• 21:52 Uhr: Selenskyj fordert weitere Finanzhilfen - G7 kündigen Unterstützung an
  • 20:07 Uhr: ➤ Ukraine meldet weitere russische Raketenangriffe
  • 18:53 Uhr: Nato-Staaten beraten über Umgang mit Putins Atomdrohungen
  • 17:25 Uhr: Russische Armee rekrutiert wohl in Straflagern Soldaten mit grossem Versprechen
  • 14:32 Uhr: Putin droht mit Lieferstopp von Energie - und nennt ein Ausschlusskriterium
  • 14:03 Uhr: Melnyk bittet Deutschland um weitere Luftverteidigungssysteme
  • 13:51 Uhr: Putin bietet Gaslieferung via Nord Stream 2 an - Lecks "Terrorismus"
  • 13:15 Uhr: Lambrecht: Iris-T hilft Ukraine bei der Abwehr von Raketenangriffen
  • 12:01 Uhr: AKW Saporischschja: Putin dialogbereit bei Fragen, "die Anlass zur Sorge geben"

+++ News-Ticker zum Krieg in der Ukraine hier aktualisieren +++

➤ Ukraine meldet weitere russische Raketenangriffe

  • 20:07 Uhr

Der ukrainische Generalstab hat am Mittwoch weitere russische Raketen- und Luftangriffe auf Wohnhäuser und Objekte der zivilen Infrastruktur registriert. Im abendlichen Lagebericht aus Kiew war die Rede von drei Raketenangriffen und vier Fällen von Beschuss durch Flugzeuge. Zehn Mal seien Mehrfachraketenwerfer eingesetzt worden. Von den zehn getroffenen Zielen lagen die meisten in den frontnahen Gebieten Saporischschja und Mykolajiw im Süden.

Ausserdem setze die russische Armee weiter Kampfdrohnen iranischer Bauart ein, von denen zehn abgeschossen worden seien. Die ukrainischen Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar. Aus dem zentralukrainischen Gebiet Winnyzja meldete die Zivilverwaltung, dass zwei solcher Drohnen abgefangen worden seien.

Die russischen Angriffe aus der Luft waren damit weniger intensiv als am Montag, als mehr als 80 Raketen und Marschflugkörper abgefeuert wurden. Auch wenn die ukrainische Luftverteidigung nach eigenen Angaben etwa die Hälfte von ihnen abfangen konnte, wurden landesweit viele Einrichtungen der Stromversorgung und zivile Objekte getroffen. Auch mitten in der Hauptstadt Kiew schlugen Geschosse ein.

An der Donbass-Front im Osten der Ukraine setzten die russischen Truppen nach Kiewer Angaben am Mittwoch ihre Angriffe auf die Stadt Bachmut fort. Sie seien aber abgewehrt worden, hiess es.

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Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T trifft in Ukraine ein

Das Waffensystem Iris-T kann mit Raketen, die vom Lastwagen aus abgefeuert werden, Grossstädte über längere Zeit dauerhaft schützen. Nun soll es der Ukraine helfen, sich gegen russische Attacken zu wehren.

Die Lage im Überblick:

Seit 24. Februar führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat in Zweifel gezogen und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine anerkannt.

Die ukrainische Armee wehrt sich seitdem nach Kräften gegen die Invasoren. Auf beiden Seiten gibt es Berichten zufolge Tausende Tote, wie viele Soldaten und Zivilisten bereits starben, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Fakt ist: Die humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich mit jedem Tag zu.

Karte zur militärischen Lage in der Ukraine. (Achtung: Diese Infografik wird regelmässig aktualisiert)

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat inzwischen mehr als 13,7 Millionen Grenzübertritte aus der Ukraine registriert (Stand: 04. Oktober). Die Flüchtenden sind vor allem Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen. Laut UNHCR sind in dieser Zeit knapp 6,4 Millionen Grenzübertritte zurück in die Ukraine registriert worden (Stand: 04. Oktober).

