Mit seinem Ausgleichstreffer gegen den BVB hat Claudio Pizarro sowohl Bremer als auch Münchner Herzen höher schlagen lassen und womöglich die Meisterschaft entschieden. Es ist nicht das letzte Highlight seiner beeindruckenden Fussballkarriere - die beginnt, als ein deutscher Bankkaufmann in Peru ein Loch im Zaun entdeckt.

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Mit seinem vierten Saisontor hat Claudio Pizarro seinem Ex-Klub FC Bayern München einen grossen Gefallen im Meisterschaftskampf getan. Durch das Remis gegen Werder am 32. Spieltag waren Dortmunds Titelchancen weiter geschrumpft.

Dass Pizarro noch am FC Bayern hängt und auch die Fans ihre langjährige Nummer 14 lieben, zeigt sich am 20. April in der Münchner Allianz Arena. Als Pizarro in der 81. Minute des Bayern-Spiels gegen Bremen eingewechselt wird, geht ein Jubeln durchs Stadion. "Ich kann nur Danke sagen. Ich habe das immer gesagt, ich fühle mich zu Hause hier", sagt Pizarro anschliessend in der Mixed Zone.

Bei den Bayern ist er jederzeit willkommen. "Wir haben mit Claudio vereinbart, wenn er wirklich mal seine Karriere beendet, wann auch immer das sein wird, dass er dann nach München zurückkehren und bei uns eine Botschafter-Rolle übernehmen kann", so Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zum Portal "Mein Werder". Aber wann wird das sein?

Die Zahlen sind beeindruckend - und zweitrangig

Seit Jahren prophezeien Journalisten, Experten, Vereinsbosse, Mitspieler Pizarros Karriereende. Er belehrt sie eines Besseren - und schreibt seine Geschichte fort.

196 Bundesliga-Tore in 19 Spielzeiten: Jahrelang ist Pizarro erfolgreichster ausländischer Torschütze, ehe Robert Lewandowski ihn ablöst. Bei Werder Bremen ist er mit 150 Treffern Rekordtorschütze, wird 2009 Pokalsieger. Mit dem FC Bayern München wird er sechsmal deutscher Meister, ebenso häufig gewinnt er den DFB-Pokal. Die Krönung ist der Champions-League-Sieg 2013. Die Zahlen sind beeindruckend - aber um sie geht es ihm nicht.

Pizarro will spielen. Seit früher Kindheit jagt er mit seinen Freunden dem Ball hinterher, schreibt Journalist und Autor Reimar Paul in "Pizarro - Die Biografie". "Seitdem er laufen konnte, ist er jeden Tag runter zum Spielplatz, um Fussball zu spielen", zitiert er das Kindermädchen.

Die Bestmarken sind Beiwerk, auch des Geldes wegen müsste er längst nicht mehr spielen. Für ihn geht es um Lebensfreude. Dolce Vita in der Bundesliga.

Jene Freude im Umgang mit dem Ball fällt dem Bremer Vorstandsvorsitzenden Jürgen Born im Sommer 1999 auf. Den Bankkaufmann, der geschäftlich in Südamerika ist, beeindruckt das Talent in einem Spiel der Copa America. Heute, 20 Jahre später, gehört die Legende um Pizarros Verpflichtung für Werder-Fans zu den schönsten Anekdoten der Vereinsgeschichte.

Ein Loch im Zaun und jede Menge Pisco

Um den 20-jährigen Stürmer mit den "raspelkurzen Haaren" beobachten zu können, sucht Born das Trainingsgelände von dessen Verein Allianza Lima auf. Das Training findet an jenem Tag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - was Born nicht stört. Er sucht einfach ein Loch im Zaun. Um seinen Anzug nicht zu beschädigen, reisst er das Loch weiter auf und entdeckt den jungen, drahtigen Stürmer tatsächlich wieder.

Zurück in Bremen überzeugt er Manager Klaus Allofs von einem Besuch in Peru. "Auch für Allofs ist nach der Einheit klar: Pizarro muss Werderaner werden", schreibt Paul in der Biografie.

Nach Treffen mit Pizarros Vater, reichlich Pisco - einem peruanischen Traubenschnaps - und abenteuerlichen Verhandlungen mit "verwegenen Kerlen mit imposanten Bärten" aus der Vereinsführung des peruanischen Hauptstadtklubs wird Claudio Pizarro im August 1999 Bremer.

Zum ersten Mal Bremer, muss man hinzufügen. Im Sommer 1999 ahnt niemand, dass Pizarro noch vier weitere Male an die Weser wechseln und zur Klublegende aufsteigen wird. Heute vergöttern ihn die Werder-Fans.

Den Legendenstatus, den er bei Werder Bremen innehat, erreicht er beim FC Bayern München nicht. Dorthin wechselt er immerhin auch zweimal: 2001 und 2012. "In München ist er einer von vielen Grossen", erklärt Autor Reimar Paul.

Ausserdem: So gerne sie ihn heute als Botschafter sähen - das Verhältnis zwischen Pizarro, dem zu jener Zeit der Spitzname "Don Promillo" nachhängt, und der Vereinsführung ist nicht immer unbelastet. Oktoberfest-Besuche mit Sturmkollege Giovane Elber vor einem Spiel, verlängerte Südamerika-Urlaube und Trunkenheitsfahrten kommen bei Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness nicht gut an.

Pizarro hängt noch ein Jahr dran

Stadt und Menschen liebt Pizarro trotzdem, nach seiner Karriere wird er voraussichtlich in München leben, wo er ein Haus im noblen Vorort Grünwald besitzt.

Doch dafür hat er nun weniger Zeit. Pizarro verlängert noch einmal um Jahr in Bremen.

Elber erklärt Pizarros ewige Jugend

Weshalb Pizarro überhaupt noch spielt, dafür hat sein ehemaliger Mitspieler Elber eine Erklärung: "Claudio hatte nie schlimme Verletzungen, weil er nicht richtig in den Zweikampf gegangen ist. Das hat mich angekotzt, weil ein Mittelstürmer in den Zweikampf gehen muss. Er ist ein Fuchs, ein Schlitzohr!", sagte er der "Zeit".

Verwendete Quellen:

  • Anekdoten im Text stammen aus dem kürzlich veröffentlichten Buch "Pizarro - Die Biografie" von Reimar Paul (Werkstatt Verlag, März 2019) sowie aus einem Interview mit dem Autor
  • Mixed-Zone-Stimmen von Claudio Pizarro, April 2019
  • Deichstube.de: "Pizarro will und darf wohl auch bleiben"
  • Bild.de: "Der Pizarro-Gipfel - Geht er oder bleibt er?"
  • Zeit.de: "Claudio Pizarro - Kann es Liebe sein?"
  • Werder.de: "150 Mal Pizarro!"
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