Nach Hansi Flick kritisiert auch Co-Trainer Miroslav Klose den Umgang im eigenen Verein. Was ist da los in München?

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer
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Das Kind ist im Brunnen. Nach wochenlanger Debatte um die Zukunft von Hansi Flick beim FC Bayern hat der Bayern-Trainer um Auflösung seines Vertrags zum Ende der Saison gebeten. Viel ist diskutiert worden über das schwierige Verhältnis zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic, das am Ende wohl einer der Hauptgründe für Flicks Rückzug ist.

Doch die Probleme beim FC Bayern gehen tiefer. "Was mich nachdenklich macht, ist, wie hier gerade miteinander kommuniziert wird. Respekt voreinander zu haben, auch wenn man nicht immer der gleichen Meinung ist, das muss unbedingt sein! Uli und Kalle haben diesen Verein zu einem Weltverein gemacht, weil es ihnen immer um den FC Bayern ging und nicht um persönliche Eitelkeiten." So liess sich Co-Trainer Miroslav Klose in dieser Woche in der "Bild" zitieren.

Wenn ein so loyaler und erfahrener Fussballfachmann wie Klose den Weg in die Öffentlichkeit wählt, um seinem Unmut Luft zu machen, dann wird deutlich, was derzeit hinter den Kulissen in München los ist. Kloses Vertrag läuft im Sommer aus. Ernsthafte Bemühungen, Klose, dem viele eine Karriere als Bundesligatrainer voraussagen, längerfristig in München zu binden, gab es bisher offenbar nicht.

FC Bayern: Hat auch Klose Konflikte mit Brazzo?

Was genau Klose mit Eitelkeiten meint, bleibt unklar. Dass auch sein Verhältnis zu Salihamidzic nicht optimal ist, hört man rund um den Klub nicht erst seit dieser Woche. Schon aus früheren Zeiten, als Klose noch Jugendcoach in München war, sind Konflikte überliefert. Doch was wäre das für ein Signal für den FC Bayern, neben Flick auch Weltmeister Klose zu verlieren?

Der ehemalige Weltklassestürmer baut seine Trainerkarriere sukzessive auf. Nach Stationen im Staff der Nationalelf empfahl sich Klose über die U17 beim FC Bayern für den Assistenzjob bei Flick. Klose gilt als akribisch und durchaus streng. Vor allem aber geniesst er Dank seiner Erfahrung und seiner Erfolge als Torjäger grossen Respekt bei Spielern aller Altersklassen.

Die Personalie Klose ist sicher nicht so einschneidend wie der Abgang von Hansi Flick, doch sie lässt dennoch tief blicken. Nach dem Streit um David Alaba und Jerome Boateng stehen nun mit Flick und vielleicht Klose auch im Trainerstab ziemlich holprige Abgänge bevor. Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic schaffen es bisher nicht, die über Monate schwelenden Konflikte erfolgreich zu moderieren. Mindestens Salihamidzic ist im Gegenteil sogar ein Teil davon. Einiges passt im Moment nicht mehr richtig zusammen beim Rekordmeister.

Chefetage beim FCB: Wer besetzt die Lücke, die Hoeness und Rummenigge hinterlassen?

Der FC Bayern hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Kraft daraus gezogen, trotz des hohen Drucks beim Rekordmeister für Spieler und Angestellte ein familiäres Umfeld zu schaffen. Das galt für Eigengewächse wie Thomas Müller und Philipp Lahm genauso wie für Weltstars wie Franck Ribéry und Xabi Alonso. Konflikte und Auseinandersetzungen gab es immer, doch bis heute bekennen sich fast alle ehemaligen Spieler und Trainer von Herzen zum FC Bayern. Weil es dort Rückhalt gab für die eigenen Leute. Teilweise bedingungslos.

Dieses familiäre Umfeld war über Jahre ein Alleinstellungsmerkmal für den Klub, der im Geschäft der Grossen in Europa immer auch zusätzliche Argumente brauchte, um Topleute nach München zu locken. Der Garant dafür waren Karl-Heinz Rummenigge und vor allem Uli Hoeness, die den Verein auf diese Art und Weise geprägt haben.

Folgt man Kloses Analyse, müssen die Verantwortlichen aktuell sehr genau aufpassen, dass mit dem Abgang der beiden Überväter nicht noch deutlich mehr verloren geht beim Rekordmeister.

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