Dass der Zarrella Giovanni ein Fan vom Jackson Michael ist, ist ja nachvollziehbar. Aber muss er deswegen in seiner "Die Giovianni Zarrella"-Show gleich ein "King of Pop"-Medley singen? Lassen die Leute beim ZDF dann beim nächsten "James Brown"-Jubiläum oder "Jimi Hendrix"-Cover den Roberto Blanco antanzen, oder wie? Was am Samstagabend auch noch war: Jetzt ist die Kelly Family eh nur zu fünft oder sechst beim Italiener in der Show gewesen, und trotzdem vergisst sie beinhart die Maite in der Garderobe. Dass die dann später noch alleine auftreten durfte, muss man dem Zarrella "Schowaani", wie die Sheer Ireen immer sagt, schon hoch anrechnen.

Eine Satire
Diese Satire stellt die Sicht von Robert Penz dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Ja vaffanculo, jetzt macht der Giovanni Zarrella schon seine fünfte "Die Giovanni Zarrella Show" im ZDF. Was wären wir ohne den Italiener? Wir würden die Carpendale Howards, die Family Kelly, die Kaiser Rolande, die Berg Andreas und wie sie alle heissen ja praktisch nie zu Gesicht bekommen.

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Allein Kerstin Ott hat man vor der neuen Show vom Italiener sicher schon drölfkommasechs Stunden nicht mehr gesehen. Das geht so nicht! Und weil das so nicht geht, hat der Italiener am Samstagabend wieder zahlreiche Gäste begrüsst. Und das im schönen Offenburg. Ein Minutenprotokoll.

Die fünfte "Giovanni Zarrella Show"

20:15 Uhr: Der Zarrella Giovanni kommt in einem weinroten Anzug sowie mit vier voluptuös anmutenden Tänzerinnen mit wallendem Haar auf die Bühne. Er übersetzt zunächst den "Paul Anka"-Song "I love you Baby" ins Italienische und singt dann "Ich würd’s wieder tun", wobei irgendwie nicht deutlich herauskommt, was er wieder tun würde, wobei man schon sagen muss, dass man oft nicht alles versteht, wenn man Chips isst. Vermutlich, weil das Knuspergeräusch im Mund so nah an den Ohren ist, während der Fernseher ja doch ein paar Meter entfernt steht. Da könnte die Wissenschaft echt mal genauer drüber nachdenken. Wissenschaft ist ja überhaupt extrem grossartig.

20:22 Uhr: "Ganz schön heiss hier, oder? Ist euch auch so heiss?", will der Italiener gleich zu Beginn von uns wissen. Nein, hier ist überhaupt niemandem heiss, aber viele werden von den salzigen Chips extrem durstig sein, was man dem Fragenden aber ob der Tatsache, dass man im Wohnzimmer sitzt, irgendwie schlecht mitteilen kann.

20:24 Uhr: Der Zucker Ben kommt mit pinken Sneakers auf die Bühne. Er hat sich ein Stück "Münchner Freiheit" genommen und singt "Das, was ich will, bist du". Wie immer versucht er sich und seine Reibeisenstimme noch einmal zu toppen, also noch reibeisenstimmiger als beim letzten Mal zu singen, was ihm auch wirklich gut gelingt, aber inzwischen so übertrieben klingt, als würde er die Rolle des Reibeisens "Benny" in einem Disneyfilm mit sprechenden Küchengeräten synchronisieren oder ihm gleich alles, was er heute schon gegessen hat, aus dem Gesicht fallen.

20:30 Uhr: Andrea Berg stakst in einem knallgelben Regenmantel auf die Bühne, wo sie zunächst unter einer Laterne stehenbleibt – ein Bild, das fünf bis acht Zusehern vor den Fernsehgeräten total feuchte Augen beschert. Vier Tänzer führen die Mittfünfzigerin im Regenmantel auf der Bühne herum, obwohl es in keiner Weise regnet und auch gar nicht gut aussieht. Aber bitte, wenn sich die Berg Andrea einen Regenmantel einbildet, dann bekommt sie auch einen Regenmantel. Die Regenbemantelte singt "Viel zu schön, um wahr zu sein". Darin heisst es unter anderem: "Die Sinne schreien hurra, ich fühl' mich wunderbar". Erkenntnis: Der Regenmantel ist gar nicht das Schlimmste.

