Wenn es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gäbe, würde sich jeder zweite Deutsche impfen lassen. Für die Wiedereinführung von Schulunterricht ohne Abstandsregeln wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, sagt der Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher. Das Robert-Koch-Institut hat 333 Corona-Infektionen in den vergangenen 24 Stunden gemeldet. Alle News zum Coronavirus.

  • 8:37 Uhr: Hälfte der Deutschen würden sich gegen Coronavirus impfen lassen
  • 7:45 Uhr: Infektionsmediziner: Schule ohne Abstandsregeln jetzt vertretbar
  • 5:52 Uhr: Infektionsfall in Sondermaschine der deutschen Wirtschaft bestätigt

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Top-News: Hälfte der Deutschen würden sich gegen Coronavirus impfen lassen

8:37 Uhr: Jeder zweite Deutsche würde sich nach einer Umfrage gegen das Coronavirus impfen lassen, wenn es einen Impfstoff gäbe. Jeder Vierte würde dies vielleicht tun, wie aus der repräsentativen Online-Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Jeder Fünfte der 2056 Befragten lehnt eine Impfung ab. Männer würden sich eher impfen lassen als Frauen.

Derzeit ist noch kein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar. Erste zugelassene Impfstoffe dürften nach Einschätzung der meisten Experten frühestens im kommendem Jahr für den Masseneinsatz bereitstehen. Im Rahmen grosser klinischer Studien könnten schon zuvor Impfungen bestimmter Bevölkerungsgruppen erfolgen. Möglich ist allerdings auch, dass noch Jahre vergehen, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, der guten Schutz bietet.

In der Frage nach einer Impfpflicht gegen das Coronavirus sind die Deutschen gespalten: Während 44 Prozent der Befragten dafür plädierten, sind 40 Prozent dagegen.

In der Coronakrise kursieren Spekulationen über eine mögliche Impfpflicht. Die Bundesregierung hat indes wiederholt betont, dass sie eine künftige Corona-Schutzimpfung nicht zur Pflicht machen werde.

Das Infektionsschutzgesetz setzt einer verpflichtenden Impfung enge rechtliche Grenzen: Eine solche Pflicht kann von der Bundesregierung nicht ohne weiteres angeordnet, sondern nur "mit Zustimmung des Bundesrates", also von Bund und Ländern gemeinsam beschlossen werden - "für bedrohte Teile der Bevölkerung", wie es in Paragraf 20, Absatz 6 heisst.

Verpflichtende Impfungen sind aber nur in besonderen Fällen zu rechtfertigen, denn sie könnten gegen Artikel 2 des Grundgesetzes verstossen: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit", heisst es dort. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland seit März zum Schutz vor den hoch ansteckenden Masern, unter anderem für Kinder und Personal in Kitas und Schulen.

Versuche am Menschen für den ersten COVID-19-Impfstoff in Europa eingeleitet

In einer klinischen Studie soll der Impfstoff mit rund 6.000 Freiwilligen getestet werden. Sollten die Tests erfolgreich sein, könnte der Impfstoff bereits im Herbst bereitstehen.

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Infektionsmediziner: Schule ohne Abstandsregeln jetzt vertretbar

7:45 Uhr: Die Wiedereinführung von Schulunterricht ohne Abstandsregeln in der Coronakrise ist nach Auffassung des Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher gerade vor den Sommerferien ein guter Zeitpunkt. "Die bisher erfolgreiche Eindämmung des Virus macht dies vertretbar und man kann in den wenigen Wochen bis zu den Ferien Erfahrungen sammeln, bei Gefahrensituationen gegensteuern und hat die langen Ferien als zeitlichen Sicherheitspuffer" sagte Fickenscher der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist besser, als nach den Ferien ohne eine solche Erprobungsphase ins neue Schuljahr ohne Abstandsregeln zu starten und dann möglicherweise in schwierige Situationen zu kommen."

Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

In Schleswig-Holstein sollen vom 8. Juni an alle Grundschüler wieder in ihren Klassen ohne Abstandsregeln unterrichtet werden. Noch vor den dort am 29. Juni beginnenden Sommerferien sollen zudem alle Schüler aller Schularten zumindest tageweise zusammen kommen. Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler einen Betrieb in voller Klassenstärke an. In Baden-Württemberg ist das ab Ende Juni geplant.

Die Frage, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Virus spielen, ist noch nicht abschliessend geklärt. Eine kleinere Studie des Berliner Virologen Christian Drosten von der Charité hatte Hinweise darauf gegeben, dass sie genau wie Erwachsene das Virus weitergeben können. Andere Forscher haben gefunden, dass Kinder ein geringeres Ansteckungsrisiko haben.

Zu Beginn der sich rasch ausbreitenden Pandemie sei es richtig gewesen, "so vorsichtig wie möglich zu sein", sagte der Experte. Mit den niedrigen Zahlen an Neuinfektionen habe sich die Situation geändert. Es gehe jetzt um die Abwägung der Verhältnismässigkeit von Einschränkungen und Risiken. "Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Menge an Lockerungen erlebt und sind damit bisher überraschend gut gefahren."

