Lucien Favre und seine Mannschaft sind jetzt in der Pflicht. Auf der Mitgliederversammlung von Fussball-Bundesligist Borussia Dortmund wurde Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke deutlich. Dem Trainer bleibt nicht viel Zeit.

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Bei Borussia Dortmund hängt der Haussegen gewaltig schief. Nach einem 3:3-Unentschieden und einem zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand am Freitag in der Bundesliga gegen Schlusslicht Paderborn steht Lucien Favre kurz vor dem Aus. Der Trainer erhält allerdings mindestens eine weitere Bewährungschance.

Noch geniesst der Schweizer das Vertrauen der Vereinsverantwortlichen, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf der BVB-Mitgliederversammlung am Sonntag. Er forderte Favre jedoch auf, abzuliefern. Der BVB-Boss sprach vor Spielern und Fans auch über Fehler in der Kader-Zusammensetzung, das Ziel, Meister werden zu wollen und nahm die Profis in die Pflicht.

Hans-Joachim Watzke nimmt Lucien Favre und Mannschaft in die Pflicht

"Lucien, du hast weiter unser Vertrauen. Aber eines ist klar: Am Ende wird Fussball immer über Ergebnisse definiert. Wir alle bei Borussia Dortmund wünschen, dass es dir und der Mannschaft gelingt, eine Wende zum Positiven herbeizuführen", sagte Watzke.

Der BVB muss am Mittwoch in der Champions-League-Gruppenphase gegen den FC Barcelona und am kommenden Samstag in der Bundesliga bei Hertha BSC abliefern, andernfalls ist Favres Zeit im Ruhrgebiet abgelaufen. Der BVB hinkt seinen Erwartungen hinterher, steht nach zwölf Spieltagen lediglich auf Tabellenplatz sechs. Das angestrebte Ziel, Deutscher Meister werden zu wollen, rückt in die Ferne - sollte man meinen.

BVB hält an Meisterkurs fest

Von Tabellenführer Borussia Mönchengladbach (25 Punkte) trennen den BVB lediglich fünf Zähler. Auch das vermutlich ein Grund, wieso Watzke betonte, dass vom Kurs Meisterschaft nicht abgerückt werde.

"Borussia Dortmund muss lernen, ambitioniert zu sein, noch ambitionierter zu werden, hohe Ziele zu setzen und aber auch möglicherweise damit umgehen können, dass es dann mal nicht funktioniert. Das ist mir aber lieber, als dass wir unsere Ambitionen an der Garderobe abgeben", sagte Watzke. Das Potenzial, das in der BVB-Mannschaft stecke, werde nicht infrage gestellt.

Um am Saisonende die Meisterschale in den Dortmunder Himmel zu hieven, müssen die Spieler allerdings ihre Leistung abrufen. Und das tun sie derzeit nicht.

Marco Reus, Jadon Sancho & Co. sind nicht in Form

"Viele Spieler, die letztes Jahr noch den Unterschied gemacht haben, befinden sich aktuell in keiner guten Form. Ich nenne keine Einzelnamen, aber daran müssen wir arbeiten. Wenn wir uns auf dem Platz befinden, machen wir aktuell nicht den Eindruck einer stabilen Einheit", sagte Watzke.

Gemeint sind vor allem Kapitän Marco Reus, Abwehrspieler Manuel Akanji und BVB-Mega-Talent Jadon Sancho. Das Trio ist weit von seiner Vorjahres-Form entfernt.

Reus, der beste Spieler der vergangenen Bundesliga-Saison, überzeugte zuletzt in schweren Momenten nicht. Der 30-Jährige zeigte sich lediglich als Wortführer nach blamablen Auftritten wie etwa bei der Niederlage in Berlin, der Klatsche in München oder nun gegen Paderborn.

Jadon Sancho fühlt sich gedemütigt

Jadon Sancho hat zwar nach zehn Liga-Spielen starke elf Scorer-Punkte auf dem Konto, sammelte davon allerdings sieben an den ersten vier Spieltagen. Wie "The Athletic" am Sonntag berichtete, soll dem 19-Jährigen die Rückendeckung der BVB-Bosse fehlen.

Er fühle sich insbesondere nach seiner Auswechslung in der ersten Halbzeit gegen den FC Bayern "gedemütigt" und als Sündenbock der sportlichen Krise dargestellt.

Akanji, der Stabilisator und Chef der vergangenen Saison in der BVB-Abwehr, sollte nach der Verpflichtung von Innenverteidiger Mats Hummels - einem erfahrenen Abwehrspieler - an dessen Seite zur Weltklasse reifen. So zumindest die Hoffnung beim BVB. Doch Akanji ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst und wurde gegen Paderborn sogar aus der Startelf geschmissen.

BVB räumt Fehler in Kader-Zusammensetzung ein

So wie Watzke die Spieler kritisierte, wurde der Geschäftsführer aber auch selbstkritisch. Er gestand Fehler in der Kader-Zusammensetzung ein.

"Wir haben einen Fehler gemacht: Wir hätten eine zweite '9' (einen Stürmer, Anm. d. Red.) verpflichten sollen. Das haben wir falsch analysiert – aber mehr als das einzugestehen, können wir nicht machen", sagte Watzke. Bereits in der vergangenen Saison musste der BVB die Stürmer-Frage immer wieder beantworten.

Spätestens in der laufenden Spielzeit wurde deutlich, dass der Borussia ein weiterer Torjäger fehlt: Stürmer Paco Alcácer fällt verletzungsbedingt immer wieder aus und die Flügel-Spieler Julian Brandt und Thorgan Hazard können an vorderster Front nicht überzeugen.

Borussia Dortmund an Mario Mandzukic interessiert?

Im Winter soll nun ein weiter Stürmer verpflichtet werden, berichtete die "Bild" am Sonntag. Dabei schielt der BVB offenbar auf den ehemaligen Bayern-Knipser Mario Mandzukic (33).

Favre sprach sich erst vergangene Woche aufgrund des Alters gegen den Kroaten aus. Ob Favre allerdings im Winter noch Mitspracherecht hat, zeigen die kommenden BVB-Spiele.

Verwendete Quellen:

  • sport1.de: Im Video: Watzkes Rede in voller Länge
  • transfermarkt.de: Profil Jadon Sancho
  • theathletic.com: Exclusive: Jadon Sancho feels ‘humiliated and scapegoated’ by Dortmund amid interest from Barcelona, Liverpool, United and Real
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