20:34 Uhr: "Ich kann heute nicht verloren gehen, ich leuchte", bringt die Berg Andrea im anschliessenden Interview mit dem Zarrella Giovanni gleich einen Hammergag zu ihrer Leuchtstift-Regenhaut. "Ich kannte den Titel ehrlich gesagt noch gar nicht. Darf ich sagen, dass ich seit heute einen neuen Lieblingssong von dir habe?", beginnt der Italiener zu schleimen, worauf die Berg Andrea gar nicht so recht eingeht. "Gerade in einer Zeit, in der alles unsicher ist, muss man sich auch mal schütteln", sagt sie. Zudem finde sie, dass ihr Song jeden einzelnen Augenblick feiert. "Ich weiss, wie ehrlich du das meinst", antwortet der Italiener, der die Berg Andrea aber ziemlich sicher auch nicht verstanden hat. Zum Glück waren bei dem Gespräch die Chips stellenweise wieder sehr laut.

20:38 Uhr: "Santiano" und der Nathan Evans singen den Track "Santiano". Das ist natürlich ein bisschen verwirrend, weil der Song nicht "Santiano & Nathan Evans" heisst, aber der Evans Nathan scheint darüber gar nicht sonderlich angefressen zu sein. Im Gegenteil: Gut gelaunt trällert er über "Volle Fahrt", "Segel hoch" und den "drehenden Wind im Abendrot". Dass das Befahren von Ozeanen und Meeren mit Schiffen und Booten auch in der Musik einen Platz hat, ist äusserst wichtig.

20:45 Uhr: Der Zarrella Giovanni lässt uns wissen, dass die Gruppe PUR ihren Auftritt in seiner Show absagen musste, weil die Katze vom Hartmut Engler, dem Sänger, ihn kürzlich am Auge erwischt hat. Kein Scherz! Dem Engler Hartmut an dieser Stelle eine gute Besserung und vielleicht noch etwas Persönliches: Super, dass du dir schon vor Jahren deine Mähne hinten absägen hast lassen. Hat wirklich exorbitant elend ausgesehen.

Backstreet Boys auf Italienisch

20:46 Uhr: Der Zarrella Giovanni singt mit vier Tänzerinnen in tannengrünen Kleidern den "Backstreet Boys"-Song "Quit playing Games with my Heart". Auf Italienisch natürlich. Eine Katze, die einem ins Aug springt, wär' jetzt eigentlich total okay.

20:56 Uhr: Der Peter Maffay, der alte rumänische Rocker, kommt mit irgendeiner Frau auf die Bühne und singt den kritischen Song "Königreich der Liebe", der uns allen bestätigt, dass wir an einem Ort leben, an dem das Wesentliche oft fehlt. Er und die Frau nehmen, nachdem sie uns auch noch vorgesungen haben, dass wir ein "Königreich mit Liebe auf dem Thron" bauen sollen, auf der Couch des Italieners Platz, wo Maffay dann "Unsere Geschichte geht gut aus. Und ich hoffe, unser aller Geschichte wird gut ausgehen" sagt.

21:11 Uhr: Die aus London stammende Boygroup "Blue" schiebt sich auf die Bühne und feiert dort ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. Einigen jungen Frauen im Publikum fallen ob der enormen Zuneigung, die sie verspüren, aber die leider nicht erwidert wird, plötzlich sämtliche Fingernägel, Wimpern und Oberschenkel ab, während ihre Männer die fünf Minuten nutzen, um nach all den Bieren endlich ihre Blase leeren zu können. Die Mannen von "Blue" haben sich im Studio sicher bemüht und alles, ihr Song ist aber trotzdem nicht gut geworden. Laut dem Zarrella Giovanni hätten sie die Dancemoves aber immer noch drauf. Wirklich gut war aber nur der Smalltalk zwischen dem Italiener und den Engländern: "Wie sehr habt ihr Deutschland vermisst?" "Wir haben Deutschland sehr vermisst!"

21:17 Uhr: "Blue" und der Zarrella Giovanni singen "total spontan" den "Blue"-Track "Breathe easy", wobei der Host für seinen Part wieder seine Muttersprache bemüht. Da das alles völlig daneben klingt, dürften die fünf Komiker wirklich live singen.

