Jeden Tag Corona-Nachrichten, das hält kein Mensch aus. Viel schöner ist es da doch, in Erinnerungen zu schwelgen. Genau deshalb erzählen uns verschiedene Persönlichkeiten des Fussballs von ihrem persönlichen "Spiel meines Lebens". Als Nächster an der Reihe: Werner Lorant.

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Der Name Werner Lorant wird im deutschen Fussball überwiegend mit dem TSV 1860 München in Verbindung gebracht. Jenem Traditionsverein aus der bayerischen Landeshauptstadt, der trotz Abstiegs in die 3. Liga bis heute die Emotionen vieler Münchner weckt, während der Stadtrivale FC Bayern gefühlt in einer anderen Galaxy spielt.

Lorant, der die "Löwen" als Trainer und mit dem Spitznamen "Werner Beinhart" zwischen 1992 und 2000 aus der drittklassigen Bayernliga bis in die Champions-League-Qualifikation führte, war aber auch selbst Bundesliga-Spieler. Seine grösste Zeit hatte der 71-Jährige, der heute im Süden Bayerns in Waging am See lebt, bei Eintracht Frankfurt.

Werner Lorant: Vier Jahre Bundesliga mit Eintracht Frankfurt

1981 feierte er mit den Hessen den DFB-Pokal-Sieg. Doch schon ein Jahr zuvor gab es für Lorant und alle Fans des "Adlers" einen absoluten Höhepunkt – den einzigen internationalen Titel der Vereinsgeschichte.

Die Ausgangslage war denkbar schwer. Im Hinspiel des Uefa-Cup-Finales 1980 hatte die Eintracht 2:3 in Mönchengladbach verloren. Auch im Rückspiel am 21. Mai 1980, vor genau 40 Jahren, stand Lorant für Frankfurt in der Startelf. Welche Erinnerungen er daran hat, erzählt Lorant in unserer Serie "Spiel meines Lebens":

"Für mich waren die vier Jahre, die ich bei Eintracht Frankfurt (1978 - 1982) gespielt habe, schon immer der Höhepunkt als Profi. Leider konnten wir nie Deutscher Meister werden, weil Bayern München leider, leider ein bisschen stärker war. Das Rückspiel im Uefa-Cup-Finale gegen Gladbach war für uns auch deshalb das wichtigste Spiel des Jahres. In solchen Spielen ist es immer eine enge Kiste. Wir wussten aber, was wir tun müssen. Ich hatte damals viele gute, super Kollegen. Es war für uns ein Highlight-Spiel, das grösste Spiel des Jahres. Und so haben wir uns auch darauf eingestellt."

Trotz der Lorantschen Euphorie wurde Frankfurt in der Bundesliga-Saison 1979/1980 nur Neunter. Aber: In einem verrückten Uefa-Cup mit zwei deutschen Halbfinals hatte sich die Eintracht dank eines 5:1 nach Verlängerung gegen Bayern München für das Endspiel gegen Gladbach qualifiziert. Die Borussia hatte sich ihrerseits gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt. Nach dem 3:2 für die Gladbacher im Hinspiel auf dem "Bökelberg" folgte ein echter Krimi im mit 59.000 Zuschauern ausverkauften Frankfurter Waldstadion. Lorant ist noch heute in Gedanken wie im Tunnel.

Werner Lorant über Eintracht Frankfurt: "Da war diese Spannung"

"Wenn ich mich erinnere: Es gab nicht diese eine Szene. Das ganze Spiel war eine Szene. Du warst von Anfang an auf Spannung. Als wir einen Tag vorher extra ins Trainingslager gefahren sind, war diese Spannung schon da. Da war der Trainer, der dich gepusht hat. Entscheidend für mich waren aber die 90 Minuten. Es war klar: "Wir müssen gewinnen, Ende!" Für uns gab es nur eines: "Wir gewinnen!" Wir hatten schliesslich eine Top-Mannschaft mit Karl-Heinz "Charly" Körbel und was weiss ich, wem noch alles.

Wir haben uns auf dem Platz die ganze Zeit nur auf das Spiel konzentriert. Wir wussten, dass ein Treffer reicht. Das Entscheidende ist immer, sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Der Gegner hatte auch überragende Spieler (Winfried Schäfer, Ewald Lienen, Lothar Matthäus, d. Red.). Aber ich habe mir nie Gedanken gemacht, welcher der Jungs mir das Leben auf dem Platz schwermachen würde. Ob dieser Gegenspieler kommt, oder der, das war mir egal - ich wollte dieses Spiel einfach nur gewinnen."

Eintracht Frankfurt war gegen Gladbach und den FC Bayern Aussenseiter

Die Eintracht hatte zuvor nach den DFB-Pokal-Siegen 1974 und 1975 eine lange Zeit der Entbehrungen hinter sich. In der Bundesliga gab es am FC Bayern, an Gladbach, dem HSV oder auch dem VfB Stuttgart kein Vorbeikommen. Doch dann war da diese Uefa-Cup-Saison, die die deutschen Bundesliga-Klubs nach Belieben dominierten. Frankfurt war im Vergleich zu den Bayern, dem VfB und der Borussia nur Aussenseiter – und gewann den Pokal sensationell. Lorant erinnert sich.

"Danach wurde in Frankfurt richtig gefeiert. Als wir in der Stadt angekommen sind, als wir mit dem Bus egal wohin gefahren sind, waren die Strassen voll. Überall waren Leute, die uns empfangen haben. Das war nicht das Highlight, aber es war wunderschön. Ich habe zwar kein Erinnerungsstück mehr. Aber ich habe immer ein Bild im Kopf. Und das reicht mir. Weil: Der Fussball ist schnelllebig. Aber das Bild an dieses Spiel habe ich immer im Kopf."

Über die Person: Werner Lorant, Jahrgang 1948, war Bundesliga-Spieler beim 1. FC Saarbrücken, Eintracht Frankfurt und dem FC Schalke. Schon als Profi war er für seine knallharte Spielweise bekannt. Später ging er als Erfolgscoach des TSV 1860 München (1992 – 2002) und wegen seiner strengen Methoden als Trainer als "Werner Beinhart" in die Bundesliga-Geschichte ein.
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