Der FC Liverpool trifft am Boxing Day auf Leicester City. Womöglich sind die Foxes das letzte Team, das den Reds um Trainer Jürgen Klopp Probleme im Kampf um den Liga-Titel machen kann. Die Vorzeichen versprechen einen grandiosen Fussballabend.

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Jürgen Klopp ist derzeit auf dem besten Weg, den Fans des FC Liverpool nach dem Gewinn der Champions League einen weiteren, grossen Traum zu erfüllen. Der deutsche Trainer führt mit seiner Mannschaft die Premier League an - dürfen sich die Zuschauer an der Merseyside also auf den ersten Liga-Titel seit 1990 freuen? Der grösste Konkurrent und erste Verfolger heisst Leicester City.

Dabei handelt es sich um jenes Leicester, das 2016 in märchenhafter Manier sämtliche Favoriten düpierte und völlig überraschend den Meistertitel einfuhr. Am Boxing Day, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, muss die Klopp-Elf nun auch ausgerechnet beim derzeit grössten Kontrahenten im Kampf um den Titel ran (21:00 Uhr/Sky).

Liverpools grosse Hürde: Das Leicester-Märchen 2.0

Im knallharten Geschäft Prof-Fussball von Märchen zu sprechen, mag kitschig sein. Doch niemand hätte die schier unglaubliche Geschichte der Foxes geglaubt, wenn er sie nicht selbst erlebt hätte.

Ohne horrende Ausgaben und ohne grosse Stars - wie etwa dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Robert Huth - gelang Leicester das Unglaubliche: Erstmals nach mehr als 20 Jahren hiess der englische Meister 2016 nicht Manchester City, Manchester United, Arsenal London oder der FC Chelsea.

Nach der Meisterschaft und der daraus resultierenden Teilnahme an der Champions League verflog der Glanz um Leicester City jedoch schnell. Die Transfers schlugen nicht wie gewünscht ein, die Euphorie ebbte ab und was folgte, war der Absturz in das Mittelmass samt Entlassung von Erfolgstrainer Claudio Ranieri.

Doch nun gehört Leicester wieder zu den Topteams der Liga. Die Foxes gewannen in der laufenden Saison zeitweise acht Ligaspiele in Folge und Jamie Vardy, der Top-Torjäger der Spielzeit 2015/16, ist mit 17 Toren in 18 Spielen wieder in bestechender Form.

Leicester City belohnt sich für gute Arbeit

Trotzdem ist vieles anders, wenn man Leicester City in diesen Wochen beobachtet. Der Erfolg kam nicht über Nacht zustande, sondern ist die logische Konsequenz guter Arbeit.

Dass man dafür etwas mehr als 100 Millionen Euro investierte, um den Kader im Sommer zu verstärken, gehört in der finanzstarken Premier League dazu. Leicester ist also nicht mehr der Emporkömmling, sondern sukzessive auf dem Weg zum "Big Player".

Deswegen verlängerten die Verantwortlichen den Vertrag mit Trainer Brendan Rodgers kürzlich bis 2025. Rodgers, der Architekt des jüngsten Erfolgs, übernahm das Trainer-Amt im Februar - er setzte an der Basis an: Taktische Feinheiten wurden implementiert, an kleinen Stellschrauben gedreht.

Die Folge ist, dass Leicester nicht durch überfallartigen Konterfussball brilliert, sondern über eine sehr gute Defensivbasis verfügt, gleichzeitig gegen jeden Gegner spielerisch Akzente setzen kann. Das kam auch schon der FC Liverpool zu spüren.

Im Hinspiel schlugen die Reds Leicester erst in der Nachspielzeit durch ein Elfmeter-Tor mit 2:1. Damit war die Klopp-Elf bis zum vergangenen Wochenende (1:3 bei Manchester City) das letzte Team, das gegen Leicester gewinnen konnte.

