Eher still und unspektakulär geht die Zeit von Mario Götze bei Borussia Dortmund zu Ende. Enttäuschend war die Rückholaktion letztlich für beide Seiten.

Eine Kolumne
von Christopher Giogios

Ein kühler Abgang

Als Mario Götze am 26. Mai für zehn Minuten gegen den FC Bayern eingewechselt wurde, ahnte man noch nicht, dass dies die letzten Minuten im schwarz-gelben Dress sein würden. Dass sich die Wege des Vereins und seinem einstigen Juwel trennen würden, war aber schon seit längerer Zeit ein offenes Geheimnis. In den restlichen Begegnungen war Götze nicht mehr im Kader, da er aufgrund der Geburt seines Sohnes gemäss des DFL-Hygienekonzepts nicht mehr zur Mannschaft zurückkehren durfte. Der Abschied selbst erfolgte – wie passend – vor leeren Rängen im Dortmunder Stadion.

Die letzten Wochen und Monate beim BVB stehen sinnbildlich dafür, dass Mario Götze und der BVB nach allem Auf und Ab letztlich sehr nüchtern auseinander gehen. Man könnte auch sagen, dass sich die BVB-Fans schlicht und ergreifend nicht mehr für das Schicksal des einstigen "Dortmunder Jungen" interessieren, der ihnen einst so viel Freude, aber auch so viel Kummer bereitete.

Vom "Dortmunder Jungen" zur Hassfigur - Götze spaltete die BVB-Fangemeinde

Man erinnert sich gerne an Götze als Teil der Meistermannschaft 2011 und 2012 unter Jürgen Klopp. Götze, der nicht nur durch sein begeisterndes Spiel, sondern auch durch seine Dortmunder DNA die Herzen der Borussen für sich gewann.

Man erinnert sich aber auch an 2013, nur Stunden vor dem Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid, als die Bombe platzte und der Wechsel des damals 21-Jährigen zum Rivalen aus München publik wurde.

Was folgt, ist Geschichte: Götze schoss Deutschland bei der WM 2014 zum Titel, konnte beim FC Bayern nie so richtig Fuss fassen und kam zur Saison 2016/2017 in einer Dortmund-typischen Rückholaktion wieder zum BVB zurück.

Die zweite Karriere beim BVB mit einem Wort: Durchschnitt

In den ersten Jahren nach seiner Rückkehr konnte man beim BVB zwei Lager beobachten: da gab es die, die ihm den Wechsel zum FC Bayern noch immer nicht verziehen hatten und die, die die Heimkehr des "verlorenen Sohnes" bejubelten und hofften, endlich wieder den alten Götze auf dem Platz zu sehen.

Seine Leistungen sorgten jedoch nicht für emotionale Ausbrüche – weder im positiven, noch im negativen Sinn. Geplagt von Verletzungen und einer langwierigen Stoffwechselerkrankung schaffte er es selten, konstante Leistungen abzurufen. In der Rückschau muss man wohl sagen, dass er lediglich in der Saison 2018/2019 eine gute Spielzeit abgeliefert hat. Der Rest war, wenn überhaupt, Durchschnitt. Zuletzt spielte er unter Trainer Favre schliesslich überhaupt keine Rolle mehr.

So ist es auch kein Wunder, dass die gemeinsame Zeit eher kühl zu Ende geht. Sportlich flog er schlicht und ergreifend unter dem Radar.

Welcher Spieler hätte Götze sein können?

Somit bleibt Götze einer dieser Fussballer, über die man im Konjunktiv reden wird. Was wäre gewesen, wenn…? Wenn er den BVB nicht so kurz nach seinem Durchbruch in Richtung München verlassen hätte? Wenn er nie das WM-Siegtor mit all den damit verbundenen Erwartungen geschossen hätte? Wenn er nach seiner Rückkehr zum BVB nicht so häufig verletzt gewesen wäre?

Fakt ist, dass er beim BVB das Potenzial hatte, einer dieser Legendenspieler zu werden, die sich jeder Fussballfan für seinen Verein wünscht. Stattdessen wird er in Erinnerung bleiben als der, der zu früh den nächsten Schritt machte – vielleicht auch der, der mitunter zu sehr an der Marke Mario Götze arbeitete, als am Fussballspieler Mario Götze.

Dieser Text liest sich wie ein Nachruf – vielleicht ist das Thema Götze für einen BVB-Fan also doch zwangsläufig nicht so nüchtern, wie man den Abschied vielleicht interpretieren könnte. Dem Vernehmen nach interessieren sich italienische Vereine für ihn – es wäre Götze zu wünschen, dass er in seinem letzten Karriereabschnitt noch einmal sportlich auf sich aufmerksam machen kann. Das Kapitel Borussia Dortmund ist nun aber endgültig zu Ende. Und das ist für alle Beteiligten gut so.

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