Umfragen: Coronakrise löste Ängste vor Versorgungsengpässen aus

7:17 Uhr: Ängste vor Versorgungsengpässen und vor steigenden Lebensmittelpreisen - dazu hat die Corona-Situation im Frühjahr bei vielen Verbrauchern in Deutschland geführt. Zu diesem Ergebnis kommen unabhängig voneinander zwei Analysen aus Niedersachsen, vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück und der Universität Göttingen.

Beide führten im April repräsentative Befragungen in Deutschland durch. Demnach gingen die Menschen in dieser Zeit weniger oft einkaufen, kauften aber insgesamt wohl mehr Waren.

Laut der Quakenbrücker Studie gaben rund ein Drittel der Befragten an, mehr Zeit für ihre Mahlzeiten und die Erstellung der Einkaufslisten aufzuwenden und damit auch ihren Einkauf besser zu planen. 33 Prozent der Befragten gaben ausserdem an, mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben zu haben, sagte Studienleiter Adriano Profeta.

Einerseits spiegelt sich darin demnach das Hamstern von Waren wieder. "30 Prozent haben gesagt, dass sie jetzt mehr Lebensmittel im Haushalt bevorraten als vorher", sagte Profeta. Andererseits habe die bessere Planung der Einkäufe bei einem Viertel der Befragten auch dazu geführt, dass weniger Lebensmittel weggeworfen worden seien. 38 Prozent wollen das demzufolge auch in Zukunft so halten.

Laut der Umfrage des DIL stieg im April die Sorge der Menschen, nicht mehr genügend Lebensmittel kaufen zu können, sprunghaft an: Vor der Corona-Pandemie hätten diese Befürchtung nur 3,3 Prozent der Befragten gehabt, im April dann 18 Prozent.

Die Umfrage der Göttinger Agrar-Ökonomen lässt darauf schliessen, dass die Sorge vor steigenden Preisen grösser war als die Sorge vor Lebensmittelknappheit. Diese befürchteten die Befragten vor allem bei Grundnahrungsmitteln, aber auch bei Gemüse und exotischem Obst.

Die gestörten Lieferketten und geschlossenen Grenzen hätten bei der Bevölkerung offensichtlich auch ein Nachdenken über die Versorgungssicherheit ausgelöst, erklärte Agrar-Ökonom Achim Spiller. "Den Leuten leuchtet es offensichtlich ein, dass eine starke deutsche Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit wichtig ist." Er sehe in den Daten Hinweise auf eine mehrheitlich globalisierungsskeptische Haltung in der Bevölkerung.

RKI meldet 333 Neuinfektionen in Deutschland

6:56 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 333 Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 181.815 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 angesteckt (Datenstand 1. Juni 0 Uhr).

Bislang starben nach RKI-Angaben in Deutschland 8511 nachweislich mit dem Virus Infizierte, damit stieg die Zahl der gemeldeten Toten innerhalb von 24 Stunden um 11. Etwa 165.900 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, das sind 600 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach aktuellsten Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstag bei 1,04 (Datenstand 31. Mai 0 Uhr; Vortag: 1,03). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa eine weitere Personen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes 7-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert (Datenstand 31. Mai 0 Uhr) bei 0,90 (Vortag: 0,95). Er zeigt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen.

Infektionsfall in Sondermaschine der deutschen Wirtschaft bestätigt

5:52 Uhr: Ein Infektionsfall mit dem Coronavirus auf dem Sonderflug der deutschen Wirtschaft nach China hat sich bestätigt. Auch der zweite Test zur Überprüfung einer Ansteckung des Passagiers auf dem Charterflug nach Tianjin war positiv, wie der Geschäftsführer der deutschen Handelskammer in China, Jens Hildebrandt, am Montag der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Es handelt sich nach Angaben der Gesundheitskommission der nordchinesischen Stadt um einen 34-jährigen Ingenieur aus Blaustein im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Der Mann war am Freitag mit rund 180 in China tätigen Managern, Technikern und anderen Vertretern der deutschen Wirtschaft und Angehörigen sowie vier China-Korrespondenten nach Tianjin geflogen. Da China im März wegen der Pandemie die Grenze dicht gemacht hatte, waren sie in Deutschland gestrandet. Die Handelskammer hatte die Rückholaktion mit den chinesischen Behörden organisiert, um die Wirtschaftskooperation beider Seiten wieder in Gang zu bekommen.

Obwohl alle Passagiere vor dem Abflug in Frankfurt auf das Virus getestet worden waren, zeigte ein zweiter Test nach der Ankunft bei dem 34-Jährigen einen positiven Befund. Alle Mitreisenden mussten sich ohnehin in Tianjin in Quarantäne begeben.

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Mit Material von dpa, afp, sid und apa.