Die Geschichte des FC Bayern München ist eine des Erfolgs. Ein neues Buch über den Rekordmeister deckt allerdings Machenschaften auf, die das strahlende Selbstbild des Klubs beschmutzen.

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Der FC Bayern München ist das Aushängeschild des deutschen Fussballs und mit Abstand dessen erfolgreichster Verein. Die Roten haben in ihrer ruhmreichen Geschichte alle bedeutenden Trophäen gewonnen.

29 Male errang der Klub von der Isar die Deutsche Meisterschaft. Seit 2013 besteht auf diesen Titel in der Bundesliga sogar ein Bayern-Abonnement.

Es ist dieser permanente Erfolg, der die Fussballliebhaber der Nation in Bayern-Fans und Bayern-Hasser teilt. Letzteren liefern brisante Ausführungen des Historikers Hans Woller neue Munition.

Gerd Müller und das grosse Geld

Woller beschäftigt sich in seinem Buch "Gerd Müller oder Wie das grosse Geld in den Fussball kam" mit dem legendären Mittelstürmer des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft. Ohne den sogenannten "Bomber der Nation" und dessen unnachahmlichen Torriecher gäbe es den FC Bayern München in seiner heutigen Ausnahmestellung nicht.

Wie der Titel von Wollers Werk aber schon verrät, spannt der Autor den Bogen weiter. Er schildert das Heranwachsen eines Vereins, dem der DFB 1963 das Tor zur Bundesliga noch zuschlug, zum dominierenden Klub im deutschen Fussball-Oberhaus.

Müller schoss dafür die Tore, erst, um die Bayern 1965 aus der damaligen Regionalliga Süd empor zu hieven, dann, um sie über die erste Bundesliga-Meisterschaft 1969 in die goldenen 70er Jahre zu führen.

Spieler wie Müller, Libero Franz Beckenbauer und Torwart Sepp Maier bildeten damals die berühmte Achse der Mannschaft, mit der in Sachen Meisterschaft ab 1970 ein knappes Jahrzehnt lang nur noch Borussia Mönchengladbach konkurrierte.

Um sie zu halten, brauchte der FC Bayern viel Geld. Um das zu verdienen, packte sich der Klub seinen Terminkalender mit gut bezahlten Freundschaftsspielen voll, war oft im Ausland unterwegs.

"Eine dieser Innovationen war etwa", schildert Woller im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, "dass der FC Bayern München um diese Zeit, um 1970 herum, im Sommer oder auch in der Weihnachtszeit ausgedehnte Tourneen in Südamerika gemacht hat. Dort hat man nicht wenige Dollars kassiert, und diese Gelder wurden mitunter schon auf dem Heimflug nach München an die verdienten Spieler verteilt. Das schreibt auch beispielsweise Franz Beckenbauer in seinen Memoiren."

Die Bayern mussten ihre Stars, wie übrigens viele andere Bundesligaklubs auch, schwarz bezahlen, denn im Übergang von der Ober- zur Bundesliga, vom Amateurismus zum Profitum, legte der DFB bezüglich der Verdienste der Spieler Obergrenzen fest, über die in Italien oder Spanien nur müde gelächelt wurde. Lukrative Angebote aus dem Süden lagen in den 60er und 70er Jahren sowohl Müller als auch Beckenbauer vor.

Über die erwähnten Kassen voller Schwarzgeld stolperte 1965, im bayerischen Aufstiegs-Sommer, als erster Bundesligist die Hertha aus Berlin. Sie wurde in die damalige Regionalliga zwangsversetzt.

Die CSU gibt dem FC Bayern einen heissen Tipp

Dieses Schicksal blieb den Bayern erspart. Eventuell, weil das Unrecht, das Woller beschreibt, von ganz oben gedeckt wurde. Er sprach dazu mit vielen Zeitzeugen, kramte in Archiven und sichtete Quellen - mit einem erstaunlichen Resultat.

Von "Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung unter den Augen der CSU und der bayerischen Staatsregierung" schreibt Woller in seinem Buch. Die Politiker hätten zu den Machenschaften nicht nur geschwiegen, sondern diesen gar "systematisch Vorschub geleistet".

Zu den Schwarzgeldzahlungen wird Woller gegenüber dem BR konkret: "Finanzminister Ludwig Huber hat diese Anregung in einem Gespräch mit dem Präsidenten Wilhelm Neudecker gegeben."

Huber war nach seinem Ausscheiden aus dem bayerischen Landtag 1977 bis 1988 Chef der bayerischen Landesbank.

Bauunternehmer Neudecker führte den FC Bayern München von 1962 bis 1979. 1964 war er aus Kalkül der SPD beigetreten. "Ich erhoffte mir Vorteile für meinen FC Bayern", zitiert Woller aus Neudeckers Memoiren. Neudecker kandidierte für die SPD für den bayerischen Landtag, allerdings erfolglos. 1970 versprach er sich wohl grössere Vorteile von einer Unions-Mitgliedschaft - und trat prompt der CSU bei.

"Ich bin der Staatssekretär Kiesl"

Woller schildert auch eine Anekdote um Erich Kiesl, von 1978 bis 1984 Münchner Oberbürgermeister, CSU-Mann - und Bayern-Mitglied. Kiesl war öfters mit den Bayern auf Promo-Tour im Ausland. Am alten Flughafen in Riem soll er einen dienstbeflissenen Zöllner mal mit dem Satz zurechtgewiesen haben: "Ich bin der Staatssekretär Kiesl, und das ist der FC Bayern - also lasst uns durchgehen."

Hans Wollers Buch "Gerd Müller oder Wie das grosse Geld in den Fussball kam" ist seit dem 15. Oktober 2019 im Handel erhältlich.
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