Am Freitag gilt's für den FC Bayern. Nach wochenlanger Vorbereitung und quälenden Transferdiskussionen starten die Münchner gegen Hertha in die neue Bundesliga-Saison. Für Niko Kovac gilt es dann, einige schwere Entscheidungen zu treffen.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Obwohl der Münchner Kader immer noch als zu klein gilt und Neuzugang Ivan Perisic das Spiel wegen einer Sperre verpasst, hat Bayern-Coach Niko Kovac am Freitag auf mehreren Positionen die Qual der Wahl.

Unser Blick auf die mögliche Aufstellung und die wichtigsten Duelle um einen Platz in der Startelf:

Formation: 4-3-3 oder 4-2-3-1?

Die erste Entscheidung, die Kovac treffen muss, betrifft die Formation, nachdem der Bayern-Coach im Verlauf der Vorsaison das präferierte 4-3-3 zu einem 4-2-3-1 umformte, um vor allem stabiler gegen Konter zu verteidigen. In der Vorbereitung setze Kovac nun wiederum häufig auf ein 4-3-3.

Weil Thiago hier als alleiniger Sechser gegen Dortmund zu oft allein gelassen wurde, begann die Diskussion von neuem. Alles andere als das zuletzt regelmässig erprobte 4-3-3 zum Auftakt wäre jedoch eine Überraschung. Zumal der logische zweite Sechser Javi Martínez zur Zeit verletzt fehlt.

Tor: Manuel Neuer

Neuer will im Herbst seiner Karriere noch einmal richtig angreifen. Das ist auf allen Ebenen zu spüren. Sein Berater fordert Neuzugänge, Neuer selbst wirkt fokussiert und motiviert wie lange nicht. Der Kapitän ist natürlich im Tor gesetzt.

Abwehr: Boateng oder Pavard?

Auf den Aussenpositionen der Viererkette ist alles klar. Joshua Kimmich und David Alaba sind für den Auftakt gegen die Hertha gesetzt. Auch wenn Kimmich immer mal wieder mit einem Wechsel in die Mittelfeldzentrale liebäugelte, ist er mit seinem druckvollen Offensivspiel auf der rechten Aussenbahn zu wichtig für das Münchner Spiel.

Alaba hat eine starke Saison hinter sich und wird dort anknüpfen wollen.

Spannender wird es in der Abwehrzentrale. Für 80-Millionen-Mann Lucas Hernandez kommt ein Startelf-Einsatz noch zu früh. Dass er im Pokal gegen Cottbus zumindest eingewechselt werden konnte, ist jedoch ein gutes Zeichen.

Niklas Süle geht als Stammspieler in die Saison. Der Platz neben ihm ist umkämpft. Jerome Boateng, der eigentlich schon abgeschrieben war, überzeugte in der Vorbereitung mit starkem Aufbauspiel und vielen gewonnen Zweikämpfen.

Gegen Cottbus durfte jedoch Weltmeister Benjamin Pavard von Anfang an ran und machte seine Sache sehr solide. Er strahlt mehr Ruhe aus als Boateng. In der Spieleröffnung ist Boateng risikofreudiger und damit wertvoller.

Beide trennt von der Form nicht viel, doch Boateng dürfte nach den Eindrücken der Vorbereitung knapp die Nase vorn haben.

Mittelfeld: Wer hilft Thiago?

Im Mittelfeld hat Kovac die meisten Möglichkeiten. Gesucht werden die passenden Partner für Thiago in der Mittelfeldzentrale. Die Bayern probierten es hier in den letzten Wochen mit den unterschiedlichsten Kombinationen. Goretzka, Tolisso, Sanches und Müller heissen die Kandidaten für die beiden Plätze neben dem spanischen Edeltechniker.

Müller muss fast hoffen, dass Kovac eher auf ein 4-2-3-1 setzt, denn dann würde die zentrale Position hinter Lewandowski für den Deutschen frei. Auf dem Flügel sind Coman und Gnabry derzeit deutlich besser. Auf der Acht hat er deutlich weniger Erfahrung.

Klar ist: Kovac schätzt Tolissos robuste Spielweise, die Thiagos Spiel gut ergänzt. Seine Leistungen in den Testspielen waren aber nur selten überzeugend. Sanches darf als Gewinner der Vorbereitung gelten und gefiel gegen Cottbus mit einer seiner besten Vorstellungen im Bayern-Trikot.

Ein Startelf-Einsatz käme dennoch etwas überraschend für den häufig glücklosen Portugiesen. Goretzka und Tolisso sind sich von der Spielweise eigentlich zu ähnlich, um gemeinsam aufzulaufen. Hier muss Kovac also eine richtig schwierige Entscheidung treffen.

Angriff: Lewandowski oder nix, was ist mit Müller?

Der polnische Nationalheld bleibt der Torgarant der Münchner. Auch wenn er inzwischen selbst nachdrücklich einen Backup fordert, ist Lewandowski nach wie vor recht allein auf weiter Flur. Neuzugang Arp ist aktuell höchstens als Joker ein Thema. Lewandowski wird weiter Lücken in der gegnerischen Defensive suchen und Fixpunkt im Strafraum sein.

Neben ihm müssten von der derzeitigen Form her Coman und Gnabry starten. Müller spielte zuletzt wechselhaft. Vor allem auf dem Flügel ging meistens wenig. Gegen Cottbus im Pokal war Müller am Montag ganz schwach auf dem rechten Flügel.

Ein Argument für Müller: Gnabry ist auch als Joker sehr torgefährlich und braucht wenig Anlaufzeit. Denkbar, dass Kovac diese Option von der Bank haben möchte.

Sieben von elf Startelfplätzen sind vor dem Auftakt also ziemlich fest vergeben. Die Hertha unter dem neuen Trainer Ante Covic ist schwerer ausrechenbar als in der Vergangenheit. Kovac wird sich daran jedoch nicht orientieren, sondern auf die eigenen Stärken bauen. Ein paar knifflige Entscheidungen muss er trotzdem bis Freitag-Abend fällen.

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