• Die WM lief für viele Spieler des FC Bayern eher unglücklich.
  • Zudem gefährden schwere Verletzungen von Neuer, Mané und Hernandez die sportlichen Ziele der Saison.
  • Nagelsmann und Salihamidzic sind in der kurzen Winterpause mehr gefordert, als ihnen lieb sein kann.
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Steffen Meyer dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Was für einen Unterschied ein Monat machen kann. Am 12. November schloss der FC Bayern seine Vorrunde mit einem ungefährdeten 2:0-Sieg gegen Schalke 04 ab. Vorausgegangen war eine Serie von zwölf Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage. Viel breiter hätte die Brust vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft kaum sein können.

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Nach der WM ist nun alles anders. Der FC Bayern leckt seine Wunden. Viel schlechter hätte diese WM aus Sicht der Münchener kaum laufen können. Nun sind Julian Nagelsmann und sein Team gefragt, die Mannschaft nicht nur wieder aufzurichten, sondern auch sportlich einige schwierige Entscheidungen zu treffen.

WM aus Bayern-Sicht beinahe ein Totalausfall

Fangen wir mit den Verletzungen an. Sadio Mané verletzte sich bereits kurz vor der WM und fehlt den Bayern noch mindestens zwei Monate. Damit fällt er sicher in den Champions League Achtelfinals gegen Paris Saint-Germain aus. Gleiches gilt für Lucas Hernandez, der sich im ersten WM-Spiel der Franzosen gegen Australien schwer am Knie verletzte und in dieser Saison gar nicht mehr zum Einsatz kommen wird.

Nebenbei muss sich der FC Bayern auch noch einen neuen Torwart suchen, da Manuel Neuer nach einem Beinbruch ebenfalls nicht mehr spielen kann. Deutlich besser sieht es bei Noussair Mazraoui aus, der sich bei der WM als Option für die linke Aussenbahn empfahl und offenbar nur leicht verletzt von der WM abreiste.

Doch auch jenseits der Verletzungen mussten viele Bayern-Spieler heftige Rückschläge einstecken. Die deutschen Nationalspieler Goretzka, Kimmich, Müller, Sané, Gnabry und Musiala sollten als Bayern-Block die deutsche Nationalmannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen, scheiterten aber kläglich. Die Bilanz der Münchener fällt dabei unterschiedlich aus. Während Jamal Musiala auf der Weltbühne überragend spielte und viel Pech im Abschluss hatte, enttäuschten die Führungsspieler Goretzka, Kimmich und Müller massiv. Thomas Müller ringt seitdem mit dem Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Joshua Kimmich sprach nach dem Aus der Deutschen vom schlimmsten Tag seiner Karriere und der Sorge, in ein tiefes Loch zu fallen.

Eine WM der wenigen Höhen und zahlreichen Tiefen für die Bayern-Spieler

Matthijs de Ligt spielte für die Niederlande nur eine Nebenrolle, Alphonso Davies verschoss einen Elfmeter und schied mit Kanada ohne einen einzigen Punkt aus. Der im November überragende Eric Maxim Choupo-Moting schlug mit Kamerun Brasilien und schoss immerhin ein Tor, schied jedoch ebenfalls in der Vorrunde aus. Und selbst bei den so erfolgreichen Franzosen, bei denen vor allem Dayot Upamecano sehr stolz auf ein starkes Turnier sein kann, wartete der ganz grosse Nackenschlag im dramatischen Finale gegen Argentinien.

Zu allem Überfluss verschoss der zuvor eingewechselte Kingsley Coman auch noch einen Elfmeter. Benjamin Pavard wurde von Trainer Didier Deschamps im Verlauf des Turniers aufs Abstellgleis gestellt und spielte gar keine Rolle. Sogar von einem tiefen Riss zwischen Pavard und dem Rest der Mannschaft war die Rede. Auch in München wird seit längerem über Wechselgedanken des Franzosen diskutiert.

Personalfragen zügig klären – kommt Nübel?

Nun produziert eine WM immer eine Reihe von Enttäuschungen, da nur eine Mannschaft Weltmeister werden kann. Doch in dieser Dichte ist das eine Menge Holz für nur knapp zwei Wochen zwischen Trainingsauftakt Anfang Januar und dem Spiel gegen Leipzig am 20. Januar.

Zunächst muss der FC Bayern die offenen Personalfragen klären. Vor allem auf der Torwartposition. Ein neuer Torwart, egal ob er Nübel oder Sommer heisst, muss jede Trainingseinheit nutzen, um sich bis zum Spitzenspiel gegen PSG Mitte Februar mit der Hintermannschaft einzuspielen.

Der FC Bayern ist zudem gut beraten, in diesem Winter auch ansonsten die Augen offenzuhalten. Hasan Salihamidzic hat oft betont, dass er kein Fan von Wintertransfers ist. Trotzdem ist durch den Komplettausfall von Hernandez eine Lücke entstanden, die wehtun könnte. Man muss hier nicht zwingend etwas tun, da mit Pavard in der Innenverteidigung und Mazraoui links hinten auch bei weiteren Verletzungen Alternativen vorhanden sind, aber perfekt aufgestellt ist man nicht.

Die Stürmerfrage muss ebenfalls geklärt werden

Das gilt übrigens auch fürs Sturmzentrum. Die Hereinnahme von Choupo-Moting als Neuner hat der Saison eine völlig neue Dynamik gegeben. Auch hier würde eine weitere Verletzung eine Riesenlücke reissen. Zumal unklar ist, wie schnell Sadio Mané wieder auf den Platz zurückkehrt. Sollten sich gute Optionen auftun, muss der FC Bayern zugreifen.

Doch auch jenseits von offenen Personalentscheidungen gibt es eine Menge zu tun nach der kurzen Weihnachtspause. Nagelsmann ist als Kommunikator und Psychologe gefragt wie vielleicht noch nie in seiner Bayern-Zeit. Jemand, der wie Nagelsmann akribisch über jeden Schritt und die dahinterliegende Intention nachdenkt, wird sich in dieser Phase viele Gedanken machen. Muss jeder Spieler mit seiner ganz eigenen WM-Story individuell gecoacht werden?

Braucht es ganz bewusst neue Reize, um nach den WM-Rückschlägen als Gruppe neue Motivation und neues Selbstbewusstsein zu finden? Oder geht es ab Januar ganz betont in den normalen Tagesrhythmus über, um Normalität auszustrahlen und die WM zügig hinter sich zu lassen? Zumindest die deutschen Nationalspieler hatten durch das frühe Ausscheiden immerhin genügend Zeit, um abzuschalten und neue Kraft zu sammeln. Trotzdem bleibt die Aufgabe knifflig.

Klar ist deshalb eines: Die Saison beginnt am 1. Januar 2023 praktisch bei null. Der Lauf aus dem Oktober und November ist lange her und vergessen. Und die WM bringt eine Menge Ballast mit in die anstehende Vorbereitung. Entspannte Weihnachten gibt es so in diesem Jahr an der Säbener Strasse nicht.

Um Neuer-Ersatz sicherzustellen: Hasan Salihamidzic bricht seinen Urlaub ab

Nach der Verletzung von FCB-Stammtorhüter Manuel Neuer, bricht Sportvorstand Hasan Salihamidzic seinen Urlaub ab, um Ersatz zu suchen. Der Nationaltorhüter hatte sich nach dem WM-Aus bei einer privaten Skitour den Unterschenkel gebrochen. Damit fällt er für die restliche Saison aus. (Foto: IMAGO/Matthias Koch/IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch)
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