• Dortmunds Kantersieg gegen den VfB Stuttgart war ein wichtiges Signal nach zuletzt schwachen Leistungen.
  • Von einer Trendwende sollte beim BVB deshalb aber noch niemand sprechen.

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Das Lob kam von höchster Stelle und einem, der es wissen muss. "Jude war für uns derjenige, der das Spiel in die richtige Richtung gelenkt hat. Er hat auch gut auf die Mannschaft gewirkt. So ist er unfassbar wertvoll für uns." Das erzählte Sebastian Kehl nach Borussia Dortmunds furiosem 5:0-Sieg den Journalisten und durfte sich zumindest in Ansätzen auch ein wenig an seine eigene Zeit als Spieler erinnert fühlen.

Nicht, dass Kehl ein grosser Torjäger gewesen wäre oder ein so spektakulärer Spieler wie der immer noch erst 19-jährige Jude Bellingham. Aber Kehls Wert für Borussia Dortmunds Mannschaft war eigentlich immer unumstritten und als ehemaliger Kapitän rückte der heutige Sportchef auch immer automatisch in die Rolle des Anführers.

Einen solchen benötigte die aktuelle Dortmunder Mannschaft nach den zuletzt mageren Vorstellungen und Ergebnissen in der Liga. Der letzte Sieg vor dem Stuttgart-Spiel datierte von Mitte September. Nach einigen harschen Tönen von Mats Hummels und vor allen Dingen auch Trainer Edin Terzic, der seine Mannschaft in einigen Phasen des Spiels nicht weniger als den notwendigen inneren Antrieb absprach, folgte gegen die zuletzt leicht im Aufwind befindlichen Schwaben die erhoffte Reaktion.

Dortmunds Teenager drehen auf

Die Dortmunder Startelf war mit einem Altersdurchschnitt von 23,4 Jahren so jung wie seit rund dreieinhalb Jahren nicht mehr und legte die Basis dafür, dass erstmals überhaupt in der Geschichte der Bundesliga drei Teenager in einer Partie trafen: Jude Bellinghams Doppelpack wurde flankiert von den Toren Gio Reynas und Youssoufa Moukokos, zwei 19- und ein 17-Jähriger führten den BVB mit insgesamt vier der fünf Tore zum Sieg.

Der – wieder einmal – zeigte, was in dieser Mannschaft steckt und was für diese Mannschaft möglich ist. Endlich zeigte der BVB wieder Leidenschaft und Elan in allen Spielphasen, war gierig auf Ballgewinne und Torabschlüsse. Phasenweise erdrückte die Borussia den Gegner in dessen eigener Hälfte und wich auch nach eigenen Ballverlusten keine Meter zurück.

"Wir sind drauf geblieben", lobte Trainer Terzic. "Wir hatten ein richtig gutes Gegenpressing in der ersten Halbzeit, mit vielen hohen Balleroberungen." Und eine ungeheure Effizienz legte sein Team praktischerweise gleich auch noch an den Tag: Fast jeder Schuss fand den Weg ins Stuttgarter Tor. Die frühe Führung, gab Terzic aber zu, "hat es uns schon ein bisschen einfacher gemacht."

So konnte die Borussia die Partie und den Gegner vor sich hertreiben und musste nicht wie zuletzt bei Union Berlin selbst einem frühen Rückstand hinterherlaufen. Und dann ist die Mannschaft zu einem Spiel dieser Güteklasse fähig – wobei zur Wahrheit aber gehört, dass sich der VfB an diesem Tag im Spiel gegen den Ball nicht wettbewerbsfähig präsentierte.

Brandt: "Haben hoffentlich unsere Lehren gezogen"

Deshalb ist der zarte Anflug der Besserung auch noch nicht mehr als das. Zu oft in der jüngeren Vergangenheit schuf sich der BVB mit Spielen wie nun gegen Stuttgart ein Plateau, vom dem er nur Tage später wieder krachend abstürzte.

"Wir hoffen, dass wir daraus sehr viel positive Energie und Selbstvertrauen ziehen können", sagte Terzic. Es tue überdies auch mal ganz gut, nicht ganz so viel schimpfen zu müssen. Aber: "Wir wissen auch, was in den letzten Wochen passiert ist", wollte der Trainer gar nicht erst zu viel Euphorie nach diesem einen starken Spiel aufkommen lassen.

Tatsächlich bleibt der Mannschaft keine Zeit für Genügsamkeit, schon am Dienstag geht es in der Champions League gegen Manchester City um den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale, dann am Wochenende zu den aktuell blendend aufgelegten Frankfurtern. Und man kann sich jetzt schon ausmalen, dass die Borussia in beiden Spielen auf deutlich mehr Widerstand treffen wird als gegen den VfB Stuttgart.

Leisen Grund zur Hoffnung gab zumindest Julian Brandt. "Wir haben über alles gesprochen, über das gesprochen werden musste", deutete der Nationalspieler eine Art reinigende Aussprache an. "Und haben daraus hoffentlich ein für alle Mal unsere Lehren gezogen." Schon in ein paar Tagen wird man das dann nachprüfen und den Wert des Kantersiegs gegen den VfB auch besser einordnen können.

Verwendete Quellen:

  • bvb.de: Pressekonferenz: "Jetzt eine Serie starten"
  • bvb.de: Nachbericht: "So ist er unfassbar wertvoll für uns"
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Edin Terzic zeigt Verständnis für Mats Hummels' Ärger

"Ihr wisst, um welche Situation es geht", spricht Edin Terzic über Mats Hummels' Ärger über den Ballverlust vor dem 0:2 bei Union Berlin. Karim Adeyemi ist das Ziel der Kritik Hummels', ohne von diesem namentlich genannt zu werden. Terzic wünscht sich eine ehrliche und offene Aussparche - aber in den eigenen vier Wänden. © Sky