• Originäre Frauenteams verschwinden aus der Bundesliga.
  • Aufmerksamkeit für bekannte Namen suggerieren Attraktivität.
  • Entwicklung bringt nicht nur Vorteile mit sich.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzung des Autors einfliesst. Hier finden Sie Informationen über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Der Frauenfussball hat sich in vielen Teilen der Welt in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Die Aufmerksamkeit für die Wettbewerbe steigt, nicht zuletzt durch mehr Übertragungen und grosse Spiele, die auch in grossen Stadien ausgetragen werden. Ein ausverkauftes Camp Nou bei einem Spiel der Frauen zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ist ein Zeichen.

Auch in Deutschland ist eine Entwicklung nicht von der Hand zu weisen. Immer mehr Namen, die aus der Bundesliga der Herren bekannt sind, spielen in der Frauen-Bundesliga. Grosse Fussballklubs sind dem Trend in den letzten Jahren gefolgt und haben ihre eigene Frauenfussballabteilung aufgebaut. Synergieeffekte entstehen, die Vorteile mit sich bringen. Aber nicht nur.

Frauenfussballabteilungen bei grossen Vereinen nehmen zu

Klubs wie der FC Bayern, der VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen haben schon seit geraumer Zeit ihre eigene Frauenfussballabteilung, der sie in den letzten Jahren sukzessive mehr Beachtung schenkten. Das blieb auch Borussia Dortmund und Schalke 04 nicht verborgen, die ebenfalls Frauenteams gründeten, die in der Kreisliga starteten und gleich erste Erfolge feiern konnten.

Zweifelsohne werden diese Teams nicht lange in den unteren Ligen verweilen. Die Vorteile, die Ableger von Herren-Bundesligavereinen haben, sind nicht von der Hand zu weisen. Grosse Namen locken, sowohl Zuschauer als auch Spielerinnen, dieser Mechanismus ist nur logisch. Mehr Interesse an den Spielen bedeutet im Regelfall auch mehr Einnahmen und je mehr Geld eingenommen wird, desto besser werden die Voraussetzungen für sportlichen Erfolg.

Frauenteams grösserer Klubs: Einige Vorteile nur theoretisch

Dass ein Frauenteam wie Borussia Dortmund in der Kreisliga rund 1.000 Zuschauer beherbergt, ist aber noch längst nicht alles. Die Synergieeffekte sind in vielen Bereichen spürbar. Ist ein Frauenteam bei einem grösseren Klub eingebettet, herrschen in der Regel gute Strukturen, von denen profitiert werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Herrenabteilung mit ihrer deutlich grösseren Reichweite durch Kampagnen in den sozialen Medien dazu aufruft, die Spiele der Frauenabteilung zu besuchen.

Doch funktioniert das wirklich? Ausverkaufte Spiele in der Bundesliga der Frauen gab es zuletzt keine. Auch das Endspiel im DFB-Pokal, traditionell in Köln ausgetragen, war noch nie ausverkauft. Nur drei Teams in der Bundesliga kommen auf einen Zuschauerschnitt von über 1.000 Fans pro Partie und eines dieser Teams ist mit Turbine Potsdam auch noch ein klassischer Frauenverein. Dass grosse Namen automatisch viele Interessenten locken, ist also ein Trugschluss. Daraus ergibt sich auch automatisch schon ein grosser Nachteil, denn die Gefahr, nicht mit der gleichen Akribie an der Entwicklung zu feilen, besteht definitiv. Was bei den Herren funktioniert, muss bei den Damen nicht ebenso erfolgreich sein.

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Die klassischen Vereine verschwinden immer mehr

Neben Turbine Potsdam befindet sich mit der SGS Essen nur noch ein weiterer, reiner Frauenfussballklub in der Bundesliga. Die Entwicklung ist deutlich, in nicht einmal 15 Jahren hat sich das Gleichgewicht extrem verschoben. Statt acht sind nur noch zwei Vereine nicht aus der Herren-Bundesliga bekannt. Während die grossen Namen also nicht zwingend zu mehr Aufmerksamkeit führen, sind die reinen Frauenvereine im Vergleich benachteiligt.

Daran wird sich voraussichtlich auch nicht viel ändern. Die Klubs wissen, dass sich Spiele wie Bayern München gegen Borussia Dortmund, was in einigen Jahren auch bei den Frauen so ausgetragen werden kann, besser vermarkten lassen als Turbine Potsdam gegen die SGS Essen. Gleichzeitig sind die Namen nur ein Hebel, um andere Dinge in Bewegung zu setzen. Die positive Entwicklung des Frauenfussballs in allen Ehren, zu glauben, dass Barcelona und Real Madrid so viele Fans in das Stadion lockte, nur ob des Namens, wäre falsch. Hier wird einfach auch sehr attraktiver Fussball gespielt.

Im Endeffekt sorgt eine Frauen-Bundesliga, die fast ausschliesslich mit grossen Namen aus dem Herrenbereich ausgestattet ist, sicher für positive Effekte auf die Vermarktung. Darunter leiden aber reine Frauenklubs, die alleine infrastrukturell andere Voraussetzungen haben. Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, ob der grosse Name eines Herren-Bundesligisten die Frauenabteilung ab einem gewissen Punkt an ihrem Wachstum hindern könnte. In den kommenden Jahren wird sich diese Entwicklung noch deutlicher vollziehen, spätestens dann ist man in dieser Sache noch schlauer.

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Verwendete Quellen:

  • Süddeutsche: Fussballerinnen bei grossen deutschen Klubs – Es fehlt die Luft zum Atmen
  • Kicker: Zuschauerschnitt Frauen Bundesliga
  • UEFA: Champions League der Frauen – Klubs
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