Neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern München reichten Lucien Favre in der vergangenen Saison nicht, um mit Borussia Dortmund Deutscher Meister zu werden. Nach acht Bundesligaspielen 2019/20 wird bereits Favres Nachfolger gehandelt.

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Für Borussia Dortmund steht gegen den Erzrivalen aus Schalke das erste der beiden wichtigsten Spiele der Saison an. Der Cheftrainer des BVB, Lucien Favre, ist nach spätestens nach dem enttäuschenden 0:2 in der Champions League bei Inter Mailand zum Siegen verdammt.

Die "Bild"-Zeitung brachte noch vor dem Anpfiff in Mailand Inters ehemaligen Erfolgstrainer José Mourinho als Nachfolger für Favre ins Spiel.

BVB tritt Gerücht um José Mourinho entgegen

Die Borussia trat das Störfeuer umgehend aus. "Diese Gerüchte entbehren jeglicher Substanz. Wir führen keine Trainerdiskussion und sind froh, Lucien Favre zu haben", kommentierte Sportdirektor Michael Zorc bei Sky.

Auch der ehemalige BVB-Kapitän Sebastian Kehl, inzwischen Leiter der Lizenzspielerabteilung der Schwarz-Gelben, runzelte die Stirn: "Wir haben schon sehr gestaunt, als wir das gelesen haben."

Anschliessend verlor Favres Mannschaft bei einem alles andere als Furcht einflössenden Gegner mit 0:2. Favre redete die erste Niederlage seiner Mannschaft in der Champions League und den Absturz auf Gruppenrang drei in seiner gewohnt stoischen Ruhe schön.

"Ich denke, wir haben gut gespielt. In der ersten Halbzeit waren wir sehr stabil", kommentierte der Schweizer Fussball-Lehrer - zur Verwunderung vieler Beobachter.

Scharfe Kritik an Lucien Favre: "Bübchenfussball"

Die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" umschrieb den Auftritt der Borussen gar wenig schmeichelhaft als "Bübchenfussball".

In der Bundesliga rangiert der BVB als Vierter nur einen Zähler hinter Favres Ex-Klub aus Mönchengladbach, der die Tabelle nach acht Durchgängen überraschend anführt.

Titelverteidiger Bayern München steht nur aufgrund der besseren Tordifferenz einen Platz besser da als die Dortmunder. Andererseits beträgt die Luft des BVB auf Bayer Leverkusen und Ex-Trainer Peter Bosz auf Position auch nur einen Punkt.

Das entspricht nicht dem Anspruch, den die Dortmunder schon alleine durch ihre Star-Einkäufe Julian Brandt, Nico Schulz und Thorgan Hazard im vergangenen Sommer formuliert hatten. Die seitens der Medien und vieler Fans erhaltenen Vorschusslorbeeren fallen Favre drei Monate später schmerzhaft auf die Füsse.

Dem sommerlichen Abgesang auf den FC Bayern folgt der herbstliche auf dessen erklärten Herausforderer. Und da Misserfolg, und sei es nur gefühlter, immer am Trainer kleben bleibt, gerät Favre mit jeder schwachen Leistung auf und neben dem Platz mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Schalke kann für Dortmund der Wendepunkt werden

"Wir wissen, was dieses Spiel für uns bedeutet", betont Kehl vor dem schweren Gang nach Schalke. Die "Königsblauen" haben sich von ihrer katastrophalen Vorsaison prima erholt und schicken sich angesichts von nur einem Punkt Rückstand auf Dortmund an, die Borussia zu überholen.

Kehl spricht angesichts der bedrohlichen Konstellation aber auch von der Chance, die in den 90 Minuten des Revierschlagers steckt. "Wir brauchen jetzt diesen Push", sagt er. "Wir müssen es schaffen, mehr Torgefahr auszustrahlen. Wir müssen uns mehr wehren, müssen dagegenhalten."

Viele Beobachter legen dem routinierten Schweizer dessen Ruhe und Überlegtheit als Lethargie aus, erwarten noch immer eine Kopie des Trainer-Vulkans Jürgen Klopp. Der ist eine Legende in Dortmund, aber mittlerweile seit vier Jahren Geschichte und längst adaptiert von den Anhängern des FC Liverpool.

Ein Spiel wie das Duell auf Schalke ist bestens dazu geeignet, die zunehmend kritischen Fans zu versöhnen und die medialen Gerüchte um Mourinho zu vertreiben.

Dass Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schon länger Kontakt zu dem portugiesischen Startrainer pflegt, wurde auf dem Boulevard als Indiz für ein Interesse an dessen Verpflichtung gewertet. Demnach wappnet sich die Vereinsführung bereits für den Fall, dass die ambitionierten Saisonziele mit Favre weiter in Gefahr geraten. "Das ist so, so, so. Das wird auch wieder weniger", blieb der 61-Jährige bei Sky gelassen.

Zuspruch für Lucien Favre

"In diesem Alter", sagte der frühere BVB-Star Miroslav Stevic bei Sport1, werde Favre seinen Stil nicht mehr ändern. "Er hat mit diesem Stil in der Vergangenheit schon sehr guten Fussball gezeigt", betonte der Serbe.

Bisher aber reichte es für Favre nur in der Schweiz mit dem FC Zürich zu Titeln, nicht in der Bundesliga - auch nicht mit Borussia Mönchengladbach. Der dortige Sportdirektor Max Eberl aber hält die "aktuelle Kritik" für "definitiv überzogen."

Eberl holte Favre im Frühjahr 2011 als Retter nach Gladbach und führte in über vier gemeinsamen Jahren den VfL wieder in die deutsche Spitze und bis in die Champions League.

"Ich weiss, dass er mit Borussia Dortmund Deutscher Meister werden kann", sagte Eberl t-online.

Mit Material der dpa
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