• Beim Kracher zwischen den Bayern und Borussia Dortmund geht es nicht "nur" um drei Punkte und die deutsche Meisterschaft.
  • Es könnte auch zum vorerst letzten Showdown der beiden besten Torjäger der vergangenen Jahre kommen.

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Michael Zorc darf man getrost ein paar andere Perspektiven zugestehen als so ziemlich jedem anderen Angestellten von Borussia Dortmund. Seit 44 Jahren schiebt Zorc Dienst für den BVB, erst als Spieler, dann als Sportdirektor. Mit der Borussia hat er alle Höhen und Tiefen erlebt, vom Champions-League-Triumph als Kapitän bis zum Beinahe-Exitus des gesamten Klubs war da alles dabei. Wohl niemand wird von sich behaupten wollen, diesen Verein besser zu kennen als Zorc.

Am Donnerstag sprach der Noch-Sportchef mit der "Funke Mediengruppe" und versuchte sich an einer Einordnung der durchaus turbulenten Dortmunder Saison. Irgendwann kam Zorc auf die aus seiner Sicht deutlich überzogene Erwartungshaltung zu sprechen. "Für den zweiten Platz klopft dir keiner mehr auf dem Westenhellweg in Dortmund auf die Schulter", so der 59-Jährige. "Diese Stimmung ist eine Gefahr für den Klub und seine 800 Mitarbeiter. Wir müssen davon wegkommen, dass man als gescheitert gilt, wenn man nicht Meister wird."

Meister wird auch in dieser Saison ziemlich sicher wieder der FC Bayern und das dann zum zehnten Mal in Folge. Die Dominanz der Münchener hat sich in den vergangenen Jahren derart manifestiert, dass selbst die potenziellen Verfolger nur noch in geringsten Dosen an die eigene Chance auf den Titel glauben. Auch die Borussia. Und das wiederum kann auf Dauer keine Perspektive sein für einen Spieler wie Erling Haaland.

Haaland will mehr als "nur" Zweiter werden

Es steht zu vermuten, dass der Norweger nur noch ein paar Spiele für Borussia Dortmund absolvieren wird. Haaland steht vor einem Wechsel in eine noch spektakulärere Liga, verdient da noch ein paar Euro mehr und wird sich wohl einem Klub anschliessen, der mehr sein will und kann als die 1B seiner Liga.

Der BVB war das erhoffte Sprungbrett für Haaland, der in 85 Pflichtspielen sagenhafte 105 Scorerpunkte eingesammelt hat und im Schnitt auf fast ein Tor pro Partie kommt. Für den immer noch erst 21-Jährigen sind das fantastische Werte und sie sind bei Weitem besser als jene, die Robert Lewandowski in seiner Zeit in Dortmund erzielt hat.

Auch der nutzte die Borussia als Anschieber seiner Karriere, wechselte nach vier Jahren und einer überaus erfolgreichen Zeitz zu den Bayern - und wurde einfach nur noch erfolgreicher und irgendwann sogar zum besten Spieler der Welt.

Lewandowski hält die grossen Rekorde - Haaland stoppten die Verletzungen

Seit Haaland die Bundesliga im Sturm erobert hat, liefern sich Lewandowski und sein Herausforderer ein teilweise fesselndes Fernduell und stachelten sich zu immer neuen Spitzenleistungen an. Die vorzüglichen 27-Haaland-Tore - bei nur 28 Partien - der vergangenen Saison konterte Lewandowski, indem er Gerd Müllers vermeintlichen Jahrhundertrekord pulverisierte und bei 41 Toren landete.

Andererseits schiesst Haaland in der Bundesliga durchschnittlich alle 87 Minuten ein Tor, die historisch beste Quote unter allen Spielern mit mindestens 25 Treffern. Lewandowski steht bei einem Wert von 99 Minuten pro Tor. Und in dieser Saison, in der Haaland wegen diverser Verletzungen zehn Spiele weniger absolvieren konnte als sein Kontrahent, benötigt der Dortmunder nur 3,7 Torschüsse pro Treffer, Lewandowski dagegen 4,4.

"Bei beiden Stürmern kann man sagen, dass sie aufgrund ihrer Quoten ein absolut spielbestimmender Faktor in ihren Mannschaften sind", sagte BVB-Trainer Marco Rose auf der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. "Lewandowski ist über die letzten Jahre gesehen einer der besten Stürmer überhaupt, ein sehr komplettes Paket. Erling hat sich in dieser Saison noch einmal weiterentwickelt. Sein Kopfballspiel hat sich deutlich verbessert, mit seinem Speed ist er eine absolute Waffe im offensiven Umschaltspiel."

Rose: "Es passiert immer wieder, dass eine Ära vorbeigeht"

Nun könnte die Partie am Samstagabend das (vorerst) letzte Aufeinandertreffen der beiden Branden in der Bundesliga oder sogar überhaupt sein. Haaland steht vor dem Absprung aus Dortmund, auch Lewandowskis Zukunft bei den Bayern ist noch lange nicht geregelt. Pikanterweise zeigte sich der Pole immer wieder ein wenig kratzbürstig, wenn es ein paar Gerüchte um einen möglichen Wechsel Haalands zu den Bayern gab und der damit unweigerlich als Lewandowskis Nachfolger gehandelt wurde.

Die Fans der Bundesliga sollten sich also nicht nur auf den Vergleich der beiden besten deutschen Mannschaften freuen, sondern auch auf den Showdown der gefährlichsten Torjäger der letzten Jahre. "Ich denke, wenn man Spieler mit dieser Qualität und dieser Quote verliert, macht das immer etwas mit einer Mannschaft. Das musst du dann erstmal auffangen", so Rose auf die Frage, wie man sich eine Zukunft ohne Haaland und Lewandowski bei beiden Teams vorstellen könnte.

"Das musst du dann auffangen. Aber das passiert immer wieder im Fussball, dass eine Ära vorbei geht." Und diese kleine Ära könnte am Samstag in München tatsächlich enden.

Verwendete Quellen:

  • t-online.de: Sportdirektor Zorc warnt vor überzogener Erwartungshaltung
  • youtube.de: "Wollen an die Leistung in der letzten Woche anknüpfen!" | PK mit Marco Rose | FC Bayern – BVB
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