Die EU und die USA reagierten mit Sanktionen. Ausserdem liefern sie der Ukraine Waffen, auch Deutschland unterstützt das Land mit Waffenlieferungen. Auch Panzer der Klasse Gepard soll die Ukraine aus Deutschland erhalten. (dpa)

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Die weiteren Meldungen vom 12. Oktober

Selenskyj fordert weitere Finanzhilfen - G7 kündigen Unterstützung an

  • 21:52 Uhr

Die führenden demokratischen Wirtschaftsmächte und die internationale Gemeinschaft wollen der Ukraine auch im kommenden Jahr weitere Finanzhilfen geben. "Zusammen mit der internationalen Gemeinschaft und in enger Zusammenarbeit mit der ukrainischen Regierung werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, die Ukraine in den kommenden Monaten und Jahren zu unterstützen", erklärten die G7-Finanzminister am Mittwoch nach einem Treffen am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa zufolge benötigt die Ukraine schätzungsweise drei bis vier Milliarden US-Dollar pro Monat im kommenden Jahr.

Der dringendste Finanzbedarf der Ukraine für das laufende Jahr sei durch die internationale Unterstützung abgedeckt, erklärten die G7-Finanzminister. Zusätzlich zur militärischen und humanitären Unterstützung seien bereits Budgethilfen in Höhe von 20,7 Milliarden US-Dollar (21,3 Mrd Euro) geflossen, insgesamt seien für dieses Jahr 33,3 Milliarden Dollar zugesagt worden. Das Land stehe 2023 vor einer erheblichen Finanzierungslücke, um die Grundversorgung zu sichern und Mängel an der kritischen Infrastruktur zu beheben, hiess es weiter.

Mit Abstand grösster Geldgeber sind die USA, Deutschland ist laut Finanzministerium mit einem Anteil von 1,4 Milliarden Euro grösster Geber innerhalb der EU. Die Mittel sollen helfen, die grundlegenden staatlichen Leistungen des kriegsgebeutelten Landes aufrechtzuerhalten und etwa Renten und die Gehälter von Staatsbediensteten zu zahlen. "Es geht jetzt darum, das auch in eine langfristige Perspektive zu bringen, das heisst, die Finanzierung des ukrainischen Staates auch im nächsten Jahr auf eine sichere Grundlage zu stellen", sagte Finanzminister Christian Lindner (FDP) am Rande der Jahrestagung in der US-Hauptstadt.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj war bei einem Runden Tisch des IWF und der Weltbank zu Ukraine-Hilfen per Video zugeschaltet. Er forderte ein regelmässiges Forum zur finanziellen Unterstützung des Landes. "Es wäre gut, eine ständige Arbeitsgruppe zu schaffen, die finanzielle Unterstützung für die Ukraine bereitstellt und zeitnah auf verschiedenen Ebenen arbeitet", sagte Seleneskyj laut Übersetzung. Das Format sollte sich an der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe orientieren, über die vor allem Waffenlieferungen für die ukrainischen Streitkräfte koordiniert werden.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa stellte ein solches Forum in Aussicht. "Ja, wir tun es", sagte sie. Man wolle ein solches Format sobald wie möglich auf die Beine stellen. Es seien persönliche Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Ukraine über den Haushaltsplan für 2023 geplant, so die IWF-Chefin. Selenskyi forderte ausserdem unter anderem gezielte Kredite in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar, um etwa die elektrische Energieinfrastruktur nach der Zerstörung wieder aufzubauen. Benötigt werde ausserdem einen Kreditrahmen von nicht weniger als fünf Milliarden US-Dollar, um für den Winter die Energieversorgung sicherzustellen. (dpa)

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Nato-Staaten beraten über Umgang mit Putins Atomdrohungen

  • 18:53 Uhr

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten beraten an diesem Donnerstag in Brüssel über den Umgang mit den Drohungen von Russlands Präsident Wladimir Putin, im Krieg gegen die Ukraine auch Atomwaffen einzusetzen. Bei einem Treffen im Format der sogenannten Nuklearen Planungsgruppe soll es nach Angaben aus Bündniskreisen unter anderem um die Nato-Atomwaffenstrategie und Pläne zur Modernisierung der aktuellen Infrastruktur gehen.

Zudem ist eine Unterrichtung über das jährliche Manöver zur Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen vorgesehen. Die Abschreckungsübung Steadfast Noon soll nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in der kommenden Woche beginnen.

Russland hatte zuletzt vier besetzte ukrainische Gebiete völkerrechtswidrig annektiert. Unter anderem Putin kündigte an, man werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Damit schürte der Kremlchef die Sorge, Russland könne auf dem Schlachtfeld taktische Atomwaffen mit eingeschränkter Reichweite einsetzen.

