• Marco Reus hielt seinen Frust nach dem 2:4 (2:2) von Borussia Dortmund beim FC Bayern nicht zurück.
  • Er wetterte gegen den Schiedsrichter: "Das 3:2 war ein klares Foulspiel. Ich sag Ihnen ganz ehrlich: Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er gepfiffen. Ist so. Ist so."
  • Letztendlich zeigt das Tor von Leon Goretzka den Unterschied zwischen FC Bayern und BVB.
Eine Analyse
von Patrick Mayer

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Ohne Umschweife. Frei raus. Klare Kante. Marco Reus hielt seinen Frust nach dem 2:4 (2:2) von Borussia Dortmund beim FC Bayern nicht zurück. "Das 3:2 war ein klares Foulspiel. Ich sag Ihnen ganz ehrlich: Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er gepfiffen. Ist so. Ist so", wetterte der BVB-Kapitän nach dem Bundesliga-Topspiel bei Sky in Richtung Schiedsrichter Marco Fritz - und bekräftigte: "Bei Bayern wäre es gepfiffen worden. Fertig, aus."

Was er meinte: Eine Szene in der Partie sorgte hinterher für reichlich Aufregung. Eine Aktion, die gleichzeitig den kleinen, aber wesentlichen Mentalitätsunterschied zwischen deutschem Rekordmeister und nationalem Herausforderer dokumentierte. Dass ausgerechnet Leroy Sané im Mittelpunkt stand, jener hochbegabte junge Mann, dessen Einstellung von TV-Experten wie Lothar Matthäus und Dietmar Hamann lange angezweifelt wurde, machte die Angelegenheit noch pikanter.

FC Bayern gegen BVB: Leroy Sané leitet Tor durch Leon Goretzka ein

Es lief die 88. Minute im deutschen Fussball-Klassiker: Sané und Emre Can bearbeiteten sich unnachgiebig im Mittelfeld. Sie schubsten, schoben, stiessen einander.

Letztlich ging Can zu Boden, der selbsterklärte Aggressive Leader von Borussia Dortmund. Während der vergleichsweise schmächtigere Sané das vorentscheidende 3:2 durch Bayern-Kollege Leon Goretzka einleitete. "Der Schiedsrichter hat gefühlt auf Zuruf gepfiffen. Er hat heute zu viel für Rot gepfiffen, das darf dem Schiri nicht passieren. Das habe ich ihm auch gesagt", motzte Can am TV-Mikrofon. Dabei hatte die Partie aus Dortmunder Sicht so herrlich begonnen, durch einen Doppelpack von Goalgetter Erling Haaland (2. Minute/9.).

Weil sich aber unter anderem Robert Lewandowski mit den Saisontoren 29 bis 31 (26./.44./90.) anschickte, endgültig den Angriff auf den Bundesliga-Torrekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 (40 Treffer) zu starten, mündete das BVB-Bestreben direkt in die nächste Münchner Machtdemonstration.

FC Bayern gegen Borussia Dortmund: Letztlich eine Frage der Mentalität

Am Ende war es eine Frage der Mentalität. Diese überhaupt infrage zu stellen, ist eine Unverfrorenheit an allen Borussen. Das stellen zumindest Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc und Reus regelmässig in Interviews klar. Die Körpersprache auf dem Platz, dort, wo laut einer Fussball-Weisheit die Wahrheit liegt, war in der zweiten Halbzeit aber eine andere.

So gelang es den Bayern nicht nur, Dortmund geduldig niederzuringen, sondern auch unter Druck, die vorherige Attacke von RB Leipzig (3:0 beim SC Freiburg) samt dreistündiger Tabellenführung der Sachsen abzuwehren.

Can hatte den feinen Unterschied erkannt, sagte selbstkritisch bei Sky: "Heute hat gefehlt, dass wir mutiger waren. Wenn man gegen Bayern nur zehn Minuten mutig spielt, reicht das nicht. Das war zu wenig." Er muss es wissen, schliesslich wurde Can einst in der Jugend des FC Bayern ausgebildet und spielte eine Profi-Saison (2012/13) für den Sextuple-Sieger.

Nach Attacke von RB Leipzig: FC Bayern zeigt sein "Mia san mia"

Einmal mehr zeigte der Bundesliga-Riese seine viel zitierte "Mia-san-mia-Mentalität". Manifestiert im bayerischen Original Thomas Müller: "Die Intensität in den Zweikämpfen war nach dem 1:2 sehr, sehr gut. Das hat die Dortmunder aus dem Konzept gebracht. Da hat man gemerkt: Wir sind am Drücker", erklärte der Weltmeister gewohnt selbstsicher bei Sky: "Das müssen wir uns merken, diese Art zu spielen, gallig gegen den Ball und mit aller Konsequenz. Nicht nur 75 Minuten."

FCB-Trainer Hansi Flick sah eine Mannschaft, die "nach dem 0:2 trotzdem wach" war "und sich nicht eingegraben" hat. "Wir haben gezeigt, dass wir uns hier nichts nehmen lassen", referierte Flick weiter. Und Sky-Experte Matthäus analysierte kurz und knapp: "Das ist einfach die Mentalität."

Mehr noch: Diese ist ein regelrechter Rettungsanker. Denn: Die vermeintliche Dominanz ist trügerisch. Selten in den vergangenen Jahren waren die Bayern verwundbarer, aber sie bekommen es durch Einstellung und Siegeswille immer wieder hingebogen.

Bayern in der Bundesliga: Schlechteste Defensive seit 27 Jahren

In Zahlen ausgedrückt: Im 24. Saisonspiel gerieten die Münchner schon zum 13. Mal in Rückstand. Mit bereits 34 Gegentoren haben sie zu diesem Zeitpunkt die schlechteste Defensiv-Statistik seit 27 Jahren.

Aber sie haben nach Rückständen eben 22 Punkte geholt.

Und so wirkt es in diesen Tagen, als könnten die forschen Leipziger (zwei Punkte Rückstand und sechs Siege in Folge) tun und lassen, was sie wollen. Am Ende der Saison dürfte der Deutsche Meister zum neunten Mal in Folge FC Bayern München heissen. Dank einer einzigartigen Mentalität, die nun offensichtlich auch Top-Transfer Sané verinnerlicht hat.

Verwendete Quellen:

  • eigene Beobachtungen
  • Interviews bei Sky
  • Spielerprofile bei transfermarkt.de