Bis zum letzten Spieltag musste der FC Bayern München unter seinem neuen Trainer Niko Kovac um den Gewinn des Meistertitels zittern. Dass Kovac lieferte, was von ihm erwartet wurde, lobt dessen früherer Trainer Ottmar Hitzfeld angesichts der Umstände in den höchsten Tönen. Hitzfeld glaubt, dass Kovac den Pokalsieg gar nicht mehr braucht, um im Amt zu bleiben.

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Dem FC Bayern München winkt das zwölfte Double seiner Vereinsgeschichte. Voraussetzung dafür ist ein Sieg des Rekordpokalsiegers über Finalneuling RB Leipzig im Endspiel des DFB-Pokals (Anstoss Samstag um 20 Uhr) im Berliner Olympiastadion.

Die 29. Meisterschaft, die siebte in Folge, geriet im ersten Jahr unter Cheftrainer Niko Kovac derweil zum zähen Ringen mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund. Obwohl er mit seiner Mannschaft zwischen dem 16. und 34. Spieltag neun Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund in zwei Punkte Vorsprung verwandelte, verstummte die Kritik an Kovac nie.

Selbst vor dem Pokalfinale haben die Verantwortlichen des FC Bayern ihrem früheren Spieler das Vertrauen für die kommende Saison noch nicht endgültig ausgesprochen.

Kovacs Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld, der mit dem einstigen Nationalspieler und -trainer Kroatiens zwischen 2001 und 2003 bei den Bayern arbeitete, glaubt trotzdem, dass die Diskussion um die Zukunft des 47-Jährigen mit dem Gewinn der Meisterschaft beendet ist.

Herr Hitzfeld, wie haben Sie das Bundesligafinale um den Titel am vergangenen Samstag erlebt? Hatten Sie diesen Ausgang erwartet?

Ottmar Hitzfeld: Es war zu erwarten, dass Bayern sich die Meisterschaft am letzten Spieltag nicht mehr nehmen lässt. Es war eine grandiose Aufholjagd der Bayern auf Dortmund. Neun Punkte Rückstand haben bei den Bayern Unruhe entstehen lassen. Dieser Titel war eine grossartige Leistung von Niko Kovac.

Vor diesem Hintergrund: Sie kennen die handelnden Personen in München von früher sehr gut. Was bewegt Uli Hoeness, vor allem aber Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic dazu, Kovac trotz des Gewinns der Meisterschaft in einer Schwebesituation zu belassen, was dessen Zukunft als Trainer bei den Bayern angeht?

Das weiss ich nicht. Ich kenne die Umstände und Hintergründe zu wenig, um das beurteilen zu können.

Angenommen, Sie wären in Kovacs Situation. Wie würden Sie reagieren?

Ich würde versuchen, das nächste Spiel zu gewinnen.

Das ist für Kovac das Pokalendspiel. Gehen Sie davon aus, dass er es mit den Bayern gewinnt und die Diskussion dann beendet ist?

Ich glaube, die ist jetzt schon beendet. Sie sind Deutscher Meister geworden. Das ist der wichtigste Titel für die Bayern, der die absolute Priorität hat. Das haben sie eindrucksvoll bewiesen. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass Niko in den nächsten Jahren Bayerns Trainer bleibt.

Packt er auch den Umbruch mit den jungen Spielern?

Es war für Niko schon die ganze Saison hindurch eine äusserst schwierige Aufgabe, das zu managen. Vor allem, Franck Ribéry und Arjen Robben noch ein paar Einsatzmöglichkeiten zu geben. Gleichzeitig musste er die jungen Spieler integrieren. Es war für Niko fast unmöglich, diese Aufgabe erfolgreich zu gestalten. Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, dass Niko das letzten Endes so geschafft hat.

Sie haben Franck Ribérys Abschied erwähnt. Sie haben mit ihm in München noch als Trainer gearbeitet. Was ging in Ihnen vor, als Sie die Bilder seines letzten Bundesligatores gesehen haben?

Das war der Wahnsinn, im positiven Sinne. Da sind auch bei mir die Emotionen hochgekommen. Er hat noch mal Geschichte geschrieben. Einen schöneren Abschied aus der Bundesliga konnte er sich nicht wünschen.

Das Pokalfinale wird Ribérys letztes Pflichtspiel für die Bayern sein. Welches Spiel erwarten Sie in Berlin? Wie muss RB Leipzig vorgehen, um den Bayern beizukommen? Und ist möglicherweise der FC Bayern gar nicht der Favorit?

In so einem Finale ist der Deutsche Meister immer der Favorit. Ich erwarte aber einen offenen Schlagabtausch. Es wird sicherlich ein sehr attraktives Spiel.