Gegenwärtig beträgt der Rückstand der Foxes auf den FC Liverpool nach dem 18. Spieltag bereits 10 Punkte - und Klopps Reds haben ein Spiel weniger absolviert. Vom Titel dürfte Rodgers also nur träumen. Und dennoch stellt er mit seiner Mannschaft eine sehr grosse Hürde für den FC Liverpool dar.

Liverpool trifft am Boxing Day auf Leicester City: Ein klassischer Stolperstein

Leicester und Liverpool ähneln sich in gewisser Weise hinsichtlich ihrer Spielphilosophie. Klopp seht mit seiner Mannschaft schon längst nicht mehr nur für Wucht, aggressives Pressing und das Ausnutzen des Momentums. Mittlerweile ist der Reifeprozess hin zu einer kraftsparenderen Ausrichtung mit einer verbesserten Balance und einem grösseren Defensivfokus abgeschlossen.

Liverpool spielt pragmatischer. Einen offenen Schlagabtausch oder wild und unkontrolliert anmutende Spiele gibt es selten zu sehen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Dass Leicester aber dennoch zum Stolperstein werden kann, liegt vor allem an der enormen Qualität des Teams. Onyinye Ndidi und Youri Tielemans ergänzen sich im laufstarken Mittelfeldzentrum hervorragend, James Maddison ist ein abschlussstarker offensiver Freigeist und Vardy besticht wieder einmal durch eine enorme Coolness vor dem gegnerischen Tor.

Zudem ist der Trainer hochmotiviert, war er es doch, der noch vor wenigen Jahren die Chance hatte, den Liverpool-Anhängern den grossen Traum vom Titel zu erfüllen - ehe Rodgers gehen musste und Klopp übernahm.

Klopp und sein Team zwischen Euphorie und extremer Belastung

Klopp ist derzeit ein gefragter Mann. Der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft gegen Flamengo (1:0) ist nur wenige Tage her und schon ruht der Fokus auf dem Spitzenspiel in der Premier League. Die Vorbereitung vor dem traditionellen Spiel am zweiten Weihnachtsfeiertag ist kurz, die Belastung der Spieler in diesen Tagen enorm hoch.

Doch in diesem Jahr scheint es so, als könnten Klopp, sein Trainerteam und die Mannschaft fast nichts falsch machen. Liverpool kann mit Highlights umgehen. Und das ist ein wichtiger Faktor in den Wochen, die für den aktuellen Tabellenführer die Weichenstellung in Richtung Meistertitel bedeuten könnten.

Denn abgesehen von Leicester City warten bis Mitte Januar Wolverhampton, Überraschungsaufsteiger Sheffield, die Tottenham Hotspur und Manchester United auf den FC Liverpool. Die Bedeutung des Spiels gegen Leicester wird alleine beim Blick auf dieses Programm deutlich.

Liverpool will ein Signal senden, Leicester lauert

Ein Sieg am Donnerstagabend wäre ein Zeichen an die Konkurrenz, denn in den neun Heim-Spielen ist Leicester City noch ungeschlagen. Lediglich Wolverhampton und Norwich konnten einen Punkt aus dem King Power Stadium entführen. Die Probleme, die Liverpool im Hinspiel hatte, wurden bereits angedeutet und sollten Warnung genug sein.

Das Signal, das Liverpool senden könnte, ist immens. Gewinnt man trotz vieler Spiele in den Knochen, hoher mentaler Belastung und den Reisestrapazen der vergangenen Tage, dann würden die Reds mit einer noch breiteren Brust in die wichtigen nächsten Wochen gehen. Zudem würde Leicester auf 13 Punkte distanziert.

Der traditionelle Boxing-Day, ein Abendspiel unter Flutlicht und die derzeit besten Mannschaften der Premier League: Die Vorzeichen versprechen einen grandiosen Fussballabend. Einen Abend, an dem Klopp mit einem Sieg seiner Mannschaft dem Traum vom Titel näherkommen könnte - und Leicester City im Erfolgsfall zumindest die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Cinderella-Story erhöhen könnte.

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