• Paris Saint-Germain scheitert im Achtelfinale der Champions League an Real Madrid.
  • Nach der Partie soll der Klub-Boss dem Schiedsrichter gedroht haben.
  • Im Sommer droht dem Scheich-Klub wohl eine Kader-Zäsur.
Eine Analyse

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Anspruch und Wirklichkeit sind zwei grundverschiedene Dinge, das musste am Mittwochabend auch Paris Saint-Germain, wieder einmal, schmerzlich erfahren.

Der französische Top-Klub scheiterte im Champions-League-Achtelfinale an Real Madrid, das einen 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel mit einem 3:1-Sieg wett machte.

Achtelfinal-Aus statt Titel-Traum, die Wirklichkeit beim mit Milliarden aus Katar aufgerüsteten französischen Haupstadt-Klub ist trist und grau. Auch im elften Jahr nach dem Einstieg der Kataris wollte es mit dem Gewinn des wichtigsten Vereinstitels im europäischen Fussball nicht klappen."Monumentales Scheitern von PSG", titelte die spanische Zeitung "Sport".

Für einen Zusammenbruch in der K.o.-Phase der Champions League ist PSG immer gut. Unvergessen ist das Duell mit dem FC Barcelona im Jahr 2017, als PSG nach einem 4:0-Hinspielsieg durch ein 1:6 im Camp Nou ausschied.

Damit ein solcher Zusammenbruch nicht wieder passiert, wurde danach, wie auch bereits davor, viel Geld in die Hand genommen.

PSG mit ablösefreier Transfer-Offensive im Sommer

Der Höhepunkt war wohl der vergangene Sommer, als es gelang Superstar Lionel Messi, Reals langjährigen Kapitän Sergio Ramos und den besten Torhüter der Europameisterschaft, Gianluigi Donnarumma jeweils ablösefrei in die Seine-Metropole zu locken.

Dazu blieb der wechselwillige Superstar Kylian Mbappé und mit Neymar befand sich ein weiterer hochveranlagter Fussball-Künstler in den Reihen der Franzosen. Alles war bereitet, für den heissersehnten Traum vom "Henkelpott", der nur im Finale 2020 (0:1 gegen den FC Bayern) der Erfüllung wirklich nahe war.

Aber es sollte der nächste Zusammenbruch folgen, als 150 von 180 Minuten gespielt waren und sich das erfahrene Real-Duo Luka Modric und Karim Benzema dazu entschloss, die Partie binnen weniger Minuten komplett auf den Kopf zu stellen.

Angefeuert von 60.000 Real-Fans im Estadio Santiago Bernabeu wirbelte Modric durch die Mittelfeld-Reihen von PSG und Benzema erzielte einen Hattrick innerhalb von 17 Minuten.

Presse: "Das x-te Sabotagemanöver von PSG"

Von den Superstars des französischen Starensembles kam keine Gegenwehr, beinahe apathisch fügten sie sich ihrem Schicksal, als es über sie hereinbrach.

Bezeichnend dafür: Vor Benzemas zweitem Treffer verlor Paris den Ball in der Nähe des Madrider Tors, doch weder Mbappé noch Messi fühlten sich dafür zuständig, ihre Teamkollegen in der Defensivarbeit zu unterstützen.

Auch in der Abwehr der Franzosen waren im Spielverlauf immer mehr gegenseitige Schuldzuweisungen zu beobachten. Das Ausscheiden war damit besiegelt. "Eurosport Frankreich" bezeichnete es als "das x-te Sabotagemanöver".

Noch schwerer als die sportliche Enttäuschung wiegt aber das Verhalten der Verantwortlichen nach der Partie. Denn PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi wollte mit Manager Leonardo offenbar die Schiedsrichter-Kabine stürmen.

Dabei habe er wüst in alle Richtungen gedroht und die Fahne des Linienrichters zerbrochen, berichten mehrere spanische Medien unter Berufung auf den nicht-öffentlichen Bericht von Schiedsrichter Danny Makkelie (Niederlande).

Sollte dies tatsächlich so abgelaufen sein, drohen den PSG-Verantwortlichen harte Strafen, die auch Al-Khelaifis Ansehen im europäischen Fussball nachhaltig beschädigen würden.

Achtelfinal-Aus von PSG: Was wird aus Kylian Mbappé?

Sein Klub hat durch das Achtelfinal-Aus aber bereits Schaden genommen und könnte vor einer Zäsur stehen. Die Meisterschaft ist angesichts von 13 Punkten Vorsprung so gut wie sicher, dies genügt aber natürlich nicht den Ansprüchen bei PSG.

Die Gelder aus Katar werden wohl weiter fliessen, doch der Kader wird sich mutmasslich verändern. Ein Abgang von Mbappé ist sehr wahrscheinlich, schliesslich hat der junge Franzose höhere Ziele, als immer wieder frühzeitig in der Champions League zu scheitern. Interessenten gibt es genug.

Aber auch Messi, der nie wirklich in Paris angekommen zu sein scheint, könnte ins Grübeln kommen. Hinzu kommen viele hochbezahlte Reservisten, wie Julian Draxler, die wohl nicht überall heissbegehrt sind.

Zinedine Zidane gilt als Kandidat bei PSG

Trainer Mauricio Pochettino wird sich auch eine neue Herausforderung suchen müssen, der Name Zinedine Zidane hält sich seit Monaten hartnäckig, wenn es um die Trainerfrage bei PSG geht.

Möglicherweise gelingt es dem hochdekorierten Zidane, der als Spieler und als Trainer die grossen Titel gewinnen konnte, die Ansammlung von Stars und Superstars zu einem Ensemble zu formen, das nicht schon bei kleinen Rückschlägen zusammenbricht.

Die vergangenen elf Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, dass Erfolge oft dann passieren, wenn Anspruch und Wirklichkeit zusammenpassen – gerade in der milliardenschweren Champions League, wo zumindest in den K.o.-Duellen oft nicht die Qualität allein über Sieg und Niederlage entscheidet.

Diese Lektion hat auch Paris Saint-Germain wieder einmal lernen müssen.

Verwendete Quellen:

  • Spiegel.de: Verfluchter Grössenwahn
  • Sport1.de: Presse: "PSG wird lächerlich gemacht"