Wer die Pokal-Partie gegen den VfL Bochum gesehen hat, weiss: Beim FC Bayern München ist nicht alles gut. Nur haarscharf schrammte der Zweitplatzierte der 1. Bundesliga an einer Blamage vorbei. Es wird langsam Zeit, dass die Verantwortlichen aufwachen.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Zweiter in der Liga, in der Champions League auf dem Weg zum Gruppensieg und im Pokal nach wie vor dabei. Alles gut also beim FC Bayern München? Nicht wirklich. Wer die Pokal-Partie des Rekordmeisters gegen den VfL Bochum gesehen hat, weiss warum.

Nur haarscharf schrammte der Double-Sieger beim Tabellensechzehnten der 2. Liga an einer Blamage vorbei. Bochum führte lange verdient. Bayern drehte am Ende mit einem Kraftakt das Spiel. Gut ist aktuell wenig im Münchner Spiel. Und das nicht erst seit dieser Woche. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen aufwachen.

Lewandowski, Coutinho und Müller sassen zunächst nur auf der Bank - und prompt geriet der FC Bayern im Pokalspiel in Bochum mit 0:1 in Rückstand. Das Trio kam nach der Pause - und verhinderte mit Mühe und Not ein peinliches Zweitrunden-Scheitern.

Bayerns Probleme wurden weggewischt

Zu lange überboten sich vor allem Niko Kovac und Uli Hoeness in Beschwichtigungen und Schönrederei. Maue Auftritte und knappe Siege wurden zu starken Leistungen hochgejubelt, bei denen lediglich die mangelnde Chancenverwertung ein noch besseres Ergebnis verhindert hätte.

Auch kritische Stimmen aus der Mannschaft - wie die von Joshua Kimmich, der früh auf die Probleme hingewiesen hat - wurden weggewischt. Gleichzeitig wurden Gegentore, die es in den vergangenen Wochen in rauen Mengen gab, mit einzelnen Unkonzentriertheiten und individuellen Fehler begründet. Ausserdem zähle ohnehin nur der Blick auf die Tabelle. Und da sei man oben dran.

Das ist natürlich alles nicht falsch. Aber es verschweigt das deutlich grössere Problem, das dahinter liegt. Den Bayern ist die Dominanz früherer Tage völlig abhandengekommen. Es fehlt ein stabiles System, es fehlen Automatismen, es fehlt die Fähigkeit den Gegner hinten einzuschnüren, es fehlt Kreativität im Schlussdrittel, es fehlt die Konstanz in der Rückwärtsbewegung.

Wenn ein erfahrener Bundesliga-Profi wie Christian Gentner von Aufsteiger Union Berlin nach dem Spiel in München in die Kameras sagt, dass er den FC Bayern schon deutlich stärker erlebt habe und aktuell nicht für überragend hält, dann ist das eine Klatsche für den Club. Auch Bochums Simon Zoller äusserte sich in diese Richtung.

Es sagt viel über das Selbstverständnis der Münchner Gegner aus. Wo sich Spieler früher die fünfte Gelbe abholten, um in aussichtslosen Spielen gegen den FC Bayern aussetzen zu können, ist heute Zuversicht zu spüren, den Riesen ins Wanken zu bringen. Auch beim VfL Bochum war das von Beginn anzumerken. Mit einfachsten Mitteln im kompakten 4-4-2 nahmen sie den Münchnern den Rhythmus. Das reichte schon, um bis kurz vor Schluss die Bayern zu kontrollieren.

Niko Kovac sucht noch immer eine Formation

Die Baustellen beim Rekordmeister sind gross und zahlreich. Die Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernandez offenbaren, wie fahrlässig es war, die Defensive vor der Saison nicht weiter zu verstärken. Ein spielstarker Partner für Thiago im Zentrum wird nach wie vor gesucht.

Kovac hat bis heute nicht mal eine Formation gefunden, die konstant funktioniert. 4-3-3, 4-2-3-1, 4-1-4-1 und gegen Bochum zurück ins 4-3-3. Was nach Variabilität klingt, wirkt in Wahrheit etwas hilflos, weil es seit Wochen in keiner Ausrichtung gelingt, den Gegner über weite Strecken des Spiels zu dominieren oder wenigstens zu kontrollieren.

Denn auch die vielen Gegentore der letzten Wochen sind letztlich eine Folge des schwachen Ballbesitzspiels. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind in vielen Spielsituationen riesig. Geht dann ein Ball verloren, entstehen sofort grosse Räume für den Gegner. Der individuelle Fehler im eigenen Strafraum steht dann erst ganz am Ende einer längeren Fehlerkette.

Immer wieder ist in Bayerns Spielaufbau zudem das gefürchtete U zu erkennen. Dabei wandert der Ball immer wieder wie ein Hufeisen von einem Flügel auf den anderen. Das passiert, wenn der Weg auf die 8er und 10er Positionen zugestellt ist, weil die Positionierungen nicht stimmen. Pep Guardiola hat dieses U gehasst, weil es statisch ist und wenig Tiefe erzeugt.

Irgendwann war es aus Bayerns Spiel verschwunden. Aktuell ist genau dieses träge U ein Markenkern des Münchner Spiels. Und das ist nicht gut. Es ist vor allem Robert Lewandowski zu verdanken, dass die Münchner tabellarisch nach wie vor passabel dastehen. Der Pole kaschiert mit seiner Überform seit Wochen viele Probleme im Münchner Spiel.

Kovac steht weiter im Zentrum der Kritik

In einer solchen Situation kommt man am Trainer nicht vorbei. Niko Kovac ist gefordert. Die spielerischen Probleme, fehlende Dominanz und Spielfreude liegen in seinem Verantwortungsbereich. Bisher macht er zumindest mit seinen öffentlichen Aussagen nicht den Eindruck, dass er den Kern der Probleme angehen will. Das macht ihn zusätzlich angreifbar.

Ein Ansatz könnte sein, dass Kovac die kommenden Wochen dazu nutzt, um eine Elf einzuspielen und rund um die Spiele an Automatismen zu arbeiten, die der Mannschaft auch in schwierigen Phasen helfen. Die ständigen Wechsel und Rotationen sind gut gemeint, verwirren die Mannschaft aber zurzeit mehr.

Zudem muss wieder ein stärkerer Fokus auf das Ballbesitz- und Positionsspiel gelegt werden. Ansätze gab es dafür zum Saisonstart durchaus. Daran könnte Kovac anknüpfen. Noch geniesst er bei den Bossen Kredit. Doch die Zeit, Probleme schönzureden, ist spätestens jetzt endgültig vorbei.

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