Informationen zu möglichen Beschlüssen der Nuklearen Planungsgruppe werden nicht erwartet. Sie sind in der Regel geheim. Beteiligt an den Beratungen sind mit Ausnahme von Frankreich alle Nato-Staaten. Die derzeit einzige Atommacht unter den EU-Staaten setzt seit Jahrzehnten auf das Prinzip der "nuklearen Unabhängigkeit".

Weiteres Thema des Verteidigungsministertreffens sind gemeinsame Anstrengungen zum Ausbau der Kapazitäten der Rüstungsindustrie. Zudem soll es nach den mutmasslichen Sabotageakten gegen die Erdgasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 um zusätzlichen Schutz für kritische Infrastruktur gehen. Dazu werden neben Pipelines beispielsweise auch Stromnetze und Datenkabel gezählt. (dpa)

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Russische Armee rekrutiert wohl in Straflagern Soldaten mit grossem Versprechen

  • 17:25 Uhr:

Nach der Rekrutierung von Gefangenen für russische Söldnertruppen wirbt nun auch die reguläre russische Armee laut Bürgerrechtlern und Medien Soldaten für den Ukrainekrieg im Gefängnis an. "Seit Ende September hat das Verteidigungsministerium mit der Anwerbung von Verurteilten begonnen", teilte das Internetportal "Waschnyje Istorii" am Dienstag mit.

Das kremlkritische Medium berichtete von Besuchen der Militärs in Strafkolonien im Gebiet Rjasan bei Moskau und in Stawropol im Nordkaukasus. Zuvor hatten bereits die Bürgerrechtler von Gulagu.net über Abwerbungsversuche im Gebiet Nischni Nowgorod berichtet.

Bereits seit Sommer wirbt die vom Putin-Vertrauten Jewgeni Prigoschin finanzierte Söldnertruppe "Wagner" Strafgefangene für den Einsatz in der Ukraine an. Auf einem in sozialen Netzwerken verbreiteten Video ist mutmasslich Prigoschin selbst zu sehen, der vor Gefangenen auftritt und ihnen die Freilassung verspricht, wenn sie sich für ein halbes Jahr als Söldner in der Ukraine verpflichten.

Nach Angaben von "Waschnyje Istorii" versprechen auch die Generäle der regulären Armee den Gefangenen ihre Freilassung nach dem Einsatz. Diese sollen in einer Spezialeinheit, genannt "Sturm" zum Einsatz kommen. Das Verteidigungsministerium rekrutiert demnach gezielt unter Häftlingen, die früher in den Sicherheitsorganen gedient haben und womöglich über Kampferfahrung verfügen. (dpa)

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Putin droht mit Lieferstopp von Energie - und nennt ein Ausschlusskriterium

  • 14:32 Uhr:

Angesichts des geplanten Ölpreisdeckels in der EU hat Kremlchef Wladimir Putin mit einem Lieferstopp von Energieressourcen gedroht. "Russland wird nicht gegen den gesunden Menschenverstand handeln und für das Wohlergehen anderer bezahlen", sagte Putin am Mittwoch bei der russischen Energiewoche in Moskau. "Wir werden keine Energieressourcen an Länder liefern, die ihre Preise begrenzen."

Die EU hatte in der vergangenen Woche angesichts von Putins seit mehr als siebeneinhalb Monaten andauerndem Krieg gegen die Ukraine formal weitere Russland-Sanktionen beschlossen, darunter einen Ölpreisdeckel. Moskau reagierte bereits da mit Drohungen, die eigenen Ölexporte umzuleiten. Putin warnte nun zudem, durch eine solche Preisbremse werde sich das Investitionsklima weltweit verschlechtern. (dpa)

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Melnyk bittet Deutschland um weitere Luftverteidigungssysteme

  • 14:03 Uhr:

Der scheidende Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, hat der Bundesregierung für die erfolgte Lieferung des ersten Luftverteidigungssystems Iris-T SLM gedankt. Für die Menschen in der Ukraine bedeute es, besser gegen Angriffe geschützt zu sein, sagte Melnyk am Mittwoch in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Die vereinbarte Lieferung von nun noch drei weiteren Systemen sei ein wichtiger Schritt, sollte aber um zusätzliche Waffensysteme ergänzt werden. Dazu seien Entscheidungen der Bundesregierung schon jetzt nötig.