21:23 Uhr: Die Sheer Ireen, taucht jetzt im silbernen Glitzerkleid auf und singt ein Medley ihrer grössten Hits. Warum sich die 73-Jährige das alles heute noch antut, versteht keine Sau. Ah, sie wolle ohnedies in Bälde ihren Ruhestand antreten, flüstert sie jetzt dem Italiener, den sie dauernd "Schowaani" nennt, dann eh auf der Interviewcouch zu. "Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören", sagt Ireen Sheer, die einem plötzlich leid tut. Wenn’s im Alter von 73 Jahren am schönsten ist, kann die Karriere nicht sonderlich cool gewesen sein.

Die Kelly Family featuring Ronan Keating

21:33 Uhr: Ein paar Mitglieder der Kelly Family und der Ronan Keating fluten jetzt die Stage und singen den Song "Grateful". Einer der Kelly-Brüder lacht dabei unentwegt und freut sich offenbar extrem über die Kollabo mit dem Keating Ronan, der einen weissen Anzug trägt und ein bisschen Angst zu haben scheint, dass einer der Kellys einen Fleck auf den Anzug macht. Hihi, haha! Nein, nur ein schlechter Gag aus den 90ern. Der Keating Ronan hat sicher überhaupt keine Angst, weil die Familie Kelly ist und war natürlich nie dirty. Danach redet diese auf der Zarrella-Couch über ihre Kollabo mit dem Ex-"Boyzone"-Sänger. Sie streuen einander Rosen und blasen sich Zucker in die Ärsche. "Giovanni, du bist eine Legende", sagt der Keating Ronan, der offenbar schon hackedicht ist, zum Zarrella Schowaani.

21:40 Uhr: Da nächste Duett: Die Berg Andrea und die Ott Kerstin, die unterschiedlicher nicht sein könnten, offerieren den Track "Was auch immer passiert". Während die Berg ihre Stellen im ledernen schwarzen Ganzkörperanzug trällert, singt die Ott Kerstin in einer knallroten Blouson-Jacke. "Sehr schöner Titel", lügt der Italiener danach. Kann man nicht auch mal ganz ehrlich irgendwas à la "Ihr habt euch hundertpro im Studio bemüht, aber der Song ist trotzdem echt beschissen geworden", sagen? Nein, kann man offenbar nicht. Die Berg Andrea erzählt dann, wie es zu diesem Titel gekommen ist. Die Kerstin und deren Frau seien nämlich bei ihr zu Gast gewesen und hätten dabei über Kinder, Haustiere und Katzen streicheln gesprochen. Und dass das ja die Essenz im Leben sei. An dieser Stelle wäre eine Diskussion mit dem Engler Hartmut cool gewesen.

21:47 Uhr: Weil die "Kelly Family" zuvor eine der Schwestern im Backstage-Bereich beinhart vergessen hat, darf die Maite Kelly – ein echt schöner Zug vom Schowaani – jetzt trotzdem noch auf die Bühne. Isse Pfundskerl, der Italiener! Der Haken an der Sache: Der Zarrella Schowaani hat sich offenbar ausbedungen, mit der zuvor im Backstage-Bereich Vergessenen mitsingen zu dürfen, wofür man den Mafioso natürlich kritisieren muss, weil das wohl eine veritable Erpressung gewesen sein dürfte. Dass diese im Song "Keine Angst" mit keinem einzigen Wort erwähnt wird? Klar, weil der Titel natürlich lange vor der Tat geschrieben wurde. Isse doch Scheisskerl!

22:03 Uhr: Ah, der Johannes Oerding dreht sich auch schon mit dem Schlagerkarussell? Er performt "An guten Tagen". "So ein guter Typ", sagt der Zarrella Schowaani über seinen Kollegen.

22:08 Uhr: Der Italiener holt Sabine und Heinz, die vor mehr als 50 Jahren geheiratet haben, auf die Bühne. Ihre Enkelin Lea hat den Zarrella Schowaani extra ihretwegen kontaktiert. Sie sind seit 1970 verheiratet und seit 1956 zusammen. "Was macht diesen Mann so besonders?", will der Italiener von der Sabine wissen. "Der ist fleissig, lieb und lustig", sagt sie, während sie ganz besorgt ihren Heinz anschaut, der ein paar Tränchen wegblinzeln muss.

