• Zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte greift Eintracht Frankfurt in einem Europapokalfinale nach den Sternen.
  • Am 18. Mai in Sevilla sind die Glasgow Rangers der Gegner in der Europa League.
  • Sie waren 1960 chancenlos gegen die Frankfurter, als es um den Einzug ins Endspiel des damaligen Europapokals der Landesmeister ging.
  • Wenn Sie in Ihrer Fussballrunde mit Angeberwissen rund um die Eintracht glänzen wollen, sind Sie hier genau richtig.

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Zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte steht Eintracht Frankfurt in einem Europapokalfinale. 1960, als die Champions League noch Europapokal der Landesmeister hiess, war Real Madrid beim legendären 3:7 eine Nummer zu gross. 1980, als mit Borussia Mönchengladbach der Gegner aus der Bundesliga kam, setzte sich Frankfurt im UEFA-Cup erst in der Verlängerung des Finalrückspiels mit 1:0 durch.

42 Jahre später, am 18. Mai und somit auf den Tag genau 62 Jahre nach dem Endspiel gegen Real Madrid in Glasgow, kommt nun der Gegner aus Glasgow. Damit aber nicht genug der Verknüpfungen in die Vergangenheit. Im Europapokal-Halbfinale 1959/60 fertigte die Eintracht die Rangers mit 6:1 und 6:3 ab, um dann mit 3:7 gegen Real Madrid zu verlieren.

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Der erste österreichische Bundesligaspieler landete bei Eintracht Frankfurt

Drei Jahre später startete die Bundesliga, und Eintracht Frankfurt holte von der AS Rom Wilhelm Huberts. Der erste österreichische Bundesligaspieler bestimmte sieben Jahre lang den Takt bei den Hessen, erlebt aber eine mögliche Krönung seiner Nachfolger in Sevilla nicht mehr mit. Huberts starb am 4. März 2022 im Alter von 84 Jahren.

Am Tag nach Huberts Tod gewann Eintracht Frankfurt mit 4:1 bei Hertha BSC - und vielen dürfte dabei jene verrückte Geschichte rund um genau diese Begegnung fast 40 Jahre zuvor im Kopf gewesen sein: Am 23. Oktober 1983 hatte die Hertha die Eintracht mit 1:0 besiegt. Der unterlegene Trainer Branko Zebec lag anschliessend volltrunken in der Gäste-Kabine - was weniger mit der Niederlage als vielmehr mit dem Alkoholproblem des einstigen Weltklassespielers und Meistertrainers des FC Bayern und des HSV zu tun hatte.

Branko Zebec, 1982/83, Bundesliga, Trainer, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, 11. Spieltag
Der in Kroatien geborene Jugoslawe Branko Zebec schloss an seine grossartige Spieler- auch eine erfolgreiche Trainerkarriere an. Er starb 1988 bereits im Alter von 59 Jahren.

Branko Zebec wird in einem Teppich aus dem Stadion geschmuggelt

Die Journalisten versuchten bereits, durch das gekippte Kabinenfenster Fotos der dramatischen Situation zu schiessen. Die Frankfurter Verantwortlichen befreiten Zebec auf unkonventionelle und kuriose Art und Weise aus seiner peinlichen Lage. Eingewickelt in einen Teppich und verstaut im Kofferraum eines Autos verliess Zebec unerkannt das Olympiastadion.

In eben diesem Olympiastadion gewann zehn Jahre darauf Zebecs jugoslawischer Landsmann Dragoslav Stepanovic den DFB-Pokal - allerdings nicht mit Eintracht Frankfurt, sondern mit Bayer Leverkusen. Und das ging so: Stepanovic traf im Halbfinale des Wettbewerbs als Trainer der Eintracht daheim auf Leverkusen. Bayer 04 - noch unter Coach Reinhard Saftig - erwies sich als Spielverderber und setzte sich klar mit 3:0 durch. Zu diesem Zeitpunkt aber stand bereits fest, dass Stepanovic Saftig zur kommenden Saison 1993/94 am Niederrhein beerben würde.

Stepanovic verlässt nach Pokal-Aus die Eintracht - und gewinnt den Pokal mit dem Gegner

Von den auf den Halbfinalsieg im Pokal folgenden sechs Bundesligabegegnungen gewann Leverkusen unter Saftig nur zwei. Das Wiedersehen mit Frankfurt und Stepanovic fiel in diesen Zeitraum und endete 1:1. Das anschliessende 0:2 in Dresden brach Saftig am 1. Mai 1993 sportlich das Genick. Drei Tage später trat Stepanovic in Leverkusen vorzeitig seinen Dienst an - und holte am 12. Juni 1993 im Berliner Olympiastadion gegen die Amateurelf von Hertha BSC den DFB-Pokal. "Es war von langer Hand geplant, dass ich noch vor dem Pokalfinale meinen Stuhl räumen muss", fühlte sich Saftig vom damaligen Bayer-Manager Reiner Calmund um die Frucht seiner Arbeit gebracht.

