Jürgen Klopp ist noch keine Woche beim FC Liverpool und schon überschlagen sich die Gerüchte über mögliche Neuzugänge. Muss die Bundesliga vor Klopp und den Liverpool-Millionen zittern?

Jürgen Klopp ist kaum in Liverpool angekommen, da überschlagen sich die wenig zurückhaltenden englischen Medien bereits mit zum Teil äusserst wilden Transfergerüchten. Dass Klopp nicht nur ein exzellenter Trainer, sondern auch ein Menschenfänger im besten Sinn ist, davon konnte sich die Öffentlichkeit bei seiner für englische Verhältnisse aussergewöhnlich lockeren ersten Pressekonferenz überzeugen.

Keine 48 Stunden hat es gedauert, bis erste angebliche Verknüpfungen zu interessanten Spielern konstruiert und an die Öffentlichkeit getragen wurden. Das heisseste Gerücht: Klopp soll Robert Lewandowski auf dem Schirm haben.

Lewandowski fast unmöglich

Zwölf Tore hat Lewandowski in dieser Saison schon für die Bayern erzielt, dazu drei in der EM-Qualifikation für Polen. Es dürfte im Moment keinen Stürmer geben, der besser in Form ist als Lewandowski. Bei seiner Vorstellung formulierte Klopp also einen recht unverfänglichen Satz, der nun aber schon als Grundlage herhalten muss für allerhand fantasievolle Spekulationen.

"Es ist die grösste Genugtuung, wenn du einen Spieler von einem kleinen Klub in Polen holst und ihn so spielen siehst, wie er es heute tut", sagte Klopp da in Bezug auf Lewandowskis gewaltige Leistungsexplosion. Nach dessen Wechsel von Lech Posen zum BVB war Lewandowski zunächst nur Ergänzungsspieler und als grosser Chancentod verschrien. Heute ist er der vielleicht beste Angreifer der Welt. Dazu steht beim FC Bayern München, einem der aktuell besten Klubs der Welt unter Vertrag. Dort besitzt er noch einen Kontrakt bis 2019, spielt in der Champions League und hat veritable Chancen auf den Gewinn selbiger mit den Münchnern.

Aus all diesen Gründen ist die Verpflichtung Lewandowskis für einen Klub wie Liverpool in der derzeitigen Konstellation wohl nichts mehr als ein Traum. Da dürften auch Klopps Verhandlungskünste kaum etwas ändern. Lewandowski ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Hintergrund werden längst andere Namen gehandelt, die sich im Schatten der überdimensionierten Lewa-Saga als deutlich realistischer angesehen werden können.

Jede Menge Leihspieler

Zum einen, das übersehen die meisten derzeit, hat der FC Liverpool einen halben Kader in aller Herren Länder verliehen - mit durchaus attraktiven Spielern. Mario Balotelli wäre so ein Kandidat. Super Mario läuft noch bis Sommer für den AC Milan auf, er gehört aber dem FC Liverpool. Flügelspieler Lazard Markovic ist an Fenerbahce verliehen, auch er wird im Sommer zurückerwartet.

Mittelfeldspieler Luis Alberto kickt bei Deportivo La Coruna, Rechtsverteidiger Andre Wisdom bei Norwich City, Innenverteidiger Thiago Ilori bei Aston Villa. Und auch ein deutsches Toptalent könnte Klopp bald in die erste Mannschaft der Reds einbauen. Samed Yesil wurde an den FC Luzern verliehen. Die ehemals grösste Sturmhoffnung Deutschlands hat den Sprung zu den Profi in Liverpool nie geschafft und versucht nun unter Trainer Markus Babbel den Umweg über die Schweizer Liga zurück nach Liverpool.

"Jürgen Klopp ist ein deutscher Trainer, und das ist auch für mich besser. Ich kann mich besser mit ihm verständigen. Und er ist ein Trainer, der auf junge Spieler setzt", sagt Yesil. Oder besser: Er hofft es. Denn ganz so einfach wird die Rückkehr an die Anfield Road nicht.

BVB bleibt gelassen

Denn die Geldgeber der Fenway Sports Group sind durchaus bereit, einige ihrer Abermillionen in neue Spieler zu investieren. Also ist Klopp natürlich längst auch auf der Suche nach entsprechendem Personal. Seine Verbindungen zu Borussia Dortmund und in die Bundesliga, gepaart mit der Finanzkraft der Reds dürften einige Klubs ein wenig zittern lassen.

Bei Borussia Dortmund bleibt man noch gelassen. "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass so etwas niemals hinter unserem Rücken passiert. Und Jürgen würde auch niemals etwas tun, was dem BVB schaden würde", erwidert Hans-Joachim Watzke auf den Hinweis, Klopp könnte den einen oder anderen wichtigen Spieler des BVB nach England locken.

Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marco Reus oder Henrikh Mkhitaryan - auf das Tafelsilber des Klubs soll es Klopp früher oder später absehen. So schreiben es zumindest einige englische Medien. Mkhitaryan war sich einst sogar schon mit Liverpool einig, ehe ihn dann doch noch der BVB vor der Nase weggeschnappt hat. Realistisch ist allerdings keiner der Transfers.

Bei Neven Subotic sieht das schon anders aus. Der Serbe ist ein Klopp-Zögling, folgte dem Trainer schon von Mainz nach Dortmund und ist derzeit unter Thomas Tuchel nicht mehr erste Wahl. Stuttgarts Daniel Ginczek hat Klopp noch als BVB-Trainer intensiv sichten lassen, der Leistungsschub des Angreifers beim VfB macht auch ihn auf Sicht zu einer möglichen Option.

Es wird munter drauf los spekuliert werden in den kommenden Wochen und Monaten. Vielleicht bekommt Klopp die Mannschaft aber ja auch mit dem aktuellen Personal in den Griff und auf Kurs. Und im kommenden Sommer beginnen die Spekulationen dann von neuem.