Vier Liga-Spiele, ein Pokalspiel und den Auftakt in der Champions League (3:0 gegen Roter Stern Belgrad) hat der FC Bayern München absolviert. Was läuft gut zum Start und was nicht?

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Keine Niederlage, 18 Pflichtspieltore und in allen Wettbewerben gut dabei. Die Bayern können insgesamt schon zufrieden sein mit diesem Saisonstart. Aber es ist nicht alles Gold. Der Punktverlust gegen Hertha zum Auftakt schmerzt besonders und auch das Champions League-Spiel gegen Belgrad am Mittwoch-Abend offenbarte noch Licht und Schatten. Eine erste Bilanz:

Was gut läuft beim FC Bayern: Starke Offensive um Lewandowski

Seit Jahren war mit Spannung auf den Moment gewartet worden, an dem die Bayern ohne ihr kongeniales Duo Arjen Robben und Franck Ribéry auskommen müssen. Bisher - und das will nach zehn erfolgreichen Jahren einiges heissen - fällt ihr Fehlen kaum auf.

Schon in der Vorbereitung wurde deutlich, dass die Münchner in Strafraumnähe etwas variabler agieren als noch in der Vorsaison. Nicht immer muss es das Powerdribbling von Aussen in den Strafraum sein. Auch durch die Mitte gelingt nun häufiger der Durchbruch in die gefährliche Zone. Gegen Belgrad war diese neue Flexibilität besonders gut zu sehen. Mancher verbindet diese Veränderung mit Neuzugang Hansi Flick, der Kovac in dieser Saison als Co-Trainer assistiert. Auch das Gegenpressing wurde zuletzt deutlich besser.

Vor allem Robert Lewandowski profitiert von dieser Entwicklung und wirkt auch unabhängig von seiner überragenden Torquote (zehn Tore in sechs Pflichtspielen) involviert wie lange nicht. Gnabry und Coman scheinen bereit für den nächsten Schritt. Und Ivan Perisic ist eine willkommene Ergänzung auf dem Flügel. Insgesamt also ein klares Plus in der bisherigen Saison - auch wenn die Chancenverwertung besser werden kann.

80-Millionen-Mann Hernandez ist in München angekommen

Im Frühjahr war befürchtet worden, dass eine schwere Knieverletzung Rekordtransfer Hernandez den Start in München verhageln könnte. Doch der Franzose wurde rechtzeitig fit und gehört zum Start zu den klaren Stammspielern im Kader.

Hernandez ist immer noch dabei sein Spiel an die neue Herausforderung anzupassen. Schliesslich ist der ballbesitzintensive Fussball der Bayern ein ganz anderer als noch bei Atletico Madrid. Der Franzose überragt bisher nicht, aber er spielt grundsolide und beweist schon zu Beginn seine grosse Flexibilität, indem er den derzeit verletzten Alaba als Linksverteidiger vertritt. Die Münchner haben hier einen teuren, aber richtig guten Fang gemacht.

Manuel Neuer findet seine Form

Es ist geradezu absurd, dass ausgerechnet jetzt eine Diskussion über Neuers Platz im Tor der Nationalmannschaft vom Zaun gebrochen wird. Neuer brauchte in der Vorsaison nach seiner Verletzung sehr lange, um wieder in Form zu kommen. In dieser Saison ist er bisher voll da, wie er zum Beispiel gegen Schalke und Leipzig bewies.

Bayern braucht für die grossen Ziele in der Champions League einen herausragenden Torwart. Neuer ist wieder auf dem besten Weg dahin.

Was noch nicht so optimal läuft beim FC Bayern: Fehlende Konstanz

Wenn den Münchnern zum Saisonstart etwas fehlt, ist es die Konstanz. Gegen Hertha begann die Kovac-Elf gut, lag dann plötzlich 1:2 zurück und rettete am Ende zumindest einen Punkt. Gegen Mainz begann man ganz schwach, lag zurück, um am Ende noch mit 6:1 zu gewinnen. Gegen Leipzig legte der Rekordmeister dagegen eine überragende erste Halbzeit hin, kassierte nach dem Seitenwechsel aber noch den verdienten 1:1-Ausgleich. Gegen Belgrad fiel die Leistung nach gutem Beginn in der zweiten Hälfte über weite Strecken deutlich ab.

Kovac muss mit seinem Team an der Konstanz arbeiten. Sicher fehlt durch die späten Transfers und vielen Positions- und Formationswechsel in den vergangenen Wochen noch die Eingespieltheit der Mannschaftsteile. Vor allem die ständigen Rotationen in der Mittelfeldzentrale sind hier zu nennen. Thiago und Kimmich offenbarten als Pärchen auf der Sechs einige Probleme in der Rückwärtsbewegung. Mit Tolisso litt dagegen das schnelle Kombinationsspiel. Hier hat Kovac noch einige Arbeit vor sich.

Coutinhos Rolle wird noch gesucht

Bayerns neuer Superstar Coutinho konnte sich gegen Belgrad zum zweiten Mal über einen längeren Zeitraum präsentieren. Dabei deutete der Brasilianer an, warum die Münchner Verantwortlichen so grosse Stücke auf ihn halten.

Auffällig waren aber vor allem eine ganze Reihe von Einzelaktionen und Fernschüssen. Eine konstante Bindung ans Spiel fehlte ihm erneut, weshalb er sich im Verlauf des Spiels viele Bälle abholte. Kovac ist auch hier noch in der Experimentierphase. Gegen Mainz durfte Coutinho als echter Zehner ran, gegen Belgrad eher als Achter mit viel Zug in den Zehnerraum. Sein direkter Konkurrent Thomas Müller wirkte gleichzeitig zuletzt beflügelt - zumal er die Rolle hinter den Spitzen viel laufintensiver und grossflächiger interpretieren kann als der Neuzugang aus Barcelona.

Damit Coutinho nicht das gleiche Schicksal erleidet wie James im Vorjahr, muss Kovac eine feste Rolle für ihn finden und der Mannschaft Zeit geben sich an Coutinhos kleinräumige Spielweise im Zentrum zu gewöhnen. Erst dann wird er ein Spieler, der dauerhaft den Unterschied machen kann.

Fazit:

Auch der Champions-League-Auftakt gegen Belgrad hat gezeigt: Die Bayern sind spielerisch auf einem guten Weg, aber noch nicht ganz da, wo sie sein wollen. Klare Verbesserungen im Offensivspiel, stehen sichtbaren Konstanzproblemen gegenüber. Hier rächt sich ein wenig die fehlende Vorbereitungszeit durch einige späte Transfers. Kovac, der vor der Saison unter grossem Druck stand, sitzt trotzdem erstmal fest im Sattel und kann auf diesem insgesamt ordentlichen Saisonstart aufbauen.


Teaserbild: © imago images/Sven Simon