Mutete dieser Trainerwechsel bereits abenteuerlich an, so hatte es die Eintracht diesbezüglich bereits in der Saison 1977/78 auf die Spitze getrieben. Am 1. Dezember 1977 titelte der "kicker": "Sensation: Lorant tauscht mit Cramer den Posten!" Binnen drei Tagen, erst im Achtelfinalhinspiel des UEFA-Cups, dann in der Bundesliga, hatte die Eintracht unter Trainer Gyula Lorant den FC Bayern zweimal mit 4:0 gedemütigt. Der "kicker" schrieb von der "tiefsten Krise" der Bayern in deren Vereinsgeschichte. Tatsächlich standen sie nach 16 Spieltagen auf einem Abstiegsplatz.

Spektakulärer Trainertausch zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern

Die beiden Niederlagen in Frankfurt kosteten Trainer Dettmar Cramer dessen Job in München. Sein Nachfolger kam aus Frankfurt und hiess Lorant. Der Ungar hatte am Main fristlos gekündigt. Und da jetzt die Eintracht einen neuen Trainer suchte, war auch Cramer sofort wieder untergebracht.

Den 2:1-Sieg im Rückspiel des UEFA-Cup-Achtelfinals in München holte Frankfurt aber unter seinem Kapitän Jürgen Grabowski, wie schon vier Tage zuvor das 1:1 in der Bundesliga bei Eintracht Braunschweig (Torschütze: Grabowski). Cramer war erst für das 0:0 in Saarbrücken zum Rückrundenauftakt verantwortlich. Laut dem damaligen SGE-Präsidenten Achaz von Thümen habe der Klub Cramer zum Start keine drei Auswärtsspiele nacheinander zumuten wollen.

Als mit Horst Hrubesch der damalige Ausnahmestürmer der 2. Bundesliga zur Saison 1978/79 seinen Dienst in Frankfurt antreten sollte, war dort Cramer bereits wieder Geschichte. Hrubesch hatte im Sommer 1978 die bis heute gültige Rekordmarke von 42 Saisontoren für Rot-Weiss Essen vorzuweisen. Die Krönung aber, die Rückkehr von RWE in die Bundesliga, blieb in zwei dramatischen Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg aus.

Rot-Weiss Essen, 1. FC Nürnberg, Horst Hrubesch, Manfred Müller, Relegation, 2. Bundesliga, 1977/78
Am 9. Juni 1978 will Torjäger Horst Hrubesch in seinem letzten Spiel für Rot-Weiss Essen den deutschen Meister von 1955 im Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Nürnberg zurück in die Bundesliga schiessen. Da Hrubesch aber nur mit einem seiner zwei Elfmeter Erfolg hat (im Bild) und den möglichen Siegtreffer zum 3:2 vergibt, endet die Abschiedspartie für Hrubesch mit Tränen.

Horst Hrubesch löst nach Radio-Meldung seinen Vertrag bei der Eintracht auf

Hrubesch jedoch hatte seine persönliche Rückkehr ins Oberhaus sicher - schloss sich aber dem Hamburger SV an, nicht der Eintracht. Diese zog sich Hrubeschs Zorn zu und kassierte eine Absage, weil sie die Verpflichtung des sogenannten "Kopfball-Ungeheuers" bekannt gab. Dieses Recht hatte Hrubesch für sich erbeten. Als er nach der Vertragsunterschrift aber im Auto auf dem Rückweg nach Essen war, hörte er die Meldung seines Wechsels. Der war damit geplatzt. Hrubesch wurde anschliessend mit dem HSV 1978/79 auf Anhieb deutscher Meister.

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Einmalig: "Dr. Hammer" Bernd Nickel trifft aus allen Ecken des Waldstadions

Ausgeblieben war damit das Zusammenspiel von Hrubesch mit Bernd Nickel. "Dr. Hammer", wie der Standard-Spezialist ob seines harten und präzisen Schusses genannt wurde, ging mit einem Rekord für die Ewigkeit in die Eintracht-Geschichte ein. Nur Nickel, der 2021 72-jährig starb, versenkte aus allen vier Ecken des damaligen Waldstadions Eckstösse direkt. Dies gelang Nickel im Zeitraum von 1975 bis 1982 und gegen den FC Bayern, den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf. Es waren vier von 141 Bundesligatoren Nickels, der von 1967 bis 1983 426-mal in der Liga auflief. Das ist nur ein Spiel weniger als Bayern Münchens Legende Gerd Müller und Platz 39 in der Bundesliga-Historie.

