Carlos Alcaraz krönt sich zum König von Wimbledon und beendet damit eine 20 Jahre andauernde Serie an der Church Road. Der Spanier vereint "das Beste aus drei Welten" und könnte nun der neue Tennis-Dominator werden.

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Der 16. Juli 2023 wird in die Tennis-Geschichte eingehen – aus mehreren Gründen. Der unwichtigste zuerst: Roger Federer bleibt (vorerst) der alleinige Wimbledon-Rekordsieger mit acht Titeln. Die Ursache hierfür liegt in Grund Nummer zwei: Erstmals seit zehn (!) Jahren verlor Novak Djokovic wieder ein Match auf dem Center Court des All England Tennis Clubs an der Church Road in London. 6:1, 6:7, 1:6, 6:3 und 4:6 zeigte die Ergebnistafel am Ende des zweitlängsten Wimbledon-Finales aus Sicht des "Djokers", der dem 20-jährigen Spanier Carlos Alcaraz unterlag.

Für Djokovic bleibt der Titelzähler auf dem heiligen Rasen des Tennis-Sports bei sieben stehen, während Alcaraz, nach den US Open 2022, seinen zweiten und wohl bislang bedeutsamsten Grand-Slam-Titel erreichen konnte.

Alcaraz schlägt Djokovic in Tiebreak

In einem hochklassigen Match lieferten sich die beiden Kontrahenten, die 16 Jahre Altersunterschied trennen, einen packenden Schlagabtausch. Im ersten Satz deutete noch wenig darauf hin, schliesslich brauchte der 23-malige Grand-Slam-Sieger Djokovic gerade einmal eine gute halbe Stunde, um diesen zu gewinnen.

Erste Erinnerungen an das Duell im Halbfinale der French Open vor wenigen Wochen wurden wieder geweckt. Von Krämpfen geplagt war Alcaraz letztlich chancenlos am Tennis-Monument Djokovic gescheitert. Aber London ist nicht Paris, was nicht nur aus geografischer Sicht eine richtige Feststellung ist, sondern auch für den Spanier galt. Er steigerte sich von da an deutlich und konnte im zweiten Satz sogar einen Tiebreak zum Satzgewinn nutzen. In dieser Disziplin ist sein serbischer Kontrahent normalerweise unschlagbar, weil Djokovic in diesen Momenten noch einmal einen Extra-Gang zu besitzen scheint.

Aber Alcaraz trotzte diesem Umstand und so wuchs seine Selbstsicherheit mit jedem Punkt in Richtung Satzgewinn. Zusätzlich feuerte das Londoner Publikum ihn über die gesamte Partie deutlich intensiver an als seinen Rivalen auf der anderen Netzseite.

Djokovic schlägt Netzpfosten in Finale gegen Alcaraz

Im dritten Satz zeigte Alcaraz dann sein Spiel mit Athletik, krachenden Vorhänden und – für einen 20-Jährigen – beeindruckender Abgeklärtheit. Der Titel schien bereits greifbar nah, doch Djokovic zwang seinen Kontrahenten in den entscheidenden fünften Satz. Vor dessen Beginn waren bereits vier Stunden gespielt, mit teilweise unglaublichen Ballwechseln. Im finalen Showdown nahm Alcaraz seinem Gegner früh den Aufschlag ab, Djokovic liess seinen Frust zwischenzeitlich am Netzpfosten aus und doch war es nach vier Stunden und 42 Minuten für den Spanier vollbracht. Ungläubig sank er auf den Rasen des Center-Courts nieder und vergrub sein Gesicht in den Händen.

Waren die Zuschauer auf den Rängen und an den TV-Bildschirmen in diesem Moment Zeuge einer Wachablösung im Tennis geworden? Zweifelsfrei lässt sich das noch nicht sagen, aber es gibt ein Indiz. Erstmals seit 2003 steht bei den Männern in Wimbledon am Ende ein Sieger fest, der nicht Federer, Nadal, Djokovic oder Murray heisst.

Alcaraz? "Das Beste aus drei Welten vereint"

"Er ist der Beste der Welt. Die Menschen sagen, dass sein Spiel aus gewissen Elementen von Roger (Federer), Rafa (Nadal) und mir besteht. Dem würde ich zustimmen", adelte Finalverlierer Djokovic den jungen Spanier nach der Partie. "Er hat das Beste aus den drei Welten vereint. Ich habe noch nie gegen einen solchen Spieler wie ihn gespielt."

Alcaraz hatte zuvor auf dem Platz mit einem Lächeln eingeräumt, dass Djokovic bereits Titel gewonnen habe, als er mit dem Tennisspielen angefangen habe und der Serbe somit eines seiner Vorbilder gewesen sei. Ein Video aus dem Jahr 2012 tauchte nach Alcaraz' Triumph in den sozialen Medien auf und verriet in dieser Hinsicht weitere Details. Dort spricht der kleine Carlos über den Traum vom Titelgewinn in Paris und Wimbledon sowie sein Idol Federer.

Es gibt wahrlich schlechtere Idole für den eigenen Weg in Richtung Tennis-Olymp. Der jüngste Weltranglisten-Erste in der Geschichte des Herren-Tennis könnte nun aber selbst zu einem solchen werden, wie es die "Big 3" über knapp 20 Jahre für den Tennis-Sport und darüber hinaus waren. Der Sieg über Djokovic war ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg in diese Richtung. Denn er hat ein Grand-Slam-Finale gegen einen der besten Spieler aller Zeiten für sich entscheiden können.

So bleibt festzuhalten: Bislang verlief Alacaraz' Karriere im Profi-Bereich beinahe wie ein Traum, abgesehen von einigen Muskelverletzungen und den Krämpfen in Paris. Der Weg scheint bereitet für ein neues Tennis-Zeitalter mit einem spanischen Ausnahmekönner aus Murcia als Hauptattraktion. Es sprechen mehrere Gründe dafür.

Verwendete Quellen:

  • Sky: Übertragung Finale Wimbledon Carlos Alcaraz – Novak Djokovic (15.7.2023)
  • Twitter.com: Tennis Legend
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