Der FC Bayern überwintert im Pokal und hält damit die Chance auf ein erneutes Triple am Leben. Die Konstellation mit Jupp Heynckes erinnert ein wenig an 2013, es gibt einige Parallelen - und doch sind manche Dinge auch anders.

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Diese ewigen Vergleiche hat sich Jupp Heynckes selbst eingebrockt, sie sind so etwas wie der Fluch der guten Tat. Als er im Herbst noch ein letztes Mal weg von seinem Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein und nach München zog, ging das schon los.

Knapp drei Monate später dominieren die Bayern die Bundesliga wieder nach Belieben, sie stehen im Achtelfinale der Champions League und im Viertelfinale des DFB-Pokals und die Frage erscheint dringender denn je: Schafft Heynckes, schaffen die Bayern in dieser Saison erneut das Triple?

In 117 Jahren Klubgeschichte ist das bisher ein einziges Mal gelungen, man könnte also durchaus von einem äusserst seltenen Ereignis sprechen.

Und trotzdem erscheint vielen eine ähnlich erfolgreiche Saison wie vor fünf Jahren längst nicht mehr ausgeschlossen. Die Voraussetzungen sind dabei aber etwas andere als damals im goldenen Frühling 2013.

Die Bayern waren in der Blüte ihres Schaffens und sie waren hungrig wie keine andere Mannschaft in Europa.

Das Drama beim Finale dahoam, die Demütigung durch Borussia Dortmund in der Bundesliga und im DFB-Pokal-Endspiel hatten ein Feuer entfacht, welches die Bayern durch die komplette Saison angetrieben hat.

Aus den Enttäuschungen der Vorsaison zogen die Münchener ihre Kraft, sie schalteten in der Champions League nacheinander den FC Arsenal, Juventus und den FC Barcelona aus, Italiens Rekordmeister und das grosse Barca fegten die Bayern mit vier Siegen und insgesamt 11:0 Toren weg.

Hungrig wie keine andere Mannschaft

In der Bundesliga waren die Münchener damals in der entscheidenden Phase der Königsklasse längst so gut wie durch, die Mannschaft in einem überragenden mentalen und körperlichen Zustand.

Es gab nur wenige verletzte Spieler und die goldene Generation um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Jerome Boateng, Manuel Neuer, Thomas Müller - alle noch nicht mit dem WM-Titel dekoriert, alle auf der Suche nach dem einen ganz grossen Triumph - sowie Franck Ribery und Arjen Robben war auf ihrem Zenit.

Fünf Jahre später sind diese Spieler überraschenderweise auch fünf Jahre älter, Lahm und Schweinsteiger nicht mehr Teil der Mannschaft und für Ribery und Robben könnte es die allerletzte Gelegenheit sein, noch einmal Grosses zu vollbringen.

Die schwächelnde Konkurrenz in der Bundesliga ist ganz sicher kein Nachteil, herausfordernde Gegner wie den BVB in der ersten Saison unter Thomas Tuchel gibt es in dieser Saison nicht.

Das könnte sich im Frühjahr, wenn es in der Königsklasse und im Pokal ans Eingemachte geht, als durchaus nützlicher Vorteil erweisen. Heynckes lässt ja jetzt schon genug rotieren, er hält die Spieler bei Laune und beugt Verletzungen damit vor.

Und überhaupt hat er es in sensationell kurzer Zeit geschafft, die Truppe untereinander wieder zu vereinen und einzuschwören.

"Seit Jupp Heynckes übernommen hat, haben wir einen enormen Lauf. Er hat versucht, seine Philosophie umzusetzen. Die Art, wie er mit den Spielern umgeht, kommt sehr gut an", sagt Müller jüngst der "Sport-Bild". Er ist einer derjenigen, die am Ende unter Ex-Coach Carlo Ancelotti litten und nach Heynckes‘ Übernahme wieder aufblühen.

Baustelle im Sturm geschlossen

Das sind die wichtigen Erkenntnisse bisher. Heynckes hatte noch keine Zeit, wirklich intensiv mit der Mannschaft zu arbeiten. Bislang hat er an den kleinen Schrauben gedreht, die Trainingsintensität erhöht, viele Einzelgespräche geführt, den Spielern wieder ein gutes Gefühl gegeben.

Inhaltlich und aus taktischer Sicht haperte es zuletzt aber in einigen Spielen, bei den knappen Erfolgen zuletzt konnte sich die Mannschaft auch auf eine gute Portion Glück verlassen.

Die ganz grosse Dominanz strahlen die Bayern in den Tagen vor Weihnachten nicht (mehr) aus, aber sie gewinnen ihre Spiele.

Das unterscheidet sie elementar von allen anderen Bundesligamannschaften und lässt in spielerischer und taktischer Hinsicht noch jede Menge Luft nach oben.

Und wichtige Spieler wie Robben, Thiago oder Neuer dürften zu Beginn oder im Laufe der Rückrunde auch wieder aus dem Krankenstand zurückkehren.

Mit dem Zukauf von Sandro Wagner hat die sportliche Leitung zudem eine grosse Baustelle geschlossen. 2013 waren die Bayern auch deshalb so unberechenbar und offensivstark, weil sie mit Mario Mandzukic, Mario Gomez und Claudio Pizarro gleich drei gestandene Angreifer von internationalem Spitzenformat hatten und jederzeit reagieren konnten.

In den letzten Jahren musste dagegen Robert Lewandowski den Alleinunterhalter spielen und wenn der Pole mal verletzt oder angeschlagen war wie im Viertelfinale gegen Real Madrid im letzten Frühling, hatten die Bayern ein grosses Problem.

Mit Wagner gibt es jetzt zumindest eine echte Alternative, die Lewandowski in der Liga Verschnaufpausen gönnen kann oder in heiklen Spielsituationen eine völlig neue Farbe ins Spiel der Bayern bringen könnte.

Kein Triple-Feeling per Knopfdruck

Den Bayern fehlt kurz vor Weihnachten noch ein wenig, um an die Bayern aus der Triple-Saison zu erinnern und die Winterpause ist wegen der Weltmeisterschaft im Sommer relativ kurz. Da bleibt nicht besonders viel Zeit zu üben.

Die entscheidende Zutat auf dem Weg zum erneuten Triple muss sich die Mannschaft aber ohnehin selbst beschaffen. "Ein Triple-Feeling kann man nicht per Knopfdruck bestellen", sagt Müller. "So etwas ergibt sich durch das steigende Selbstvertrauen nach Erfolgen in den grossen Spielen."

Die Bayern können sich ja langsam steigern. Der Auftakt in der Bundesliga sollte machbar sein, um schnell wieder gut reinzufinden in die Rückrunde.

Und in der Königsklasse wartet mit Besiktas genau der richtige Gegner, um sich auf höhere Aufgaben vorzubereiten und wieder so hungrig zu werden wie vor fünf Jahren.

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