"Denn sie sehen: Putin führt diesen Krieg vor allem gegen Städte, gegen Menschen, gegen Infrastrukturobjekte, gegen Kraftwerke. Und deswegen müssen viel mehr Systeme kommen, auch aus Deutschland. Es müssen Aufträge schon heute erteilt werden, damit wir die Systeme nicht im Jahre 2024 bekommen", sagte Melnyk. Und: "Das ist mein Appell und das ist meine grosse Bitte an den Bundeskanzler (Olaf Scholz), weiterhin diesen Weg zu gehen." (dpa)

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Putin macht "Terrorismus" für Nord-Stream-Lecks verantwortlich

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge ist der "internationale Terrorismus" verantwortlich für die Lecks in den beiden Nord-Stream-Pipelines. Fotocredit: imago-images

Putin bietet Gaslieferung via Nord Stream 2 an - Lecks "Terrorismus"

  • 13:51 Uhr:

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach den Lecks an der Ostsee-Pipeline Nord Stream Gaslieferungen durch den noch betriebsfähigen Strang der Pipeline Nord Stream 2 angeboten. "Man muss nur den Hahn aufdrehen", sagte Putin am Mittwoch bei einem Auftritt auf der russischen Energiewoche in Moskau. Die Röhre sei wohl nicht so beschädigt worden, dass sie nicht mehr genutzt werden könne, sagte er.

An den beiden Röhren von Nord Stream 1 und einer Röhre von Nord Stream 2 in der Ostsee waren nach Explosionen Ende September schwere Beschädigungen entdeckt worden. Bisherigen Erkenntnissen zufolge hatten sich mindestens zwei Detonationen ereignet, die zu vier Lecks führten. Unter anderem die EU, die Nato sowie Sicherheitskreise hatten schon unmittelbar darauf von Sabotage als Ursache gesprochen.

Putin sprach von einem internationalen Terroranschlag gegen die Pipelines. "Es gibt keinen Zweifel, das ist ein Akt internationalen Terrorismus, ein zutiefst gefährlicher Präzedenzfall", sagte er. Ziel sei es, die Beziehungen zwischen der EU und Russland endgültig zu zerreissen und Europa zu schwächen. Als mutmassliche Profiteure der Sabotage bezeichnete Putin unter anderem die USA. Bereits zuvor hatte der Kremlchef den Westen für die Lecks verantwortlich gemacht.

Russland hatte Anfang September die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 mit dem Verweis auf technische Probleme eingestellt, die angeblich wegen der Sanktionen nicht zu beheben seien. Die fertig gestellte, aber nicht zertifizierte und nie in Betrieb genommene Leitung Nord Stream 2 liegt wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine auf Eis. Russland drängt seit Monaten auf die Inbetriebnahme. (dpa)

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Elon Musk

Doch kein Gespräch mit Putin gehabt? Musk widerspricht Bericht

Laut Medienberichten soll Tesla-Chef Elon Musk mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über Friedensvorschläge im Krieg in der Ukraine gesprochen haben. Dieser Berichterstattung widerspricht Musk nun: Es sei 18 Monate her, dass er mit Putin geredet habe. (Bildquelle: IMAGO / UPI Photo)

US-Minister Austin: Ukraine-Unterstützung durch "alle Jahreszeiten"

  • 13:36 Uhr:

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat der Ukraine nach den jüngsten russischen Luftangriffen langfristige Militärhilfe zugesagt. "Unsere Entschlossenheit, die ukrainischen Verteidiger zu unterstützen, gilt für alle Jahreszeiten", sagte Austin am Mittwoch am Rande von Beratungen der sogenannten internationalen Ukraine-Kontaktgruppe, über die Waffenlieferungen an das Land koordiniert werden. "Wir werden die Verteidigungskapazitäten der Ukraine weiter ausbauen, sowohl für die dringenden Erfordernisse von heute als auch auf lange Sicht."

