• Der bisher teuerste Spieler der Bundesliga-Geschichte soll ins Gefängnis.
  • Die Anwälte von Bayern Münchens Lucas Hernandez versuchen mit allen juristischen Mitteln, ihren Klienten davor zu bewahren.
  • Erscheint der Franzose aber nicht persönlich vor Gericht, wird er zur Fahndung ausgeschrieben.
  • Der Hintergrund seiner Verurteilung ist höchst kurios.

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Lucas Hernandez hatte am Donnerstag genügend Zeit, um sich mit seinen Anwälten und Beratern zu besprechen. Denn Bayern Münchens Trainer Julian Nagelsmann gab seinem Team vor dem Spitzenspiel am Sonntag (15:30 Uhr/DAZN) bei Bayer Leverkusen trainingsfrei. Nach zwei anstrengenden Länderspielwochen sollten seine Stars noch einmal durchschnaufen.

Weltmeister Hernandez dürfte allerdings kaum zur Ruhe kommen, nachdem das 32. Madrider Strafgericht gegen ihn am Mittwoch eine sechsmonatige Haft angeordnet hatte. Die grosse Frage, die sich nicht nur Frankreichs grösste Sportzeitung "L'Equipe" nun stellt, lautet: "Muss Lucas Hernandez wirklich ins Gefängnis?"

Lucas Hernandez' Anwälte wollen Gang ins Gefängnis unbedingt verhindern

Alles scheint möglich zu sein. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" versuchen die Anwälte von Hernandez verzweifelt, eine Aussetzung der Haftstrafe und ihre Umwandlung in eine Geldstrafe zu erreichen. Ein erster Antrag beim Gericht in Madrid sei jedoch abgewiesen worden, nachdem sich auch die Staatsanwaltschaft dafür ausgesprochen hatte, dass Hernandez ins Gefängnis gehen soll, sagte ein Justizsprecher der "SZ". Hernandez sei kein "Ersttäter", hiess es.

Sicher ist derzeit nur, dass Hernandez am 19.Oktober um 11:00 Uhr persönlich vor der 32. Strafkammer in Madrid erscheinen muss. Danach muss der französische Nationalspieler laut Gerichtsspruch innerhalb von zehn Tagen seine 2019 verhängte sechsmonatige Haftstrafe in einem Gefängnis seiner Wahl antreten.

Sehr wahrscheinlich sei, berichten verschiedene Medien, dass die Anwälte von Hernandez am Dienstag erneut Einspruch einlegen werden, um die drohende Haft wegen eines Verstosses gegen ein Annäherungs- und Kontaktverbot so lange wie möglich aufzuschieben. Das letzte Wort hätte dann das Landgericht Madrid, die nächsthöhere Instanz.

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Lässt es Lucas Hernandez auf eine internationale Fahndung ankommen?

Ein echtes Problem ergäbe sich, sollte der frühere Atletico-Profi Hernandez am 19. Oktober nicht in Madrid erscheinen. Dann würde er international zur Fahndung ausgeschrieben werden, sagte der Justizsprecher der "SZ".

Ob der Verteidiger, mit einer Ablösesumme in Höhe von 80 Millionen Euro seit 2019 teuerster Einkauf der Bundesliga-Geschichte, dem deutschen Rekordmeister am 20. Oktober im Champions-League-Gruppenspiel bei Benfica Lissabon zur Verfügung steht, ist unklar. Die Bayern wurden auf jeden Fall überrascht. Stellung bezog zunächst niemand, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Für Unruhe dürfte der schlagzeilenträchtige Justiz-Fall beim Rekordmeister aber allemal sorgen. Inwieweit Hernandez selbst die Geschehnisse verdrängen kann, ist fraglich. In den vergangenen Wochen gehörte der Weltmeister von 2018 zum Stammpersonal von Nagelsmann. Ob der Bayern-Coach angesichts der ganzen Aufregung auch im Topduell gegen die Werkself auf den Franzosen setzen wird?

Erst die Pleite gegen Frankfurt, dann die Länderspiel-Belastung

Nagelsmann dürfte die Entwicklung nicht gefallen, zumal es zuletzt auch sportlich einen Rückschlag gegeben hatte: Vor der Länderspielpause setzte es beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison. Zudem waren seine Stars bei diversen Länderspielen belastet. Auch Hernandez war im Einsatz und gewann mit Frankreich im Endspiel gegen Spanien die Nations League.

Am Dienstag war Hernandez nach München zurückgekehrt, am Mittwoch holte ihn dann die Vergangenheit ein. Der Fall ist zumindest kurios: 2017 war der Profi wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner heutigen Ehefrau mit dem Kontaktverbot belegt worden. Laut Gericht hat das Paar dagegen verstossen, indem es wenige Monate später gemeinsam in die Flitterwochen flog. (AFP/hau)

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Von Hernandez bis Hoeness: Die lange Liste der Bayern-Verurteilten

Lucas Hernandez ist nicht der erste (Ex-)Bayern-Kicker oder Münchner Vereinsboss, der verurteilt worden ist. Die Liste ist lang (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).
Teaserbild: © picture alliance / Sportfoto Zink / Melanie Zink