Der FC Bayern München musste die Deutsche Meisterschaft ohne Zuschauer feiern. Dank zweier Bestmarken, der erreichten 100-Tore-Marke und einem neuen potenziellen Shooting-Star herrschte trotzdem ein Hauch Euphorie.

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Kein Konfetti-Regen, keine Bierdusche, keine jubelnden Fans: Die 30. Deutsche Meisterschaft des FC Bayern musste auf ungewöhnliche Art gefeiert werden.

"Das ist ein besonderer Moment, es ist auch ein sehr seltsamer Moment", erklärte DFL-Boss Christian Seifert vor der Ehrung mit der Meisterschale. Thomas Müller sagte zu der achten Meisterschaft in Serie: "Es ist natürlich anders. Daran möchte man sich nicht gewöhnen."

Und Trainer Hansi Flick stellte fest: "Die Emotionen, die man normalerweise nach so einem Finale hat, fanden heute mit angezogener Handbremse statt."

Doch Spieler, Trainer und Betreuer machten das Beste aus der Siegerehrung vor leeren Rängen. Kapitän Manuel Neuer durfte die Meisterschale zuerst in die Höhe strecken und reichte sie dann an die Mitspieler weiter. Mit einem gemeinsamen "Heeeey" wurde das immer wieder erneut gefeiert.

Eine Welle mit dem Kameramann

Leon Goretzka erwies sich fast schon als "Party-Retter", als er die Bayern-Delegation um Oliver Kahn und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne zu einer gemeinsamen Welle animierte.

Daraufhin folgte die obligatorische Ehrenrunde mit der Meisterschale - nur eben vor grösstenteils leeren Rängen, weil drei der vier Tribünenblöcke unbesetzt waren.

Doch "Not" macht bekanntlich erfinderisch: Die Bayern-Stars forderten einzeln herumstehende Ordner oder auch den Kameramann zur gemeinsamen Welle auf. So kam zumindest ein Hauch Euphorie auf.

Tatsächlich hatten die Bayern allen Grund zur Feierstimmung. Nicht nur wegen der Meisterschaft an sich, sondern auch wegen einer historisch guten Rückrunde. Mit 49 Punkten und einem Torverhältnis von 54:10 spielte der FC Bayern die beste Rückrunde aller Zeiten.

Mit dem 4:0 gegen den VfL Wolfsburg erreichten sie zudem die 100-Tore-Marke. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte der Bundesliga, dass eine Mannschaft dreistellig trifft. In der Spielzeit 1971/1972 hatte der FC Bayern sogar 101 Tore erzielt.

Flick lobt die Mannschaft: "Unglaublich"

"Es macht mich stolz, wie die Mannschaft in den letzten Monaten gespielt hat", lobt Trainer Hansi Flick. "Die Art und Weise, wie wir die Spiele angegangen sind, wie wir den Gegner unter Druck gesetzt haben, wie wir Spielfreude gezeigt haben - das war von Spiel zu Spiel einfach eine Freude. Was die Mannschaft erreicht hat, ist unglaublich."

Selbiges trifft auf einzelne Spieler zu: Thomas Müller hatte in Wolfsburg seine 21. Torvorlage zu verbuchen. Damit brach er den Rekord von Kevin de Bruyne, der in der Saison 2014/2015 20 Tore vorbereitete.

Und dann wäre da noch Robert Lewandowski, der sein 34. Bundesligator erzielte. Er zog dadurch in den Bundesliga-Geschichtsbüchern mit Dieter Müller gleich, der 1976/1977 ebenfalls auf diese Toranzahl kam.

Nur die 40 Tore von Gerd Müller bleiben wohl ewig unerreicht, wie offenbar auch Lewandowski glaubt: "Ich denke, es ist eine andere Zeit. Man kann das nicht miteinander vergleichen."

Michaël Cuisance - der neue Shooting-Star?

Mag das letzte Saisonspiel tabellarisch ohne Bedeutung gewesen sein, so brachte die Partie dennoch einen potenziellen Shooting-Star hervor: Michaël Cuisance.

Der 20-jährige Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2019 für eine Ablöse von rund zwölf Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern, spielte dort allerdings monatelang überhaupt keine Rolle. In der Hinrunde hatte der Franzose lediglich zwei Bundesligaeinsätze zu verbuchen, wurde zeitweise sogar in die 2. Mannschaft in der 3. Liga versetzt.

Erst zum Saisonende drehte Cuisance auf: Nachdem er bereits bei den letzten beiden Heimspielen gegen Gladbach und Freiburg in der Startaufstellung gestanden hatte, durfte er nun in Wolfsburg erstmals die kompletten 90 Minuten durchspielen.

Seine Ausbeute: ein Traumtor aus rund 22 Metern, dann auch noch einen Elfmeter herausgeholt.

"Wir haben uns alle gefreut, dass er so ein schönes Tor geschossen hat", sagt Flick. "Er hat sich das verdient. Er hat nach Corona sehr gut gearbeitet. Und dass er ein klasse Fussballer ist, hat er schon immer bewiesen. Nun geht er die Sache auch mit der notwendigen Mentalität an, die man braucht."

Verlässt Thiago den FC Bayern?

Ob er im zentralen Mittelfeld der Nachfolger von Thiago werden könnte, der laut Informationen der "Bild" den Verein verlassen möchte? Mit diesem Szenario wollte sich Flick noch nicht auseinandersetzen: "Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Gedanken, dass Thiago uns verlässt."

Der Fokus soll sich stattdessen auf das bevorstehende DFB-Pokalfinale in Berlin gegen Bayer 04 Leverkusen richten. Dort könnte dann der nächste Titel auf ungewöhnliche Art gefeiert werden.

Verwendete Quellen:

  • Bild: "Welche Vorteile der Thiago-Abschied hat"
  • Hansi Flick bei einer Pressekonferenz am 27. Juni 2020
  • Sky-Übertragung vom 27. Juni 2020: VfL Wolfsburg - FC Bayern München
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