Vereinsintern fehlten Ex-Nationalspieler Nickel 15 Bundesligaspiele zu Jürgen Grabowski. Der Weltmeister von 1974 war von 1967 bis 1980 Nickels Mitspieler, bis zu jenem verhängnisvollen 25. Spieltag der Saison 1979/80. Frankfurt hatte Gladbach zu Gast und gewann mit 5:2. Als es kurz vor Schluss noch 3:2 stand, kam es zu einem Zweikampf des damals 35-jährigen Grabowski mit dem gerade einmal 19-jährigen Lothar Matthäus. Anschliessend musste Grabowski verletzt ausscheiden - und sollte nach diesem 15. März 1980 nie mehr auf den Platz zurückkehren.

Jürgen Grabowski, Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, Bundesliga, 25. Spieltag, 1979/80
Der Frankfurter Kapitän Jürgen Grabowski erleidet nach einem Foul von Lothar Matthäus am 15. März 1980 am 25. Spieltag der Bundesliga eine schwere Mittelfussverletzung. Grabowskis Karriere endet damit vorzeitig und abrupt.

Als sich Frankfurt und Gladbach zwei Monate nach dem Bundesligaduell in zwei Endspielen um den Uefa-Cup wiedersahen, war Grabowski nur Zaungast in Zivil. Seine gesunden Kollegen holten ohne ihn den Uefa-Cup.

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"Badesalz"-Star hat Lothar Matthäus das Foul an Jürgen Grabowski nicht vergeben

In einem Gespräch mit dem Verfasser dieses Artikels erboste sich Comedian Hendrik ("Henni") Nachtsheim, bekannt als ein Teil des Duos "Badesalz" und eingefleischter Eintracht-Anhänger, im Jahr 2011 über Matthäus' Verhalten: "Lothar Matthäus hat Jürgen Grabowski mit einem üblen Foul das Karriere-Aus beschert. Das kann in der Bundesliga mal passieren. Aber er hat sich dafür nie entschuldigt, sondern reagiert unheimlich zynisch, wirft Grabowski vor, der habe eine schöne Versicherungssumme (für seine Invalidität, Anmerk. d. Red.) eingestrichen. Ich weiss, dass das Grabowski sein Leben lang gekränkt hat. Das ist eine echte Wunde. Hätte Matthäus Klasse, dann wäre er - von mir aus 15 Jahre später - zu Grabowski gegangen und hätte gesagt: 'Das war blöd von mir. Ich weiss, dass Du danach nicht mehr gespielt hast. Wenn es Dir irgendwie hilft: Es tut mir leid.' Abgesehen davon hat Matthäus unseren Kopfball-Giganten Harry Karger auch noch abgegrätscht und dessen Karriere auch noch beendet. Lothar Matthäus geht in Frankfurt überhaupt nicht."

Während sich Eintracht Frankfurt 42 Jahre nach dem Triumph von 1980 anschickt, die Europa League zu gewinnen, arbeitet Matthäus, der dank eines Doppelpacks von Hrubesch 1980 Europameister wurde, als TV-Experte. Grabowski ist im Laufe der denkwürdigen Europa-League-Saison des Klubs seines Herzens gestorben: am 10. März 2022 im Alter von 77 Jahren. Durch die Benennung der Gegentribüne der Frankfurter Arena aber hat ihm der Klub ein Denkmal gesetzt und Grabowski bleibt alleine deshalb unsterblich und allgegenwärtig.

Jürgen Grabowski, UEFA-Cup, Finale, Endspiel, Fred Schaub, Klaus Funk, Eintracht Frankfurt, 1980
Frankfurts Matchwinner Fred Schaub (li.) und Ersatztorwart Klaus Funk (re.) lassen die verletzte Legende Jürgen Grabowski nach dem Sieg im Finalrückspiel des UEFA-Cups über Borussia Mönchengladbach am 21. Mai 1980 hochleben.

Verwendete Quellen:

  • ARD-"Sportschau" vom 8. Dezember 2017
  • Cataldo, Filippo: Unnützes Bundesligawissen (2015)
  • Cataldo, Filippo: Noch mehr unnützes Bundesligawissen (2020)
  • 11 Freunde: "Eier, wir brauchen Eier!" - 500 Dinge über Fussball (2010)
  • Grüne, Hardy: Geheuert, Gefeiert, Gefeuert (2000)
  • "kicker": Ausgabe vom 1. Dezember 1977 (Nr. 97)
Wataru Endo, Benno Schmitz, Marvin Schwäbe, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Bundesliga, 34. Spieltag
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