• Das DFB-Team hat sich am Montag als erste Nation weltweit für die WM 2022 in Katar qualifiziert.
  • Der vorzeitige Sieg der Qualifikationsgruppe sollte aber nicht überbewertet werden, meint unser Kolumnist Olaf Thon.
  • Der deutsche Weltmeister von 1990 spricht sich zudem für einen Zweitligaspieler aus.
Olaf Thon
Eine Kolumne
von Olaf Thon
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Den Gruppensieg und die erfolgreiche WM-Qualifikation dürfen wir nicht überbewerten. Die Gruppengegner waren zu schwach. Das deutsche Team hat sich das Leben in den ersten Spielen unter Ex-Bundestrainer Jogi Löw selbst schwer gemacht, dann haben wir gesehen: Wenn frischer Wind reinkommt, haben wir die Klasse, uns durchzusetzen.

Nachdem Hansi Flick das Ruder übernommen hat - was überfällig war -, hat man gesehen, was ein einzelner Trainer mit einem neuen Team, mit einer neuen Philosophie, mit vielen jungen Talenten, die dazugekommen sind, und erfahrenen Spielern wie Thomas Müller, erreichen kann. Das passt einfach! Ich hätte nicht gedacht, dass es Flick in so kurzer Zeit gelingt, erfolgreich Fussball spielen zu lassen und einzelne Spieler zurück zu ihrer Form zu bringen.

Flick hat hinten die Leute wieder stark gemacht, vor allem Niklas Süle. Jetzt sieht man, wie gut der ist. Und auch die Spieler, die zuletzt unter Druck standen: Leroy Sané und Timo Werner, der beim 4:0-Sieg am Montagabend gegen Nordmazedonien zwei traumhafte Tore geschossen hat, zeigen wieder, was sie können.

Das DFB-Team ist gut aufgestellt mit einem wiedererstarkten Abwehrbollwerk um die jungen Wilden wie David Raum oder Jamal Musiala, mit einer super Mittelfeldzentrale um Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Hinten wird sich die Frage stellen, ob es Mats Hummels überhaupt noch in den Kader schafft.

Doch andere Nationen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Deutschland: Sie haben einen Knipser vorne drin. Der fehlende Stossstürmer ist die einzige Schwachstelle im deutschen Team.

Deswegen kam auch der Name Simon Terodde auf, Stossstürmer aus der 2. Bundesliga. Es würde mich nicht überraschen, wenn Flick über ihn nachdenkt - ob man nicht einen solchen Spieler in einem grossen Kader mitnehmen kann. Ich halte das auf jeden Fall für bedenkenswert.

Wer kontinuierlich Torschützenkönig in der 2. Bundesliga wird, hat das Näschen, richtig im Strafraum zu stehen – so einen Spieler muss man immer in seinem Kader haben. Das war schon 1986 in Mexiko mit Dieter Hoeness der Fall. Wir brauchen einen grossen Stürmer, der den Ball halten und Kopfballtore erzielen kann. Das deutsche Team ist auch – im Vergleich zu anderen Top-Nationen – nicht so stark bei Standardsituationen. Da würde ein Spielertyp wie Terodde auch wichtig sein.

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Protokoll von Malte Schindel

Joachim Löw, Mats Hummels, Training, Nationalmannschaft, Nations League, Stade de France, Paris
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