Fussballstars und Fans haben im Grunde relativ wenig gemein, aber die Frustration unmittelbar nach einer Niederlage wird sich wohl für Beide ziemlich ähnlich anfühlen.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
von Christopher Giogios

Marco Reus‘ Kommentar nach dem 2:4 in München hätte auch gut und gerne auf der Dortmunder Südtribüne oder beim Frustbier in der Kneipe fallen können: "Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er hundertprozentig gepfiffen! Ist so! Ist so!".

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"Er", das war Schiedsrichter Marco Fritz, der einen ruppigen Zweikampf zwischen Emre Can und Leory Sané laufen liess. Wenige Momente später folgte das entscheidende 2:3 durch Leon Goretzka.

Reus spricht den Fans aus der Seele

Damit spricht der Dortmunder Kapitän den enttäuschten BVB-Fans aus der Seele. Eine frühe 2:0-Führung und trotzdem mal wieder keine Punkte beim FC Bayern! Dröseln wir das Spiel in drei Frust-Aspekte und drei Analyse-Aspekte auf.

BVB-Frust: Spielverlauf, Schiedsrichterleistung und immer wieder diese Bayern

  • Nach (passenderweise) 09 Minuten durften sich Dortmunder und Münchener Zuschauer gleichermassen verwundert die Augen reiben. Zwei Haaland-Tore sorgten für einen perfekten Start der Schwarzgelben. Wenig später verhinderte ein miserables Abspiel von Thomas Meunier sogar eine drei-Tore-Führung. Umso schlimmer, dass man dieses Ergebnis nicht über die Zeit retten konnte!
  • Die Aussage von Marco Reus zur Schiedsrichterleistung spricht für sich. Etwas klüger, aber genauso treffend beschrieb es jedoch Emre Can: Ja, es war eine 50/50-Situation. Aber wenn nahezu alle "kann man, aber muss man nicht"-Pfiffe an die Bayern gehen, dann zerstört das in vielen Phasen den Spielfluss einer Mannschaft. Sogar mit etwas Distanz konstatierte Trainer Edin Terzic auf der Pressekonferenz: Das war nicht der entscheidende, aber doch ein Grund für die Niederlage.
  • Wenn man nach einem solch furiosen Start einmal mehr ohne Punkte im Gepäck nach Hause reist, stellt sich eine Frage: Was muss eigentlich passieren, damit der BVB jemals etwas Zählbares in München gewinnt? An solchen Abenden zeigt sich, wieso die Vormachtstellung der Bayern in der Bundesliga so zementiert ist.

BVB-Lichtblicke: Mentalität, das Stürmerduell und spielerische Ausrufezeichen

  • Auch wenn für den BVB wesentlich mehr drin war: Die grundsätzliche Einstellung der Mannschaft stimmte. Zu präsent sind noch die Auftritte der letzten Jahre, als die Körpersprache der Spieler beim Einlaufen bereits verriet, dass in München mal wieder nichts zu holen sein wird. Es war ein sehr kämpferisches Spiel, auch die läuferische Leistung war in Ordnung. Darauf lässt sich aufbauen.
  • Es scheint inzwischen fast überflüssig, aber auch hier muss noch einmal Erling Haaland erwähnt werden. Zwei Tore aus zwei Torschüssen verdeutlichen einmal mehr die brutale Effizienz des 20-jährigen Norwegers. Robert Lewandowski auf der anderen Seite gewann zwar auf dem Papier mit drei Treffern das Torjägerduell für sich - aber der kickte seinerzeit in diesem Alter noch in der polnischen Ekstraklasa bei Lech Posen. Borussia Dortmund hat ohne Zweifel eines der aufregendsten Talente des Weltfussballs in den eigenen Reihen.
  • Der BVB wächst unter Terzic mental und taktisch als Mannschaft immer weiter zusammen. Gegen die Bayern hatte man gute Phasen, in denen es gelang, hoch zu verteidigen, früh zu pressen und die Bayern weit vom eigenen Tor fernzuhalten. Auch die Standardschwäche schien nicht mehr so eklatant wie noch zuletzt. Ausserdem: mit Manuel Akanji, Raphael Guerreiro und Jadon Sancho fehlten zentrale Stützen der Mannschaft.

Meine Empfehlung für die Dortmunder: Am Samstagabend ruhig einmal gefrustet sein und die Bayern und den Schiedsrichter verteufeln, so wie wir Fans es auch machen. Am Sonntag sollte dann allerdings die Analyse folgen. Denn nur zwei Tage später ist der FC Sevilla zu Gast, der BVB könnte nach dem 3:2 im Hinspiel erstmalig seit 2016/2017 wieder ins Viertelfinale einziehen. Und dann hoffentlich erst einmal nicht gegen diese Bayern.