22:13 Uhr: Der Zarrella Schowaani singt für das Jubelpaar "O sole mio", obwohl die beiden weder in Italien geheiratet, noch sonst extrem viel mit dem Stiefel zu tun haben. "Ganz viel Amore für euch zwei", sagt er zu den beiden dann noch, bevor er ihnen Pizza serviert und ein weiteres Liedchen trällert, bei dem er immer wieder zum Tisch des Jubelpaares zurückkommt. "Da willste einfach nur ne Pizza fressen, dann wanzt sich der Zarrella an deine Frau ran", ist jemand in den sozialen Medien empört. Dass der Italiener immer wieder an einem Glas Rotwein nippt, um sich seine eigene Sendung schön zu saufen, ist auch nicht in Ordnung. Der Hundling soll gefälligst dazu stehen.

Zarrella singt ein Michael-Jackson-Medley

22:31 Uhr: Der Zarrella Schowaani macht jetzt das Jubiläum "40 Jahre Thriller von Michael Jackson" zum Thema und entweiht den "King of Pop", indem er ein "Best of Jackson Michael"-Medley darbietet. Das ist ungefähr so, wie wenn du anlässlich des sich zum 20. Mal jährenden Todestags vom James Brown dir den Roberto Blanco in die Show holst und dort "Sex Machine" und "It's a Man's Man's Man's World" singen lässt. Was man dem Zarrella Schowaani zudem auch mal sagen sollte, ist, dass ein paar zackige Bewegungen in den Moves noch lange nicht an den Jackson Michael erinnern. Viele Jacko-Fans haben jetzt das Bedürfnis, über die Fresse des Italieners ein bisschen moonzuwalken. Gewalt ist aber nie eine Lösung!

22:50 Uhr: Der Maffay Peter, der Zarrella Schowaani und der Oerding Johannes trällern eine reduzierte Version des "Karat"-Songs "Über sieben Brücken musst du gehen". Hätte der Italiener seinen Part auf Italienisch gesungen, hätte der Rumäne ihm vermutlich eine auf Rumänisch gedonnert. Aber der Jackson Michael für Schlagerfans hat sich eh nicht getraut und somit die Backpfeife, die ihn über mindestens sieben Brücken befördert hätte, vermieden. Gewalt wäre aber auch hier keine Lösung gewesen!

23:04 Uhr: Der Keating Ronan, der jetzt nicht mehr im weissen, sondern im schwarzen Anzug antanzt, singt seinen einstigen grossen Hit "Life is a Roller Coaster", der an sich ja schon relativ nervig ist, durch die italienischen Einspritzungen vom Zarrella Schowaani aber noch viel übler wird. Weil der Keating Ronan aber bereits im Vorfeld einen ganzen Packen Schmerzensgeld für den Horror bekommen und in der Zwischenzeit vermutlich weiter massiv dem Alkohol zugesprochen hat, schafft er es sogar, stellenweise zu lachen. Vielleicht muss er sich aber auch dauernd abhauen, weil er die ganze Zeit an den Zarrella Schowaani als Jackson Michael denken muss.

23:11 Uhr: Die Berg Andrea und die Ott Kerstin singen am Ende der grossen Schlagerchose noch den Titel "Geh doch, wenn du sie liebst", letztere dann auch noch ihre Tracks "Herzbewohner", "Nachts sind alle Katzen grau", "Wegen dir" und "Die immer lacht". Na ja!

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23:15 Uhr: Die Bühne zeigt sich jetzt in den Farben des Regenbogens. Alle Musiker des Abends kommen und singen gemeinsam mit der Ott Kerstin, die offenbar zum Schlagersuperstar aufgestiegen ist, den Song "Regenbogenfarben", während es Konfetti auf die Birnen der Schlagerstars regnet.

23:17 Uhr: "Vielen Dank, Offenburg! Es war wirklich einer der schönsten Abende überhaupt. Wir sehen uns wieder am 25. Februar im kommenden Jahr. Seien sie gut zueinander!", sagt der Zarrella Schowaani doch glatt, nachdem er uns gerade gute drei Stunden wie Sau gequält hat. Ein verdammt hartes Stück Abend.

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