten-Querdenker Friedrich Merz und Wolfgang Kubicki: Fünf Männer, eine Frau. Was übrigens auch eine der beliebtesten Suchanfragen auf einschlägigen Internetportalen ist, auf denen die "Playboy"-Fotos von Linda Nobat als viel zu züchtig gelten. Also, nicht "Wolfgang Kubicki", sondern "Fünf Männer, eine Frau". Aber das ist eine andere Geschichte und gehört eher zu "Adam sucht Eva".

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Im Jurassic Park für Intelligenz-Dinosaurier erleben die Velociraptoren des Promi-Standorts Deutschland bereits den zweiten Mittwoch im Fahrwasser des direkt vorher ausgestrahlten "Bachelor" – quasi das Dschungelcamp für junge Frauen mit seltsamen Tattoos. Dauernd dem Bachelor hinterherrennen, das kennt ja sonst nur Eva Benetatou. Das war die Kollegin, die bei "Die Festspiele der Reality Stars – Wer ist die hellste Kerze?" die Streichhölzer vergessen hatte. Ich erwähne Eva nur, weil ich überzeugt bin, dass sie kommendes Jahr zum Dschungel- Ensemble gehören wird. Diese Kolumne also bitte auf Wiedervorlage für Januar 2023 legen.

Bis dahin widmen wir uns aber lieber wieder dem aktuellen Cast. Eric Stehfest zum Beispiel. Der trägt neuerdings gerne eine sehr runde Brille. Vermutlich, weil er nach dem Dschungelcamp eine Karriere als Joko Winterscheidt Double anstrebt. Die Brille kann er gut gebrauchen, denn um die Zeitebenen der heutigen IBES-Edition zu begreifen, benötigt man schon aussergewöhnlichen Durchblick.

Am Vorabend von den Zuschauern ihres Amtes als Camp-Querulantin enthoben und am Morgen feierlich in die Zivilisation verabschiedet, hat Linda Nobat am Abend dennoch mehr Sendezeit als Manuel Flickinger und Dr. Bob zusammen.

Nie gab es mehr Affen im Dschungelcamp

Das Goodbye Linda Special wird eingangs kurz von Dreharbeiten zu einem Hollywood-Klassiker überschattet: "Planet der Affen". Eine wie aus dem Nichts aufgetauchte Gruppe Stuntaffen hangelt sich von Baumwipfel zu Baumwipfel und versorgt die Bewohner mit spontanen Fäkalgrüssen in Exkrementenform. Woher die Armee von Grünmeerkatzen plötzlich kommt, erklärt RTL nicht. Vielleicht ein spontaner Spaziergang gegen die Bananen-Massnahmen der südafrikanischen Regierung.

Anouschka trifft der Auswurf-Zorn der Primaten-Protestler am schlimmsten. Liege und Socken sind übersäht mit fein dosierten Amuse-Gueules aus der Fladenküche. Ein kurzer Schnuppertest zeigt: "Riecht wie Menschenkacke". Statt die hübschen Souvenirs aus dem Stuhlgang-Shop für den Dia-Abend zu Hause einzupacken, entsorgt Anouschka die im Volksmund gerne auch Köttel genannten Andenken im Lagerfeuer. Das bringt Geruchs-Inspektorin Linda natürlich direkt auf die Palme. Da ist Platz, die Affen sind nämlich inzwischen weitergezogen. Vermutlich nach Kapstadt, um dort das Regierungsgebäude zu stürmen. Oder wenigstens mit Ausdünstungen zu kontaminieren.

Linda jedenfalls ekelt sich vor dem Geruch, Anouschka klärt sie jedoch auf: "Das stinkt nicht". Aufmerksame Leser bemerken an dieser Stelle sofort: Da passt etwas nicht so richtig zusammen. Hatte sie nicht gerade noch von einem "Geruch wie Menschenkacke" gesprochen? Fazit: Entweder Anouschka lügt – oder sie hält die Darmausscheidungen des Menschen für geruchsneutral.

So oder so – zu viel für Linda. Bei der pöbelerprobten Diskussionsmaschine ist direkt "Kot Red". Zu linda-typischen mehrminütigen Mängelrügen-Monologen kommt es aber glücklicherweise nicht, denn Haartuch-Model Renzi ruft sie zur Ordnung: "Hör mal auf alle zu unterrichten". Beschwerdemanagerin Linda ist gecancelt, Anouschkas Bett stinkt. Lose-Lose-Situation nennt man das wohl. Da möchte man voller Mitgefühl automatisch Andi Brehme zitieren, den Fäkal-Philosophen aus der 1990er Weltmeistertruppe: "Haste Scheisse auf dem Bett, haste Scheisse auf dem Bett".

Nach Linda: Wird jetzt Schmalhans Küchenmeister?

