Lucien Favre wird nun doch nicht Trainer von Borussia Dortmund, dafür rücken nun drei andere Kandidaten als Nachfolger von Thomas Tuchel in den Vordergrund. Vielleicht bastelt der BVB aber an einer ganz anderen Lösung des Problems.

Die Ansage war unmissverständlich: OGC Nizza hat am Freitagmorgen allen Werbeversuchen von Borussia Dortmund in der Causa Lucien Favre eine Abfuhr erteilt.

Der Schweizer, angeblich Wunschtrainer Nummer eins bei den Borussen, erhält keine Freigabe.

"Die Entscheidung ist offiziell und unumstösslich. Sie wurde den Bossen von Borussia klar mitgeteilt. Und natürlich auch Lucien Favre, der sie vorbildlich aufgenommen und akzeptiert hat", verkündeten die Franzosen in einer Pressemitteilung.

Medien berichten, dass er Dortmund verlässt - BVB kassiert richtig ab.

Alle Versuche von Favre, die Freigabe zu erhalten, waren vergeblich. Nizza fand es "legitim, dass diese Chance das Interesse von Lucien Favre weckt", verwies aber auf den bis 2019 datierten Kontrakt mit dem Schweizer Fussball-Lehrer und auf den hohen Zeitdruck bei der eigenen Suche nach einem neuen Coach im Falle eines Favre-Wechsels: "Das sportliche Interesse steht für das Nizza-Management immer über dem finanziellen Aspekt. Da der Trainingsstart am 19. Juni zu nahe ist, wünscht der Verein keine weiteren Verhandlungen mehr."

Dem Vernehmen nach wäre der BVB bereit gewesen, für den Coach eine Ablöse von über fünf Millionen Euro zu investieren.

Wenige Tage nach der Trennung von Thomas Tuchel ist angesichts der klaren Worte aus Nizza nicht davon ausgehen, dass es mit Favre und dem BVB in naher Zukunft noch zu einer Verbindung kommt.

Die angebliche Einigung zwischen dem Klub und Favre über einen Zweijahresvertrag plus der Option auf ein weiteres Jahr ist damit wohl hinfällig.

Van Bronckhorst aus dem Hut gezaubert

So überraschend wie der Name Favre nun offenbar wieder von der Bildfläche verschwindet, tauchte in den vergangenen Stunden der von Giovanni van Bronckhorst auf.

Die französische Sporttageszeitung "L’Equipe" will von einer Einigung innerhalb der BVB-Gremien auf den Niederländer wissen.

Van Bronckhorst war als Spieler Teil der goldenen Generation des FC Barcelona, wurde mit den Katalanen Champions-League-Sieger und holte in Spanien (mit Barca), Holland (mit Feyenoord) und Schottland (mit den Rangers) je zwei Meisterschaften, dazu mit Arsenal die Premier League und zweimal den FA Cup.

Als Trainer startete der 42-Jährige bei seinem Heimatklub Feyenoord zuletzt voll durch. Nach seinem Aufstieg vom Co-Trainer und Coach der zweiten Mannschaft zum Cheftrainer im Jahr 2015 holte er erst den Pokal und vor wenigen Tagen auch die Meisterschaft in den Niederlanden.

Neun Jahre musste Rotterdam auf den Pokalsieg warten, sogar 18 Jahre auf die Meisterschaft - Van Bronckhorst hat "den Klub des Volkes" förmlich wieder wachgeküsst.

Bosz ist der Favorit

Die besten Chancen hat der Newcomer aus den Niederlanden aber dennoch nicht. Dafür steht beim BVB zu viel auf dem Spiel, sind die Ansprüche zu hoch, als dass die Bosse sie nach dem gescheiterten Versuch mit Tuchel nun einem Trainer anvertrauen würden, der erst zwei Jahre im Profigeschäft auf dem Buckel hat.

Etwas anders sieht das bei Van Bronckhorsts Landsmann Peter Bosz aus. Wie die "Welt" schreibt, stehe der ehemalige Profi von Hansa Rostock mit dem BVB bereits vor einer Einigung.

Bosz gilt als Verfechter des Offensivfussballs, hat aber erst in der abgelaufenen Saison bei Ajax Amsterdam den Durchbruch geschafft.

Mit einer besseren A-Jugend stürmte Bosz bis ins Finale der Europa League und hievte Ajax nach vielen mittelprächtigen Jahren wieder zurück auf die Landkarte des europäischen Top-Fussballs.

Dass der 53-Jährige mit jungen Spielern etwas auf hohem Niveau entwickeln kann, dürfte unbestritten sein.

Für Dortmunds sehr jungen Kader, der gespickt ist mit hochtalentierten, aber eben auch noch unbeständigen Spielern, könnte der Niederländer sehr gut passen. Ausserdem spricht Bosz fliessend Deutsch.

Stöger auch noch im Rennen?

Peter Stöger soll in den vergangenen Tagen auch immer wieder eine Option gewesen sein. Der Österreicher hat den 1. FC Köln zum ersten Mal nach 25 Jahren wieder nach Europa geführt, gilt als gewiefter Taktiker aber auch als Spielerversteher und er kennt die Bundesliga.

Aber die Chance, dass der BVB den 51-Jährigen auch bekommt, scheint gering. "Es gibt keinen Kontakt zu Borussia Dortmund. Es braucht keiner nervös zu werden", zitiert der "Express" Stöger.

"Nur weil es mehr Leute schreiben, macht es das nicht richtiger."

Auch FC-Manager Jörg Schmadtke bleibt demonstrativ gelassen. "Es gibt nichts, was ich zu kommentieren hätte. Weder aus Dortmund, noch von unserem Trainer. Ich kann aber nicht sagen, ob das heute Abend oder morgen früh anders ist."

Vielleicht nur eine Übergangslösung

Gut möglich, dass der zukünftige Dortmund-Coach aber auch nur eine Art Platzhalter sein wird für eine ganz grosse, oder zumindest ganz andere Lösung.

Julian Nagelsmann ist derzeit kaum zu bekommen, gilt aber bei so ziemlich jedem deutschen Top-Klub als eine Offenbarung für die Zukunft.

Und in Dortmund stellt sich ja auch die sehr spezielle Situation dar, dass gleich drei ehemalige Trainer in der Ferne für Furore sorgen und man sich jederzeit eine Rückkehr des einen oder anderen vorstellen könnte.

Jürgen Klopp ist dabei gar nicht die wahrscheinlichste Lösung, dafür hat der ehemalige Erfolgscoach in Liverpool eine zu reizvolle und grosse Aufgabe.

Aber David Wagner, der jüngst mit Huddersfield in die Premier League aufgestiegen ist und beim BVB die zweite Mannschaft trainiert hat, ist ein interessanter Trainer.

Und Hannes Wolf, der den Betriebsunfall Bundesliga-Abstieg des VfB Stuttgart letztlich souverän repariert hat und als Dortmunder Junge eine sehr spezielle Beziehung zum Verein pflegt, dürften die Verantwortlichen auch weiterhin sehr genau verfolgen.