• Das Wintersport-Wochenende war aus deutscher Sicht sehr erfreulich.
  • Lediglich die Biathlon-Damen kommen einfach nicht in Form.
  • Und Alpin-Chef Wolfgang Maier sorgte für einen Knalleffekt.

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Ski alpin

Der DSV erlebte bei den Alpinen ein turbulentes Wochenende mit jeder Menge erfreulicher Ergebnisse, aber auch einem echten Schock: Paulina Schlosser zog sich beim Riesenslalom im slowenischen Kranjska Gora einen Unterschenkelbruch zu.

Die 20-Jährige stürzte im ersten Durchgang ihres erst zweiten Weltcup-Rennens, dabei verdrehte sich das rechte Bein. Die deutsche Nachwuchshoffnung dürfte nun mindestens ein Jahr lang ausfallen.

Für einen echten Knalleffekt sorgte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier, der in einem sehr bemerkenswerten Interview in der ARD zum Rundumschlag gegen die Funktionäre und die anstehenden Olympischen Spiele ausholte. "Ich sehe die gesamte Situation als sehr problematisch an. Unter den gegebenen Umständen ist es meiner Meinung nach kaum zu verantworten, Aktive und Trainer dort hinzuschicken", so Maier.

Konkret stört er sich an der Teststrategie vor Ort. "Da ist Manipulation Tür und Tor geöffnet. Du kannst jeden aus dem Verkehr ziehen, der dir irgendwie im Weg steht. Wir haben keinen Schutz für die Athleten und sind dort quasi einer Willkür ausgesetzt."

Zuvor war Alexander Schmid in Riesenslalom in Adelboden im zweiten Lauf ausgeschieden. Nach dem ersten Durchgang lag Schmid aussichtsreich auf Rang neun. Es siegte der Schweizer Marco Odermatt. Am Sonntag dann hatte Linus Strasser im Slalom seinen grossen Auftritt.

Deutschlands bester Techniker raste auf der anspruchsvollen Piste im zweiten Durchgang zur zweitbesten Laufzeit und arbeitete sich von Rang 14 auf Rang drei vor. Nach dem ersten Podestplatz des Winters hinter Sensationssieger Johannes Strolz aus Österreich und dessen Landsmann Martin Feller war Strasser rundum zufrieden.

"Am Schluss muss man aus dem Kopf sämtliche Rechnungen rauskriegen", sagte er mit Blick auf die Erfüllung der Olympianorm. "Mein Plan war, einfach meinen Stiefel runterzufahren."

Und auch bei den Damen endete das Wochenende mit einem Highlight. Lena Dürr kam im Slalom von Kranjska Gora auf einen hervorragenden vierten Rang. Ihre dritte Podestplatzierung in diesem Winter verfehlte Dürr beim fünften Saisonsieg der Slowakin Petra Vlhova nur um 0,23 Sekunden.

Biathlon

Die Biathlon-Damen bleiben die grossen Sorgenkinder des Winters. Beim Heim-Weltcup in Oberhof enttäuschten sie erneut. Denise Herrmann erlebte nach einem schwachen 26. Platz im Sprint am Sonntag in der Verfolgung über 10 km nach acht Strafrunden mit Rang 41 ein echtes Debakel. Zum dritten Mal in Serie kam die deutsche Medaillenhoffnung nicht unter die besten 25.

In der Loipe passt Herrmanns Form einigermassen, am Schiessstand aber gehört die Deutsche aktuell nicht einmal zu den 30 Besten des Weltcups. Schon im Sprint unterliefen Herrmann drei Schiessfehler. Ohne die immer noch verletzte Franziska Preuss bleiben die deutschen Damen damit kaum konkurrenzfähig.

Auch im Single Mixed rauschten Erik Lesser und Franziska Hildebrand an einer Überraschung vorbei. Hildebrand schmierte in Führung liegend auf ihrem letzten Teilstück komplett ab und kam als Siebte ins Ziel. Etwas besser lief es in der Mixed Staffel, dort verpassten Roman Rees, Benedikt Doll, Vanessa Voigt und Vanessa Hinz nur knapp einen Podestplatz. Am Ende landete der deutsche Vierer auf Platz sechs.

Immerhin, und das sind die guten Nachrichten des Wochenendes, zeigten die Herren klar aufsteigende Form. Johannes Kühn kam im Sprint auf einen starken vierten Rang, Roman Rees bestätigte als Fünfter das gute DSV-Ergebnis. "Klar war es knapp mit dem Podest. Aber zum Reinkommen nach der Weihnachtspause und dann noch mit den Bedingungen bin ich auf jeden Fall zufrieden", sagte Kühn in der ARD. "Es war richtig, richtig hart."

Erik Lesser und Rees rundete das starke Wochenende dann am Sonntag mit Rang acht in der Verfolgung ab. Zwei Strafrunden beim letzten Anschlag verhinderten sogar einen durchaus möglichen Tagessieg für Lesser. So konnte Rees in der Schlussrunde noch an Lesser vorbei auf Rang sieben laufen.

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Ski Nordisch

Auch die Nordischen sind vier Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele schon sehr gut in Form. Vinzenz Geiger hat die Abwesenheit von Überathlet Jarl Magnus Riiber genutzt und in Val di Fiemme seinen ersten Saisonsieg gefeiert. "Ich habe mich auf einmal richtig gut gefühlt und einfach Vollgas gegeben", so Geiger. Der Oberstdorfer lag nach dem Springen noch auf Rang zehn.