Austin betonte, die Unterstützung für die Ukraine hänge nicht vom Ausgang einer bestimmten Schlacht ab. Die jüngsten Angriffe hätten die Entschlossenheit des ukrainischen Volks noch verstärkt und "Länder guten Willens aus allen Regionen der Erde noch mehr zusammengebracht". Die Ukraine-Kontaktgruppe kam am Mittwoch am Rande eines zweitägigen Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel zusammen. (dpa)

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Lambrecht: Iris-T hilft Ukraine bei der Abwehr von Raketenangriffen

  • 13:15 Uhr:

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Lieferung des deutschen Luftverteidigungssystems Iris-T SLM an die Ukraine als wichtigen Schritt zur Abwehr russischer Angriffe bezeichnet. Am Rande eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel sprach sie am Mittwoch von einer wichtige Unterstützung der Ukraine "im Kampf gegen Raketenbeschuss, gegen diesen Terror, der gegenüber der Bevölkerung ausgeübt wird". Deutschland werde sich bemühen, drei weitere Systeme so schnell wie möglich bereitzustellen.

Lambrecht bezog sich dabei auch auf Äusserungen des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj. "Luftverteidigung ist momentan das Vordringlichste, und deswegen unterstützen wir da auch mit allen Möglichkeiten, die wir haben", sagte sie. Drei weitere Iris-T-Systeme würden im kommenden Jahr bereitgestellt.

Über die Unterstützung für die Ukraine sollte noch am Mittwoch in Brüssel im sogenannten Ramstein-Format beraten werden - von 50 Staaten und Organisationen, die der Ukraine helfen. Lambrecht sagte, Deutschland werde sich "noch mehr an der EU-Ausbildungsmission für die Ukraine beteiligen", um ukrainische Soldaten auszubilden und auch die Koordinierung übernehmen. (dpa)

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AKW Saporischschja: Putin dialogbereit bei Fragen, "die Anlass zur Sorge geben"

  • 12:01 Uhr:

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich im Konflikt um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja dialogbereit gezeigt. Er sei "offen für einen Dialog" mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über das AKW Saporischschja, sagte der Kreml-Chef am Dienstag bei einem im russischen Staatsfernsehen übertragenen Treffen mit IAEA-Chef Rafael Grossi in St. Petersburg. Das im Süden der Ukraine gelegene AKW wird seit März von russischen Truppen kontrolliert.

"Wir werden gerne über alle Fragen von gemeinsamem Interesse sprechen oder solche, die Anlass zur Sorge geben, zum Beispiel über die Situation rund um das Atomkraftwerk Saporischschja", erklärte Putin.

Grossi bekräftigte vor dem Gespräch seine Forderung nach einer "Schutzzone" rund um das AKW. Es müsse alles getan werden, "um einen nuklearen Unfall zu vermeiden", hiess es in einer IAEA-Erklärung. Grossi betonte, die Lage werde angesichts der häufigen Angriffe "immer gefährlicher". "Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren", sagte Grossi. Es stehe viel "auf dem Spiel".

Seit mehreren Monaten beschuldigen sich Moskau und Kiew gegenseitig, für Angriffe um und auf das Atomkraftwerk verantwortlich zu sein. Das grösste AKW Europas liegt nicht weit von der Front entfernt.

Vor wenigen Tagen hatte Putin das Atomkraftwerk per Dekret unter russische Verwaltung gestellt. Die IAEA verurteilte diesen Schritt und bezeichnete die Anlage als ukrainisch. (afp)

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Russland meldet Festnahmen wegen Explosion auf Krim-Brücke

  • 10:31 Uhr:

Wegen der Explosion auf der für Russland strategisch wichtigen Krim-Brücke sind nach Behördenangaben acht Personen festgenommen worden. "Zum derzeitigen Zeitpunkt sind im Zusammenhang mit dem Strafverfahren fünf russische Staatsbürger und drei Staatsbürger aus der Ukraine und Armenien festgenommen worden", teilte der Pressedienst des russischen Geheimdienstes FSB am Mittwoch der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Der Anschlag sei vom ukrainischen Militärgeheimdienst organisiert worden, berichtete der FSB weiter. Namentlich wird dessen Chef Kyrylo Budanow als Organisator genannt.

Am Samstagmorgen hatte eine Explosion die 19 Kilometer lange Brücke erschüttert, die Russland und die 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verbindet. Dabei wurde rund siebeneinhalb Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine das für Russland strategisch und symbolisch wichtige Bauwerk schwer beschädigt. Offiziellen Angaben aus Moskau zufolge starben vier Menschen.