Abschliessend resümiert Linda gewohnt selbstkritisch: "Wenigstens bin ich kritikfähig". Ja, genau. Das ist ein bisschen so, als würde Dieter Bohlen sagen: "Wenigstens nutze ich keine Insta-Filter". Und wo wir die Büchse der Pandora mit legendären Sprüchen von Fussballern, die Andi heissen, ja bereits geöffnet haben, hier ein weiteres passendes Bonmot aus dem Almanach der Kicker-Klassiker vom seichtesten Andi nach Andi Brehme – Andi Möller: "Ich in sehr selbstkritisch, auch mir selber gegenüber".

Zum Abendessen ist Linda dann aber bereits in den ewigen Exit-Jagdgründen verschwunden und stellt die Gruppe vor ein Dilemma: Wer soll nach dem Abgang der hessischen Konfro-Kanone die wichtigen Aufgaben von Linda übernehmen? Mit wem kann sich Anouschka stündlich beim Krawall-Monopoly duellieren? Wer hält den gastronomischen Betrieb am Lagerfeuer aufrecht? Zumindest was die Kochsituation betrifft, schwingt sich ausgerechnet Harald Glööckler auf, die Schürze an sich zu reissen und sich zum Tim Mälzer der Bohnen auszurufen. Als langjähriger Abonnent von "Schöner Bohnen" kennt er sich mit der elementaren Frage im Dschungel natürlich aus: Was wird gegessen? Bohnen? Reis? Oder gar Bohnen und Reis?

Heute übrigens garniert mit einem Antilopen-Schenkel. Antilopen kennen Sie, oder? Ansonsten bitte nicht verwechseln mit Anouschka. Das ist eine Anti-Lobe. Meckert nur, lobt nie. Danger Dan hat sogar eine ganze Clique zusammengestellt, die ebenfalls nie jemandem ein Lob ausspricht. Seine Anti-Loben-Gang.

Anousch-Car ist kein Auto

Die Prüfung des Tages absolvieren dann die beiden Quizduell-Weltmeister Filip Pavlovic und Peter Althof in einer Schnellraterunde namens "Kennen oder Flennen". Das ist im neuen, strategisch völlig umgebauten RTL übrigens auch der neue Name von "Wer wird Millionär". Bei dieser Wissens-Challenge mit Fragen auf Fünftklässler-Niveau verortet Filip den Schiefen Turm von Pisa in Venedig und das Reichstagsgebäude in München. Wer 2012 "Bachelor" war, weiss er dagegen sofort: Paul Janke. Da bekommt man mal einen ganz guten Eindruck davon, wie die Interessensgebiete der Generation Rabattcode so verteilt sind.

Es reicht dennoch für sechs Sterne, denn wenigstens den Refrain von "Atemlos" kann Filip fehlerfrei aufsagen. Das sorgt für Euphorie am Lagerfeuer. Kurz darauf erscheinen allerdings Verkündungs-Fallbeil Sonja Zietlow und Rausschmiss-Rastelli Daniel Hartwich mit ihrem Besetzungs-Modifikations-Auftrag. Wie haben die Zuschauer entschieden? Hat Peter sich mit seinem Stand-Up-Programm aus den besten Witzen der 50er Jahre endgültig ins Abseits gefränkelt? Oder ist Bohnendompteur Harald in pompööse Ungnade gefallen? Danja Zietwich und Soniel Hartlow (wie Freunde von "Kentucky Schreit Ficken" RTLs zweitbekanntestes Moderationsduo nach Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben gerne nennen) wissen es. Und verraten es: Die wenigsten Anrufe bekommen Eric und Anouschka.

Mal was anderes: Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben – kann die RTL News-Abteilung sich keine "Ö" leisten? Ich stelle nur Fragön!

Aber zurück zum Thema. Die sechs wackeren Musketiere des TV-Survival-Camps für grundsanierungsfällige Karriere-Abstinenzler zittern nur einige Sekunden. Dann ist klar: Beide dürfen trotzdem bleiben. Um die Konfrontations-Dichte aufrechtzuerhalten und die ungeplanten Abgänge von Lucas Cordalis und Janina Youssefian auszugleichen, verzichtet RTL heute erneut auf einen Dezimierungsvorgang am Insassen-Portfolio. Glück für Anouschka und Eric. Morgen wird aber in jedem Fall wieder jemand aussortiert. Ob Eric Stehfest und Anouschka Renzi in der Ungunst der Zuschauer verbleiben – ich werde berichten!

Mehr Infos zum Dschungelcamp 2022 finden Sie hier

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Hitlergruss, Kniefall, Pinkel-Gate: Das waren die grössten Skandale im Dschungelcamp

RTL spannt mit "Ich bin ein Star - holt mich raus" seit 2004 eine Art goldenes Netz für C- und D-Promis: Wenn die Karriere mal stockt, dann lassen sich im Dschungelcamp Schlagzeilen machen. Aufmerksamkeit ist die wichtigste Währung. Doch der Wechselkurs ist nicht immer günstig: Wir zeigen Ihnen die grössten Aufreger und Skandale.