• Deutschland gegen Ungarn, da war doch was? Ein "Wunder von München" wäre es nicht, wenn das DFB-Team auch ohne Anführer Müller ins EM-Achtelfinale stürmt.
  • Auf Goretzka wartet ein schwieriger Job. Hummels und Gündogan melden sich fit für ein Abschiedsfest daheim.
  • Die Diskussion rund um das Regenbogen-Verbot in München geht derweil weiter. Auch Joachim Löw äussert sich dazu - ein Aspekt kommt dem Bundestrainer bei der Thematik zu kurz.

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Joachim Löw plant ein weiteres Fussball-Heimfest in München - aber ohne einen Risiko-Einsatz von Thomas Müller. Erst nach einem allerletzten Härtetest wenige Stunden vor dem Anpfiff will der Bundestrainer am Mittwoch entscheiden, ob der am Knie verletzte Anführer der deutschen Offensive gegen Ungarn "einsatzfähig ist". Das kündigte der Bundestrainer am Dienstagabend nach der Ankunft im Münchner Teamhotel an. Null Risiko lautet Löws Marschroute beim so wichtigen Müller für Mittwochabend (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV), wenn der Einzug in das Achtelfinale perfekt gemacht werden soll.

"Wir wollen von Anfang an zeigen, dass wir die nächste Runde klarmachen werden", sagte Verteidiger Mats Hummels entschlossen. Der Abwehrchef meldete sich im Gegensatz zu Müller schon am Tag vor dem Spiel einsatzbereit. Auf das 4:2 gegen Portugal soll der nächste stimmungsvolle Auftritt folgen. "Wir wollen den Zuschauern Freude machen", sagte der 32 Jahre alte Hummels. Ein Ausfall von Müller wäre aus Sicht des Dortmunders schon ein Handicap. "Ohne Thomas fehlt uns ein lautstarker Anführer auf dem Platz", sagte Hummels.

Am Vormittag war der Bundestrainer beim Abschlusstraining noch in Herzogenaurach extra vom Platz in den angrenzenden Fitness-Pavillon marschiert und erkundigte sich direkt bei Müller nach dem Zustand des rechten Knies. Eine gute Minute dauerte der Plausch, dann kehrte Löw auf den Rasen zur Mannschaft zurück. "Unsere medizinische Abteilung hatte alle Hände voll zu tun", berichtete Löw nicht nur bezogen auf den Haupt-Patienten Müller.

Hummels und Gündogan sind bereit für den Einsatz

Löws Risiko-Verzicht beim Angreifer ist nachvollziehbar, zumal es "ein Wunder von München" anders als beim sensationellen 3:2 von Fritz Walter und Co. im WM-Finale 1954 in Bern gegen den damals klaren Favoriten Ungarn nicht braucht. Schon ein Punkt genügt zum Weiterkommen. Löw verfügt zudem in Leon Goretzka über einen guten Müller-Ersatz. "Im Training macht er einen sehr guten Eindruck, sehr dynamisch. Ich denke, er ist absolut bereit", sagte Löw zu Goretzka.

Bereit für einen Einsatz in der Münchner Arena, die nach einem Beschluss der UEFA nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden darf, meldete sich neben Hummels (Patellasehne) auch Ilkay Gündogan (Wade). Beide mischten beim Abschlusstraining munter mit. "Ich kann spielen", berichtete Hummels danach. Die Knieprobleme schleppe er schon länger mit sich rum - und sie würden ihn auch noch öfter zu Pausen zwingen.

Leon Goretzka traut sich die Müller-Rolle zu

Goretzka fühlt sich derweil bereit für die Müller-Rolle. "Ich traue mir die Position zu", sagte er selbstbewusst. Löw kann dem von einer Oberschenkelverletzung genesenen Münchner Muskelmann wertvolle EM-Minuten geben. Und der 31-jährige Müller kann sich für die heissen Alles-oder-nichts-Kämpfe in den folgenden K.o.-Runden erholen.

Neben Goretzka wäre auch Leroy Sané als Offensiv-Option für Müller möglich. "Es gibt verschiedene Gedankenspiele und Möglichkeiten in der Personalwahl", sagte Löw geheimnisvoll. Doch die Goretzka-Lösung scheint logisch. "Ich fühle mich im Turnier angekommen", sagte dieser nach seinem 17-Minuten-Comeback gegen Portugal. Der 26-Jährige weiss, dass es eine grosse Aufgabe wäre, Müller zu ersetzen. Der Rückkehrer war gegen Portugal ein guter Organisator der Offensivreihe mit Kai Havertz und Serge Gnabry. "Thomas bringt immer Leben rein, Schwung rein, kann das übertragen auf seine Kollegen", sagte Goretzka.

Löw zum Regenbogen-Verbot: wichtiger, dass Werte "gelebt werden"

Neben Verteidiger Mats Hummels bedauert auch Bundestrainer Löw, dass die Münchner Arena beim letzten Gruppenspiel nicht mit den Regenbogenfarben illuminiert wird.

"Grundsätzlich hätte ich mich persönlich sehr gefreut, wenn man das Stadion in diesen Farben beleuchtet hätte, wenn die Lichter angegangen wären", sagte Löw bei der digitalen Pressekonferenz vor der Partie am Mittwoch. Die UEFA hatten einen entsprechenden Antrag der Stadt München am Dienstag abgelehnt.

"Ich bin absoluter Freund davon, wenn man Botschaften dieser Art in die Welt sendet", sagte Hummels. Er sei ein "Freund solcher Gesten", betonte der Verteidiger von Borussia Dortmund am Dienstagabend.

Gleichzeitig machte Löw klar, dass es für ihn "bei aller Wichtigkeit von Symbolen" noch wichtiger sei, dass die durch die Regenbogenflagge dargestellten Werte für Vielfalt, freie sexuelle Orientierung und Menschenwürde "auch gelebt werden". Dies sei in der Nationalmannschaft der Fall, betonte Löw.

Die DFB-Elf werde immer Zeichen setzen. Kapitän Manuel Neuer wird gegen Ungarn wieder eine Kapitänsbinde im Regenbogen-Design tragen. Dies wurde ihm von der UEFA gestattet. (dpa)

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