Im ersten Einzel einen Tag davor schaffte es Geiger zusammen mit Eric Frenzel auf das Podest. Beim ersten Weltcupsieg des Österreichers Johannes Lamparter gewann Geiger den Zielsprint um Platz zwei gegen seinen Teamkollegen knapp.

Nicht zufällig haben Frenzel und Geiger ihr Ticket für die Olympischen Spiele in Peking sicher. Das verkündete Bundestrainer Hermann Weinbuch. Für die übrigen drei Startplätze seien "alle anderen fünf Athleten noch im Topf", so Weinbuch. Um die drei noch freien Startplätze kämpfen Johannes Rydzek, Fabian Riessle, Terence Weber, Julian Schmid und Manuel Faisst.

Bei der Premiere des "gemischten Vierer" kam die deutsche Mixed-Staffel mit Jakob Lange, Cindy Haasch, Jenny Nowak und Terence Weber am Freitag schon auf Rang drei. Im Einzel der Damen verpasste Haasch im Massenstart als Zwölfte die Top Ten, Nowak wurde 13.

Skispringen

Nur Stunden nach der Vierschanzentournee ging es in Bischofshofen gleich weiter - mit erneut eher durchwachsenen Ergebnissen für die deutschen Adler. Im Einzel landete Karl Geier auf Platz acht, Markus Eisenbichler wurde wegen eines unzulässigen Anzugs disqualifiziert - was Bundestrainer Stefan Horngacher zu einer generellen Kritik am Weltverband veranlasste.

Die "sehr häufigen" Kontrollen der deutschen Mannschaft seien auffällig. Die Situation sei "schon wieder seltsam", sagte Horngacher in der ARD. "Von uns waren heute vier oder fünf Leute bei der Kontrolle. Deutschland ist sehr oft bei der Kontrolle. Sehr, sehr oft. Ich weiss nicht genau, warum."

Beim Mannschaftswettbewerb am Sonntag stürzten die Deutschen im wahrsten Sinne des Wortes ab. Geiger landete nach seinem ersten Sprung im Schnee, Geiger, Eisenbichler, Constantin Schmid und Andreas Wellinger landeten nach den empfindlichen Punktabzügen beim Sieg der Österreicher nur auf Rang sechs.

"Mir langt es jetzt wirklich. Ich habe die Schnauze schon ein bisschen voll, das ist fast schon Lagerkoller. Es ist schön, wenn man jetzt heimkommt und ein wenig Ruhe hat", sagte der sichtlich genervte Eisenbichler.

"Highlights der Wintersportsaison 2021/22"

Rodeln und Skeleton

Felix Loch scheint rechtzeitig für die Olympischen Spiele wieder in Form zu kommen. Beim Weltcup in Sigulda/Lettland schrammte Loch nur hauchzart an seinem ersten Saisonsieg vorbei, wurde letztlich Zweiter. Enttäuschend schnitt dagegen Johannes Ludwig ab. Der Olympia-Dritte, mit bereits vier Saisonsiegen souveräner Weltcup-Spitzenreiter, landete nur auf dem 13. Rang.

Bei den Damen fuhr Julia Taubitz ebenfalls auf Rang zwei und bleibt damit die konstanteste Rodlerin des Olympia-Winters. Die 25-Jährige fuhr beim Weltcup auf der schwierigen Bahn im lettischen Sigulda auf den zweiten Rang.

Das Doppel Toni Eggert/Sascha Benecken hat einen eindrucksvollen Sieg eingefahren. Die Weltmeister siegten in Sigulda knapp vor den Lokalmatadoren Andris und Juris Sics auf deren Heimbahn auf Rang zwei.

Beim Skeleton legten die deutschen Fahrerinnen und Fahrer auch ein starkes Wochenende hin. Erst wurde Axel Jungk beim Weltcup in Winterberg Zweiter, dann erzielte Vizeweltmeisterin Jacqueline Lölling dasselbe Ergebnis bei den Damen und hat damit zwei Drittel der Norm für Olympia erfüllt.

Bob

Nach seinem "Ausrutscher" zuletzt ist Dominator Francesco Friedrich wieder zurück in der Spur. Friedrich siegte am Wochenende erst im Zweier, dann im Vierer und bleibt im grossen Schlitten ungeschlagen. "Das ist schön, aber das nutzt uns alles nichts, wenn wir bei Olympia dann nicht vorne sind. Wir müssen jetzt konzentriert bleiben, und wir müssen weiter gut auf uns aufpassen, damit sich keiner verletzt", so Friedrich gewohnt selbstkritisch.

Beim Monobob der Damen ist Laura Nolte zum vierten Mal in dieser Saison aufs Podest gerast. Nolte musste sich bei ihrem Heimrennen in Winterberg mal wieder der US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor geschlagen geben. "Ich habe jetzt schon öfter gezeigt, dass ich im Monobob auf das Podest fahren kann", sagte Nolte in der ARD und deutete einen Zweikampf mit Meyers bei Olympia an. Am Sonntag siegte Nolte dann im Zweier vor ihrer Teamkollegin Kim Kalicki, die den deutschen Doppelerfolg komplett machte.

Snowboard und Snowboardcross

Martin Nörl bleibt in absoluter Top-Form. Beim Weltcup im russischen Krasnojarsk triumphierte der Snowboardcrosser binnen 24 Stunden gleich zweimal. Snowboarder Andre Höflich ist zum zweiten Mal im Weltcup der Sprung auf das Podest in der Halfpipe gelungen. In Mammoth Mountain/USA belegte Höflich den dritten Rang.

Verwendete Quelle:

  • Sportschau.de: Die Wintersport-News vom Sonntag 9.1
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