Knapp fünfzehn Jahre prägte Michael Schumacher die Formel 1 und entfachte in Deutschland einen ungeahnten Hype. Nun soll sein Sohn Mick in seine übergrossen Fussstapfen treten. Aber dessen Einstieg in die Formel 1 könnte sich im kommenden Jahr als kompliziert erweisen.

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Einen grösseren Nachnamen kann ein Motorsportler eigentlich nicht haben. Mick Schumacher wird die grosse Zukunft vorhergesagt. Das hat gewiss mit seinen Fähigkeiten, aber natürlich auch mit seinen Genen und dem Namen "Schumacher" zu tun.

Der 21-jährige Sohn des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher ähnelt dem einstigen Gigant nicht nur optisch, sondern auch von der Fahrweise. Er ist aggressiv, ein Draufgängertyp. Unlängst holte er seinen ersten Formel-2-Sieg. Nun fragen sich viele, wann Mick den Sprung in die Königsklasse des Motorsports - eben jene Klasse, die sein Vater über viele Jahre mitprägte - schafft.

In den vergangenen Jahren war der Name "Schumacher" im Fahrerlager der Formel 1 stets präsent. Manches Mal wurde diskutiert, wie Lewis Hamilton mittlerweile einige Rekorde des grossen Deutschen bricht. Und manches Mal wurde schlichtweg die Trauer darüber, dass der siebenfache Weltmeister seit seinem schweren Skiunfall 2013 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesichtet wurde, zum Ausdruck gebracht.

Formel 1: Deutscher Markt ist wichtig

Die Formel 1 wünscht sich, dass zumindest das Vermächtnis von Schumacher weiterlebt. Viele deutsche Fans der Königsklasse entwickelten ihr Interesse für den Sport in den 1990er Jahren, als "Schumi" erst mit Benetton und dann mit Ferrari grosse Erfolge feierte.

Das Interesse der Deutschen an der Formel 1 ist aber seit seinem Karriereende und den eher durchwachsenen Jahren seines Nachfolgers Sebastian Vettel merklich gesunken. Dennoch: Der deutsche Markt ist selbst in der durchglobalisierten Formel 1, die von Texas bis Abu Dhabi fährt, immer noch wichtig.

Der einstige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sorgte 1991 dafür, dass Schumacher nach seinem grandiosen Debüt im belgischen Spa-Francorchamps direkt zu einem ambitionierten Rennstall kam. Ecclestone als gewiefter Geschäftsmann wusste, welches finanzielle Potenzial ein deutscher Top-Fahrer hat.

Schumacher: Vorsicht vor zu frühem Einstieg

Die Zeiten haben sich seitdem nicht gänzlich geändert. Deshalb ist Mick Schumacher auch in aller Munde. Er fährt mittlerweile seine zweite Saison in der Formel 2. Bis dato waren seine Ergebnisse gut, aber noch nicht überwältigend. Am vergangenen Wochenende feierte er in Monza seinen ersten Rennsieg und macht sich ernsthafte Hoffnungen, die Saison als Erster zu beenden.

Die grosse Problematik ist, dass der junge Schumacher eventuell noch nicht reif genug für die Formel 1 ist und deshalb vielleicht verfrüht ins kalte Wasser geworfen wird.

In den vergangenen Jahren sind so manche Top-Talente an der Herausforderung gescheitert. Für sie scheint eine Rückkehr in die Formel 1 mittlerweile unmöglich.

Auch Mick Schumacher könnte es so ergehen, wenn er zunächst bei einem kleinen Rennstall beginnt und dort aufgrund von schlechtem Material und interner Politik rasch unter Druck gerät. Der Marketingeffekt wäre irgendwann verpufft.

Erster Testeinsatz in Mugello?

Obwohl Schumacher in der Formel 2 für den italienischen Rennstall Prema Racing fährt und genau wie Teamkollege Robert Shwartzman sowie der Gesamtführende Callum Ilott Teil des Nachwuchsprogramms von Ferrari ist, scheint ein Einstieg bei der Scuderia in nächster Zeit unrealistisch.

RTL/n-tv spekulierte bereits, dass Schumacher beim nächsten F1-Rennen in Mugello als Testfahrer für Haas oder Alfa Romeo im freien Training zum Einsatz kommen könnte. Allerdings dementierte dies sein Management umgehend. Und selbst wenn Mick demnächst Testeinsätze bekäme, würde er damit noch lange keinen Sitz bei Ferrari ergattern. Die schwächelnden Italiener haben mit Charles Leclerc einen jungen Piloten mit dem Potenzial zum künftigen Weltmeister.

Den Sitz von Sebastian Vettel übernimmt unterdessen der 26-jährige Carlos Sainz junior. Sainz, der ebenso wie Schumacher einen berühmten Rennfahrervater hat, könnte also auf Jahre hinweg diesen Platz blockieren.

Umweg über einen Hinterbänkler

Damit bliebe Schumacher nur der Umweg über ein kleines Team, sofern er die Saison in der Formel 2 mit Top-Resultaten abschliesst. "Die Fähigkeiten, einen Formel-1-Boliden zu bewegen, ist das eine. Das andere sind die Erfolge in der Karriere", sagt Ex-Fahrer und TV-Experte Marc Surer. "Eigentlich musst du die Formel 2 gewinnen, um in die Formel 1 aufzusteigen."

Aktuell liegt er sechs Punkte hinter Ilott und drei vor Shwartzman, seinen beiden Konkurrenten aus dem Ferrari-Nachwuchsprogramm. Sollte Schumacher die Meisterschaft wenigstens als Zweiter abschliessen, könnte er sich Hoffnungen auf ein Cockpit machen.

Freie Sitze gibt es in der nächsten Saison aktuell noch bei den Hinterbänklern Haas und Alfa Romeo sowie bei den Überraschungsteams von Monza, AlphaTauri und Racing Point (ab 2021 Aston Martin).

Konkurrenz gibt es beispielsweise durch Landsmann Nico Hülkenberg, der sich vor kurzem mit guten Auftritten in Silverstone empfehlen konnte. Es könnte sehr gut sein, dass sich die Fans vom neuen "Schumi" noch etwas gedulden müssen, bis sie ihn in einem Formel-1-Boliden bejubeln dürfen.

Verwendete Quellen:

  • Sport1.de: Das fehlt Schumacher zur Formel 1
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