• Mats Hummels erwischte gegen die Bayern einen rabenschwarzen Tag.
  • Die Kritik an Dortmunds Abwehrchef wird wieder lauter. Aber ist sie auch angemessen?

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Mats Hummels konnte sich ein sarkastisches Lächeln gar nicht mehr verkneifen an diesem vermaledeiten Abend. Hummels hatte eine scharfe Hereingabe von Kingsley Coman beinahe ins eigene Tor gelenkt, es wäre das vierte Gegentor im Topspiel gegen den FC Bayern gewesen und hätte Hummels' Arbeitstag in gewisser Weise gekrönt: Der Routinier war schon an den ersten drei Gegentreffern beteiligt.

Die Partie gegen den Rekordmeister war ein grosses Spiel und solche werden - so will es das Fussball-Gesetz - von grossen Spielern entschieden. Oder von diskutablen Schiedsrichterentscheidungen. In einem zwar unglaublich unterhaltsamen, aber eben auch einem Spiel mit tausend Fehlern auf beiden Seiten waren es der BVB und Mats Hummels, denen am Ende der Schwarze Peter blieb.

Borussia Dortmund erlebte eine ebenso unglückliche wie vermeidbare Niederlage und in den Debatten um Schiedsrichter Felix Zwayer und dessen Entscheidungen ging Hummels' rabenschwarzer Abend beinahe unter und mit ihm die Diskussionen darüber, wie gross einer wie Hummels in so einem Spiel überhaupt noch sein kann.

Hummels: "Ein extrem gebrauchter Tag für mich"

Beim ersten Gegentor verschlampte Hummels erst den Ball und löschte die deshalb entstandene brenzlige Situation gegen Thomas Müller nicht. Bei Bayerns erster Führung wurde Hummels von Mitspieler Raphael Guerreiro förmlich abgeschossen, der Ball landete bei Coman, Schuss, Tor.

Und dann die Handspiel-Szene: Hummels stolperte mehr oder weniger in eine Flanke, hatte den Ball gar nicht im Blick, aufgrund seiner gebückten Körperhaltung aber den angewinkelten Arm zur Balance etwas ausgefahren. Regeltechnisch war das ein strafbares Handspiel, aus Hummels- und BVB-Sicht aber auch maximal unglücklich.

Manuel Akanji ist die dominante Figur in der Dortmunder Innenverteidigung in dieser Saison, der Schweizer zeigt das, was sie sich eigentlich von Hummels erwartet hatten. Der war noch nie der schnellste Spieler, konnte diesen Malus aber durch herausragendes Vordecken und ein sauberes Stellungsspiel sehr gut ausgleichen. Nun schleichen sich aber immer mal wieder Fehler ein, die man von Hummels in der Qualität und in der Häufigkeit nicht gewohnt ist.

Der entschuldigte sich am Sonntag via Instagram bei seinen Fans.

"Eine ganz unglückliche Niederlage für uns und ein extrem gebrauchter Tag für mich. Erst der dicke Fehler vor dem 1:1 und dann noch sehr unglücklich den Elfer zum 2:3 verursacht. (Keine Ahnung wie man mir beim 1:2 was zu Lasten legen möchte!?) Ich hätte der Mannschaft gerne geholfen, das ist mir gestern leider nicht gelungen. Als Sportler definiert man sich vor allem darüber wie man auf (solche) Misserfolge reagiert!"

Ein typischer Hummels: Reflektiert, selbstkritisch, aber auch klar in der Abgrenzung, welchen Schuh er sich anzieht und welchen eben auch nicht. Am eigentlichen Problem ändert aber auch das nichts. Hummels ist aktuell nicht immer die zuverlässige Grösse für den BVB, die diese Mannschaft dringend bräuchte.

Wann erreicht Hummels wieder 100 Prozent - oder spielt er bereits am Limit?

Der 32-Jährige hatte vor ein paar Wochen mit erstaunlich offenen Worten für Aufsehen gesorgt. "Die Nationalmannschaft braucht mich ganz klar nur, wenn ich bei 100 Prozent bin. Mit 80 oder 90 Prozent braucht mich die Mannschaft nicht", sagte er der "Sport-Bild". Das suggerierte, dass da in dieser Saison noch Luft nach oben ist beim Routinier. Was aber, wenn Hummels schon am Anschlag spielt?

Die Kritik nahm zuletzt wieder zu, unter anderem äusserten sich Dieter Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge. Sie konzentrierten sich aber auf Hummels' "klassische" Schwächen beim Antritt und in der Endgeschwindigkeit. Fehler wie nun gegen die Bayern in der Spieleröffnung, im direkten Zweikampf, im Stellungsspiel sind nicht neu und sie passieren auch anderen hochdekorierten Spielern ab und zu. Aber eben nicht so komprimiert und unter dem Brennglas einer Partie des BVB gegen die Bayern.

"Wenn ich spiele, will ich helfen. Und niemandem den Platz wegnehmen, weil mein Name Mats Hummels ist", sagte Hummels im "Sport-Bild"-Interview auch noch. Das war auf die Nationalmannschaft gemünzt, könnte nun aber - wenn man Hummels' Kritikern glauben mag - auch für Dortmunds Mannschaft gelten. Das wiederum unterschlägt aber den wichtigen Fakt, dass es für und in einer Fussballmannschaft mehr gibt, als "nur" die 90 Minuten auf dem Platz.

In Dortmunds Hierarchie nimmt Mats Hummels eine exponierte Stellung ein, ist allein durch seine Persönlichkeit ein Faktor von grossem Wert. An Hummels' Status wird sich auch so schnell nichts ändern, die Mannschaft wird einen wie ihn auch weiter brauchen, auf dem Platz und in der Kabine. Aber Hummels bräuchte jetzt auch mal wieder ein paar grosse Leistungen, um diesem Anspruch auch gerecht zu werden.

Verwendete Quellen:

  • Sportbild: Das ehrliche Hummels-Interview
  • Instagram: Account von Mats Hummels
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