Die schwere Verletzung von Manuel Neuer ist ein Schock für den FC Bayern. Vor allem, weil der Ausfall des Kapitäns nicht nur sportlich kaum zu kompensieren ist.

Manuel Neuer ist verletzt. Schon wieder. Erst im August hatte der Torhüter des FC Bayern sein Comeback gegeben, nachdem er sogar seine eigene Hochzeit auf Krücken feiern musste.

Mitte März hatte sich Neuer einen Haarriss im linken Mittelfuss zugezogen.

Im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid im April brach sich Neuer erneut den Fuss an der selben Stelle, musste jedoch noch bis zum Abpfiff auf dem Spielfeld bleiben, da die Bayern ihr Wechselkontingent bereits erschöpft hatten.

"Eine Wahnsinns-Situation, denn ich hatte schon einmal die gleiche Verletzung rechts und mir war sofort klar, dass der Fuss gebrochen ist", erzählte Neuer kürzlich in der "Sport Bild".

Jetzt hat es den linken Fuss erneut erwischt. Im Abschlusstraining vor dem Bundesliga-Spiel beim FC Schalke 04 hatte Neuer bereits Probleme, eine Untersuchung nach dem Training brachte die Hiobsbotschaft: Neuer fällt aus.


Neuer wurde bereits operiert - er muss den Rest des Jahres pausieren. Eine wahre Hiobsbotschaft für den deutschen Rekordmeister, der sich nach turbulenten Wochen mit dem 4:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05 zumindest teilweise rehabilitiert hatte.

Neuers Ausfall bringt Unruhe

Denn Neuers Ausfall hat nicht nur sportliche Konsequenzen für die Bayern.

Natürlich ist klar, dass Sven Ulreich, Bayerns Ersatztorwart, einen der besten Torhüter der Welt nicht hundertprozentig ersetzen kann. Ulreich füllt die Lücke adäquat aus. Mehr nicht.

Torwart Manuel Neuer hat sich erneut verletzt - ihm droht eine lange Pause.


Und das ist nicht das einzige Problem, das auf die Bayern durch Neuers Verletzung zukommt.

Der erneute Ausfall des Torhüters dürfte für Unruhe in der medizinischen Abteilung des Rekordmeisters führen. Und auch die Fitnesstrainer müssen sich wohl Fragen gefallen lassen.

Hätte die Verletzung verhindert werden können? War das Training nicht optimal eingestellt? Wurde der lädierte Fuss zu schnell zu stark belastet?

Die Fitness-Abteilung hatte bereits im April, nachdem sich Neuer zum ersten Mal verletzt hatte, offenbar zu früh grünes Licht gegeben.

Der 31-Jährige stand gegen Bayer 04 Leverkusen auf dem Platz und drei Tage später gegen Real Madrid. Es folgte: der zweite Bruch.

Und es wäre nicht das erste Mal, dass es bei den Bayern zu Reibereien mit der medizinischen Abteilung kommt. Unter Ancelotti-Vorgänger Pep Guardiola führte ein Streit sogar zum Abschied des langjährigen Mannschaftsarztes Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Neuer fehlt als Kapitän

Am schwersten dürfte Neuers erneute Verletzung jedoch für das Teamgefüge sein.

In einer Zeit, in der der FC Bayern noch immer mit einem Post-Philipp-Lahm-Vakuum zu kämpfen hat, ist Neuer wichtiger als je zuvor.

FCB-Trainer Carlo Ancelotti muss gegen Schalke Startelf umbauen.


Als Lahms Nachfolger im Kapitänsamt strahlt der Ex-Schalker Ruhe auf seine Mannschaft aus. Er treibt an. Lässt keine Egos gelten. Und er hat die nötige Autorität, um mit internen Querelen souverän umzugehen.

"Wir haben einen sehr guten Kapitän. Philipp Lahm hat Manuel Neuer das gut beigebracht", hatte Ancelotti noch in der Pressekonferenz vor dem Schalke-Spiel gelobt.

Neuer fällt nicht nur als Torhüter aus, sondern auch als Mannschaftsführer und Ruhepol.

Andere Führungsspieler sind gefragt

Nun sind andere gefragt, die Mannschaft in entspanntere Gewässer zu leiten. Arjen Robben hat sich bereits nach dem Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht für diese Rolle in Position gebracht.

Robert Lewandowski durch sein Klartext-Interview im Spiegel irgendwie auch. Und dann gibt es ja noch Franck Ribéry, Thomas Müller und Mats Hummels, die vor allem mit Erfahrung punkten können.

Bei den Krisen-Bayern wird klar: Ex-Kapitän fehlt an allen Ecken und Enden.


Selten war es wichtiger beim FC Bayern, dass nun alle Akteure an einem Strang ziehen, Egos hinten anstellen und so Neuers Ausfall kompensieren. Sonst drohen dem Rekordmeister erneut chaotische Tage.

Denn in den nächsten Wochen kommt es knüppeldick. Nach dem Spiel beim FC Schalke 04 geht es Schlag auf Schlag. Schon nächste Woche folgt der Champions-League-Vorrunden-Kracher bei Paris Saint-Germain. Im Oktober dann geht es zweimal gegen RB Leipzig, in Liga und Pokal.

Und all das ohne Manuel Neuer.

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