• Der nächste wichtige Sieg in der Liga bringt den BVB seinem Minimalziel immer näher.
  • Die Leistungsschwankungen der letzten Wochen nähren aber auch die Zweifel an der Mannschaft - die vielleicht auch etwas mehr Klartext aus der Führungsetage gebrauchen könnte.

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Vor ein paar Jahren schaffte es der FC Schalke 04 zur Vizemeisterschaft und war hinter den uneinholbaren Bayern damals faktisch die beste Mannschaft der Republik. Die Königsblauen sammelten 18 Siege und 63 Punkte ein, verloren nur sieben Spiele - und doch konnte sich niemand so recht erklären, wie es Schalke so weit nach vorn schaffen konnte. Die Vizemeisterschaft jedenfalls vernebelte einigen im Klub mächtig die Sinne und ein paar Jahre später firmieren die Knappen nun als Zweitligist.

Ein ähnliches Schicksal ist für Borussia Dortmund nicht zu erwarten, dafür hat sich der BVB seit über einem Jahrzehnt beständig in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert und genug Substanz in allen Ebenen des Klubs. Aber warum genau die Borussia aktuell auf Rang zwei der Bundesliga liegt und sich sogar noch so etwas wie ein Titelrennen mit den Bayern liefern kann, ist ein trotzdem mittelgrosses Rätsel.

An der überragenden Konstanz der Mannschaft liegt es zumindest nicht. Allein die zurückliegende englische Woche bestätigte das komplette BVB-Spektrum in dieser Saison: Nach einem fulminanten Sieg über Verfolger Freiburg flog Marco Roses Mannschaft bei Zweitligist St. Pauli aus dem Pokal, um dann am Samstag mit mehr Glück als Verstand und einer bescheidenen Leistung trotzdem irgendwie in Hoffenheim zu gewinnen.

BVB: Licht und Schatten im steten Wechsel

Auch nach 30 Pflichtspiele unter Rose wissen Fans, Experten, Beobachter und wohl auch der eine oder andere Verantwortliche im Klub noch immer nicht so recht, wo diese Mannschaft zu verorten ist. Ist der BVB ein Titelkandidat oder schlicht ein Nutzniesser von der Schwäche der vermeintlichen anderen Verfolger: von Leipzigs Problemen, Leverkusens und Frankfurts Inkonstanz oder den schleichenden Niedergängen in Gladbach oder Wolfsburg?

Der Vorsprung auf den fünften Tabellenplatz beträgt schon zehn Punkte, das Minimalziel "Champions-League-Qualifikation" dürfte kein Ritt auf der Rasierklinge mehr werden wie noch in der letzten Saison. Die kniffligen Aufgaben gegen Frankfurt, Freiburg und Hoffenheim hat der BVB mit der Maximalpunktzahl gelöst.

Und es gibt auch genug Argumente, einen dreckigen Sieg wie den in Hoffenheim auch als gutes Signal zu werten: Wenn der BVB mit zwei eigenen Schüssen aufs gegnerische Tor drei Treffer erzielen und einen Sieg einfahren kann, ist das auch eine gewisse Qualität.

Aber es gibt eben immer auch die Gegenseite: Die Flut an Gegentoren, die extremen Leistungsschwankungen von Spiel zu Spiel und mittlerweile immer öfter auch innerhalb einer Partie und das diffuse Gefühl, dass das eine oder andere Problem ein wenig verklärt wird - und der Kader von Verantwortlichen stärker eingeschätzt wird, als er tatsächlich ist.

Watzke zum Pokal-Aus: "Shit happens"

Anders kann man Hans-Joachim Watzkes Aussagen vor der Partie am Samstag jedenfalls kaum interpretieren. Dortmunds Geschäftsführer verwehrte sich am Sky-Mikrofon gegen die Behauptung, seiner Mannschaft fehle es an Willensstärke oder der von Trainer Rose immer wieder eingeforderten Haltung.

"Wir haben sicherlich von der Einstellung her Fehler gemacht, aber es ist am Ende so passiert. Das hat aber nichts mit der Mentalität der Mannschaft zu tun", sagte Watzke im Rückblick auf das Pokal-Aus und bemühte stattdessen ein paar Quervergleiche zur erfolgreichsten Phase der jüngeren Klubgeschichte.

"Wir sind 2011 Meister geworden, aber in der gleichen Saison aus dem Pokal geflogen. Das ärgert mich jedes Mal wahnsinnig, aber am Ende muss man auch sagen: Das kommt eben ab und zu vor. Das ist nun mal der Pokal. Wir waren in den letzten zehn Jahren sechsmal im Finale. Davon haben wir dreimal gewonnen und dreimal verloren. Das spricht nicht unbedingt für eine Mannschaft, die im DFB-Pokal nicht ambitioniert ist. Letztes Jahr waren wir nicht ambitionierter als dieses Jahr. Shit happens!"

Watzkes Aufgabe ist es zwar nicht, die sportliche Lage seines Klubs permanent zu analysieren und ein gewisses Mass an Diplomatie schwingt in diesen Interviews auch immer mit. Aber ein wenig mehr Selbstkritik von oberster Stelle wäre vielleicht ganz hilfreich, die Dauerschleife aus Erfolg und Misserfolg zu durchbrechen. Sonst bleibt der BVB auch auf absehbare Zeit, was er heute schon ist: Die Nummer zwei in Deutschland. Nicht weniger - aber eben auch nicht mehr.

Verwendete Quellen:

  • weltfussball.com: BVB-Chef Watzke kündigt Gespräch mit Zwayer an
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