Präsident Wladimir Putin hatte bereits einen Tag später die Ukraine beschuldigt, einen Terroranschlag verübt zu haben. Seit Wochenbeginn bombardiert Russland nun massiv Kiew und andere ukrainische Städte. Dies gilt als Antwort auf die Explosion an der Brücke. Die ukrainische Seite hat die Zerstörungen an der Brücke zwar gefeiert, offiziell jedoch nicht die Verantwortung für den mutmasslichen Anschlag übernommen. (dpa)

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Nato-Generalsekretär Stoltenberg kündigt Atom-Übung an

In der kommenden Woche wird die Nato ihre jährlichen Manöver zur Verteidigung mit Atomwaffen beginnen. Das teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg während einer Pressekonferenz in Brüssel mit. Die Übung "Steadfast Noon" sei ein Routine-Training, um die atomare Abschreckung sicher und wirksam zu halten, so Stoltenberg.

London: Russland setzt iranische Drohnen in der Ukraine ein

  • 09:45 Uhr:

Bei seinen massiven Raketenangriffen auf ukrainische Städte hat Russland nach britischen Informationen auch iranische Kampfdrohnen eingesetzt. Die unbemannten Flugkörper vom Typ Shahed seien langsam und flögen sehr niedrig, wodurch sie für die Flugabwehr leicht zu treffen seien, teilte das Verteidigungsministerium in London am Mittwoch mit. Allerdings bestehe eine "realistische Möglichkeit", dass Russland mit dem Einsatz mehrerer Drohnen zugleich einigen Erfolg gehabt habe, hiess es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse weiter.

Die russischen Truppen setzten die iranischen Drohnen, darunter sogenannte Kamikazedrohnen vom Typ Shahed-136, mindestens seit August ein, so das Ministerium. "Trotz einer gemeldeten Reichweite von 2500 Kilometern hat die Shahed-136 nur eine geringe explosive Nutzlast." Daher sei unwahrscheinlich, dass die Drohne den gewünschten Effekt erziele.

Da russische Kampfflugzeuge wegen der ukrainischen Flugabwehr nur eine begrenzte Wirkung erzielten, fehle den Russen weiterhin eine Waffe für Angriffe aus der Luft, die eine zuverlässige, nachhaltige und genaue Schlagfähigkeit biete. Dies sei eine der bedeutendsten Lücken im russischen Krieg gegen die Ukraine, hiess es in London.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor. (dpa)

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Biden glaubt, Putin hat sich "erheblich verkalkuliert"

Laut US-Präsident Joe Biden hat sich Wladimir Putin mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine verschätzt. Der russische Präsident sei fälschlicherweise davon ausgegangen, die Ukrainer würden sich einer russischen Invasion unterwerfen.

Biden zum Ukraine-Krieg: Putin hat sich "erheblich verkalkuliert"

  • 08:22 Uhr:

Kremlchef Wladimir Putin hat sich mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Ansicht von US-Präsident Joe Biden verschätzt. "Ich denke, er ist ein rationaler Akteur, der sich erheblich verkalkuliert hat", sagte Biden dem US-Sender CNN in einem Interview, das am Dienstagabend (Ortszeit) ausgestrahlt wurde. Putin sei fälschlicherweise davon ausgegangen, die Ukrainer würden sich einer russischen Invasion unterwerfen. "Ich glaube, er dachte, er würde mit offenen Armen empfangen werden", sagte Biden. "Ich glaube, er hat sich einfach völlig verkalkuliert."

Er glaube zwar, dass Putin rational handle, seine Ziele in der Ukraine aber irrational seien. Dies werde auch deutlich, wenn man sich Putins Rede anhöre, die er unmittelbar nach seiner Entscheidung zum Angriffskrieg gegen die Ukraine gehalten habe. Putin habe dort von der Idee gesprochen, dass er als Führer eines Russlands gebraucht werde, "das alle russischsprachigen Menschen vereint", sagte Biden. "Ich halte das einfach für irrational".

Zur Frage, ob Putin seine Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen wahr machen könnte, sagte Biden: "Ich glaube nicht, dass er das tun wird." Aber es sei "unverantwortlich", dass das Staatsoberhaupt einer der grössten Atommächte der Welt sage, er könnte eine taktische Atomwaffe in der Ukraine einsetzen. In der Folge könnten Fehler gemacht und Fehleinschätzungen getroffen werden. "Er kann nicht ungestraft über den Einsatz einer taktischen Nuklearwaffe sprechen, als ob das eine vernünftige Sache wäre."

Mit Material von dpa, Reuters und AFP

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