Auf dem Papier las sich die aktuelle Dschungelcamp-Besetzung gar nicht so verkehrt: ein Ex-Bundesminister, eine Reality-TV-Star-Witwe und ein Kuppel-Show-Sternchen mit Krawall-Image. Damit kann man arbeiten, wird sich der Mann vom Schnitt gedacht haben. Doch zur Halbzeit sind die Trash-TV-Kandidaten aus dem Dschungel noch ein bisschen in der Bringschuld.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Im Grunde ist es ein Dschungelcamp wie jedes andere: Zwei Handvoll leidlich Prominenter stellt mit Blick auf das eigene Bankkonto und/oder auf die eigene Karriere fest, dass es wohl Zeit für einen Auftritt im Dschungelcamp ist. Und da RTL mit Blick auf Zuschauerzahlen und Werbeeinnahmen derselben Meinung ist, trifft man sich eben zum fröhlichen Tiergenitalienessen in Down Under.

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Doch in diesem Jahr ist eben nicht alles wie sonst, denn Australien brennt. Millionen Hektar Land sind verbrannt, Millionen Tiere sind gestorben, Dutzende Menschen tot oder verletzt und die Brände haben bereits mehr CO2-Emmissionen verursacht, als die australische Wirtschaft in einem halben Jahr ausstösst.

Da darf man durchaus einmal fragen, wie angebracht es ist, eine Show wie "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" in einem so gebeutelten Land stattfinden zu lassen. RTL hat sich das auch gefragt und die Antwort lautet: durchaus angebracht.

Sonja Zietlow jedenfalls hat gleich in der ersten Folge rhetorisch schnippisch gefragt: "Sollten wir betroffener sein, als die Betroffenen?" und darauf verwiesen, dass die australische Version des Dschungelcamps ja auch erfolgreich im TV laufe. Diskussion beendet.

Jeder Dschungelcamper soll zur maximalen Eskalation betragen können

Das ist als Argumentation natürlich maximal dürftig, zumal die australische Version wie viele andere auch in Südafrika und nicht in Australien aufgezeichnet wird. Den Grossteil der Fernsehzuschauer scheinen die Brände ebenfalls nicht zu stören, die Quoten unterscheiden sich jedenfalls nicht deutlich von denen anderer Staffeln, im Gegenteil.

Und da sich auch die Kandidaten durch die Lage in Australien nicht von einer Teilnahme haben abschrecken lassen, ist auch die 14. Staffel dann doch wieder eine wie jede andere auch. RTL hat auch in diesem Jahr wieder darauf geachtet, dass es eine Truppe wird, bei der jeder Teilnehmer in seiner eigenen Rolle zur maximalen Eskalation beitragen kann, den Rest erledigt der Mann vom Schnitt.

Nicht viel zu dieser Eskalation beitragen konnte der ehemalige Verkehrsminister Günther Krause. Ihn zog das medizinische Personal schon an Tag zwei aus gesundheitlichen Gründen aus dem Verkehr. So bleibt von Günther Krause nur in Erinnerung, wie frei man doch die englische Sprache interpretieren kann und sein Wissen über Schlangen: "Wenn es dunkel wird, sind wir strategisch im Nachteil."

Ebenfalls nur in schwacher Erinnerung werden Marco Cerullo und Toni Trips bleiben, was beide dennoch bei Kenntnisnahme ihrer Hinauswahl sichtlich überraschte. Marco Cerullo fiel im Camp vor allem durch seine Sorge auf, sein Handy für seine Freundin frei zugänglich zurückgelassen zu haben und Toni Trips machte sich anschliessend selbst auf Spurensuche: "Vielleicht war ich zu langweilig für die Leute, ich hab' keine Ahnung."

Diesbezüglich war es eine gute Entscheidung, Elena Miras mit ins Camp genommen zu haben, zumindest auf dem Papier. Nach dem "Sommerhaus der Stars", als Elena Miras zeigte, dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt, war die Schweizerin eigentlich die Idealbesetzung für die Rolle der Spontaneskalateurin.

Prince Damien auf dem Weg zur Dschungelkrone?

Natürlich hat sie sich diesen Ruf nicht alleine erarbeitet. Der Schnitt leistet ja einen nicht unerheblich Beitrag, wie man als Kandidat so beim Zuschauer ankommt. Dennoch sieht man Elena im Dschungelcamp deutlich weniger als personifizierten Fehdehandschuh durchs Dschungelcamp laufen. Stattdessen ist die Schweizerin im Camp emotional höchst vielfältig unterwegs.

Da wundert es nicht, dass das von Trash-TV-Fans erhoffte Giganten-Duell zwischen Elena und Danni Büchner nicht so recht Fahrt aufnehmen will. Der Witwe von "Mallorca-Jens" haben die Herrschaften aus dem Schnittraum einen überdurchschnittlichen Wort-Anteil eingeräumt und mit ihr zusammen an ihrem Image als dauernörgelnde Selbstdarstellerin gearbeitet.

Das schreit natürlich nach der Bildung einer Camp-Opposition, aber abgesehen von einigen kleinen Anfragen blieben ein Untersuchungsausschuss oder gar ein Misstrauensantrag bisher aus. Dennoch wäre es aus dramaturgischer Sicht tödlich für die Show, würden die Zuschauer eine der beiden hinaus wählen, denn vom Rest der Truppe kommt diesbezüglich eher wenig.

Richter, Reinecke, Avilova, Kirchberger und Norberg sind Trash-TV-Totalausfälle

Raúl Richter, Markus Reinecke, Anastasiya Avilova, Sonja Kirchberger und Claudia Norberg sind bislang Trash-TV-Totalausfälle und auch Sven Ottke hat seine wilde Vergangenheit ("Ich bin auch aus dem Kindergarten rausgeflogen") offenbar längst hinter sich gelassen. Prince Damien macht sich derweil im Hintergrund mit seiner "Der will doch nur spielen"-Attitude für die Dschungel-Krone bereit.

Wenn sich Elena Miras und Danni Büchner also nicht bald ein bisschen am Riemen reissen und noch ein wenig aufdrehen, wird wohl auch Ausgabe 14 als ganz normale Dschungelcamp-Staffel in die TV-Geschichte eingehen – würde Australien nicht immer noch brennen.

Dschungelcamp 2020: So viel kassieren die Stars ab

Die Dschungelcamper harren wieder im australischen Regenwald aus. Neben Dschungelprüfungen, Streitereien und Raufereien ist die Frage immer mit am interessantesten: Was bekommen die "Stars" eigentlich für ihren Regenwaldaufenthalt? Die "Bild" will nun in Erfahrung gebracht haben: Diese Kandidatin kassiert am meisten. © ProSiebenSat.1