Aufregende Tage für Borussia Dortmund. Toptorjäger Pierre-Emerick Aubameyang steht unmittelbar vor einem Abgang. Der BVB dürfte sich im Falle eines Wechsels zwar über den nächsten riesigen Geldsegen freuen, steht dann aber vor einem grossen Problem. Wer kann den Gabuner ersetzen?

Pierre-Emerick Aubameyang steht beim BVB vor dem Absprung. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hat der Gabuner bei Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc bereits um die Freigabe gebeten.

Sein Vater soll sich aktuell zu Verhandlungen in London befinden. Der FC Arsenal ist interessiert, sucht für seinen abwanderungswilligen Stürmer Alexis Sanchez einen geeigneten Ersatz.

Laut "Bild" darf Aubameyang noch in diesem Winter wechseln, wenn ein Angebot von mindestens 70 Millionen Euro in der Dortmunder Geschäftsstelle eingeht.

Aubameyang - ein zweischneidiges Schwert

In Aubameyang würde der BVB zwar seinen absoluten Topstar verlieren, seine Undiszipliniertheiten schwächen den zu erwartenden Trennungsschmerz aber deutlich ab.

Steht Aubameyang auf dem Platz für Tore und Erfolg, steht er neben dem Spielfeld für Unruhe und Disziplinlosigkeit.

In den vergangenen 14 Monaten wurde er von drei verschiedenen Trainern (Tuchel, Bosz, Stöger) für jeweils ein Spiel aus dem Kader gestrichen.

Der Verein teilte jeweils mit, es handle sich um eine "Suspendierung aus disziplinarischen Gründen".

Zunächst stellten sich die Verantwortlichen schützend vor den Stürmer. Er sei ab und an zu spät, aber sonst hochprofessionell, sagte Sportdirektor Michael Zorc noch vor einem Monat, am 17. Dezember 2017, bei "Wontorra - der Fussball-Talk".

Heute hört sich das ganz anders an.

Nach dem Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg (0:0) gibt der 55-Jährige unverblümt zu: "Ich muss es langsam in einem grösseren Kontext sehen. Es ist ja nicht seine erste Verfehlung dieser Art. Ich weiss nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ich erkenne ihn nicht mehr wieder, das muss ich ganz ehrlich sagen."

Die Zeichen stehen auf Trennung. Bis zum 31. Januar hat Dortmund noch Zeit, den Topstürmer und Querulanten zu verkaufen und Ersatz zu beschaffen. Doch genau da liegt das grosse Problem.

Keine interne Lösung in Sicht

Aubameyang ist mehr als nur Mittelstürmer von Borussia Dortmund, er ist von elementarer Wichtigkeit für das Spiel der Westfalen. "Er steht ja für ungefähr 50 Prozent unserer Tore und Torbeteiligungen", erklärt Zorc.

Das zeigt deutlich, dass ein Aubameyang-Abgang die Saisonziele (Champion-League-Qualifikation) akut gefährdet.

Aus dem aktuellen Kader heraus wäre ein solcher Verlust nicht zu kompensieren. Der junge Alexander Isak (18 Jahre) weist zwar grosses Potenzial auf, ist ob seiner Entwicklung aber noch nicht reif für die Startelf.

André Schürrle befindet sich genau wie Andriy Yarmolenko im Formtief und Marco Reus kämpft sich derzeit von seinem Kreuzbandriss zurück.

Sprich: Geht Aubameyang, muss extern für hochwertigen Ersatz gesorgt werden, was mitten in der Saison nicht ganz einfach ist.

Der Kandidat müsste einen gewissen Grad an Erfahrung mitbringen, um sofort weiterhelfen zu können.

Zudem müsste er für die Europa League spielberechtigt sein und bis in spätestens zwei Wochen (31. Januar) in Dortmund aufschlagen.

Batshuayi, Dembélé, Dolberg

Ein Spieler, der diese Anforderungen erfüllen könnte, wäre Michy Batshuayi. Der Stürmer vom FC Chelsea kommt bei den "Blues" aktuell nicht zum Zug.

In nur elf Ligaspielen stand er in dieser Saison auf dem Platz, nie über die kompletten 90 Minuten. Zu wenig für den belgischen Nationalspieler - gerade im WM-Jahr.

Von der "Bild"-Zeitung wird er deshalb als Aubameyang-Nachfolger ins Spiel gebracht.

Ins Dortmunder Profil passt er. Er ist jung (24), international erfahren und dürfte in der Europa League spielen.

Aber auch Celtic Glasgows Moussa Dembélé und Kasper Dolberg von Ajax Amsterdam sind Kandidaten.

An Dembélé war der BVB schon im Sommer interessiert. Der 21-Jährige erzielte in 70 Pflichtspielen für Celtic bereits 40 Tore und bereitete zwölf weitere vor.

Zwar ist die schottische Liga qualitativ nicht mit der Bundesliga zu vergleichen, doch Dembélé glänzte auch in der Champions League.

Dolberg spielte sich in der vergangenen Saison in den Fokus der Topteams, als er unter Ex-BVB-Trainer Peter Bosz in 29 Ligaspielen 16 Mal traf.

In dieser Saison läuft es beim jungen Dänen (20) noch nicht so rund (18 Siele, 5 Tore, 0 Assists). Dennoch gehört er zu den grössten Stürmertalenten in Europa.

So punktet Dortmund

Sowohl bei Dembélé als auch bei Dolberg hätte der BVB allerdings hochkarätige Konkurrenz.

Dem FC Bayern und Juventus Turin wird Interesse am Franzosen nachgesagt, Dolberg wurde unter anderem mit dem FC Barcelona und dem AC Mailand in Verbindung gebracht.

Klar, der BVB ist in Sachen Gehalt und sportliche Perspektive derzeit nicht die beste Adresse.

Das macht Aubameyangs Wechselwunsch zum FC Arsenal, dem derzeit Tabellensechsten der Premier League, deutlich.

Dafür stehen die Chancen auf einen Stammplatz beim BVB deutlich höher, als bei den ohnehin schon topbesetzten Spitzenteams.

Und genau das ist es, was in der Vergangenheit immer wieder Topspieler nach Dortmund brachte - auch wenn der BVB oft nur als Karrieresprungbrett dient.